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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Eltern Auseiandersetzung

Mein Partner sagt ganz oft zu unserem quirligen Kleinkind: „Du sollst doch nicht…“ zum Beispiel: „beißen“ oder „alles verschmieren“ oder „die Sachen auf den Boden werfen“. O.k., manchmal sage ich das auch – gerade beim Thema „Beißen“. Meistens denke ich jedoch daran, dass das Gehirn das „nicht“ nicht versteht und sich sofort beim „Pass bitte auf, dass du das Glas nicht umwirfst“ das Bild vom „umgefallenen Glas“ im Kopf des Kindes einstellt. Self fulfilling prophecy, die Wahrscheinlichkeit erhöht sich durch die (gutgemeinte) Warnung. So wäre in dem Fall die unkomplizierte Lösung, das Wasserglas selbst zur Seite zu räumen.

Dieses Beispiel kann ich ihm einleuchtend erklären. Er vergisst es zwar trotzdem immer wieder, aber das ist seine Kindheitsprägung, ich habe andere Themen, wo er im Gegensatz zu mir mit traumwandlerischer Sicherheit handelt. In anderen Erziehungsfragen ist es nicht ganz so einfach.

1. Zum eigenen Bauchgefühl stehen

Hormone haben einen Sinn. Als Mütter haben wir den tollen Vorteil in der Beziehung zu unserem Kind, dass wir durch das Bindungshormon mehr wissen, wie es unserem Kind geht, als alle anderen Menschen. (Das Bindungshormon entwickelt sich übrigens auch bei anderen Bezugspersonen durch positiv gemeinsam verbrachte Zeit mit dem Kind.) Das ist erstmal unser Ausgangsvorteil als Mutter.

Um dann im konkreten Fall eigene Erziehungsansichten zu entwickeln, braucht es ein tastendes Suchen und Finden von neuen Wegen. Gerade wenn wir es in einigen Bereichen anders machen wollen, als es mit uns gemacht wurde. Dafür brauchen wir Sicherheit und Rückhalt in der Partnerschaft und keine Kritik. Wie überzeuge ich jetzt meinen Partner, wenn er andere Erziehungsvorstellungen hat – oft die alten Muster von Zwang und Unterordnung des Kindes unter den Willen der Eltern?

2. Gemeinsame Gesprächszeiten einplanen

Einen Termin machen

In dem Fall, wenn sich schnell, schnell zwischen Tür und Angel ein neues Erziehungsthema nicht abhandeln lässt (Darf meine Tochter jetzt jeden Tag so lange Hörbuch hören wie sie will oder nicht?), beraume ich einen Termin für ein gemeinsames Gespräch für Erziehungsthemen ein – meistens am Samstag früh. Da Setzen wir uns dann hin und besprechen, wie wir das beispielsweise jetzt mit der Esssituation mit dem Kleinen lösen wollen, der partout nicht sitzen bleibt.

Wenn die Partnerschaft schon gelitten hat

Ganz grundlegend kann ich Michael Möller: „Das Zwiegespräch“ empfehlen. Wenn die Zerwürfnisse schon größer sind und die unterschiedlichen Erziehungsansichten an die Substanz der Beziehung zum Partner gehen, muss am Fundament angesetzt werden. Beim Zwiegespräch setzen sich die Partner zusammen und machen einen Zeitrahmen aus (eineinhalb Stunden). In dieser Zeit gelten nur drei Regeln:

  • Jede Person bleibt bei sich
  • Keine Fragen
  • Keine Wertungen

Dann ist es egal, ob die Zeit geschwiegen wird oder eine Person von sich erzählt, wichtig ist die gemeinsam verbrachte Zeit und der Wille, sich miteinander auseinander- und zusammenzusetzen. Das Zwiegespräch ist schon die hohe Beziehungskunst und kann zu Beginn bei zerstrittenen Parteien unter Anleitung sinnvoll sein.

Gemeinsame Ziele finden

Ohne die gegenseitige Absprache und das Gefühl gegenseitiger Unterstützung wird es schwierig. Oft sind die Erziehungsziele gar nicht so verschieden, die meisten Eltern wollen beispielsweise, dass ihr Kind ordentlich ist oder höflich ist. Über die Wege, wie das Kind dazu kommt, gibt es jedoch grundsätzliche Ansichten.

Will ich beispielsweise, dass mein Kind höflich zu anderen ist, ist der beste Weg, das ganze vorzuleben, ebenso beim Thema Aufräumen.

Beim Thema „ordentlich essen“ ist es sinnvoll, bedürfnisorientiert vorzugehen. Das Zurechtweisen führt vielleicht sogar zu schnelleren Ergebnissen, „kostet“ aber negative Gefühle, die das Kind mit bestimmten Esssituationen abspeichert (Lernen über den schnellen Gehirnweg). Üben wir mit dem Kind und fordern nur das, was es bereit ist zu geben, dauert das länger, ist aber nachhaltiger, weil es mit dem Willen des Kindes geschieht und mit positiveren Emotionen besetzt. Dafür braucht es viele kleine Teilschritte und eine längere Betreuung – es ist aufwändiger in den Anfängen, dafür später ein Selbstläufer.

Um dem Partner bedürfnisorientierte Erziehung nahe zu bringen, gibt es zwei überzeugende Literaturtipps. Das ist einmal William Sears (z.B. Schlafen lernen) und „Artgerecht“ von Nicola Schmidt.

Das Neue: Emotionales Lernen wird berücksichtigt

Immer ist die Frage, was ich möchte. Während frühere Erziehungsansätze nur an der Verhaltensebene ansetzten, wird heute immer mehr erkannt, wie wichtig die das emotionale Lernen ist. Daran setzt bedürfnis- und bindungsorientierte Begleitung von Kindern an.

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