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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Über Weihnachten ist bei uns absolute Ruhezeit angesagt. Was tun wir, wenn wir alles haben? Gutes Essen, frei zu gestaltende Zeit ohne Zwänge, ein warmes Zuhause? Ich löse gleich auf: Spielen und Musik! Klingt banal, ist es aber absolut nicht.

Rauhnächte

In alten Zeiten, als die Zeit zwischen den Jahren noch als Rauhnächte oder Hollennächte bekannt waren, galt vom 24.12. bis 6.1. Arbeitsverbot, das Spinnrad sollte ruhen (Karl Paetow: Frau Holle). In diesem Sinne haben wir dieses Jahr versucht, das notwendige Pensum an Arbeit (Kochen, Waschen) auf das Minimum zu beschränken, uns nicht medial zu zerstreuen und gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen – das was für mich Urlaub ausmacht – oder eben das Paradies auf Erden.

Gemeinschaft erleben

Dass das einen langen Weg gebraucht hat, hängt vor allem auch daran, dass Weihnachten traditionell das Fest der Familie ist und oft mit vielen Reisen verbunden – erst zu den einen Eltern, dann zu den anderen… Aber das, was wirklich angestrebt war, zusammen Gemeinschaft zu erleben, wurde für mich aufgrund verschiedener Stressfaktoren nie eingelöst. So war der erste Schritt bei uns, die Großelternbesuche auf andere Ferienzeiten, z.B. um die Zeit um Fasching herum zu legen – hier sind das die „Winterferien“ meist Anfang Februar. Da wir weit von unseren Eltern weg wohnen, wird das auch gut akzeptiert. Tatsächlich machen wir mittlerweile keine Besuche an Weihnachten mehr, sondern sind zwei Wochen einfach und doch nicht einfach zu viert zusammen.

Denn der Punkt ist – was mit soviel unstrukturierter Zeit machen, so dass alle Bedürfnisse unter einen Hut gebracht werden?

Wie die Zeit gestalten?

Naja, eine ganze Weile konnten wir uns mit den Weihnachtsgeschenken über die Zeit hangeln – vor allem bei der Großen. Wir hatten beiden Kindern eine Hängematte geschenkt, die wir in der Decke in ihren Zimmern anbrachten. Der Kleine war sowieso begeistert, dass alle zuhause blieben.

Lego war wieder sehr beliebt, für meine Tochter das Bauen, für meinen Sohn, sich abzuschauen, wie die Große mit seinen Sachen spielt und dabei zu liegen oder kräftig damit zu werfen und herum zu räumen. Die Experimentierkästen sind mal gut für eine kurze Zeit, ebenso wie das Malset. Auf die Werkbank können wir den Kleinen hinweisen, wenn er wieder mit Gegenständen auf Wand oder Glasvitrinen einschlagen möchte – nun hat er einen eigenen Hammer, mit dem er auf verschiedenen Untergründen in der Wohnung hämmern darf.

Gutes Essen und Geschenke machen schon mal eine guten Anfangsstimmung. Dann galt es, die gemeinsam entdeckten Spielmöglichkeiten weiter zu tragen oder an Spielen anzuknüpfen, die wir sowieso im Alltag machen.

Erstaunlicherweise hatten wir alle Lust, drinnen zu bleiben, so dass wir wirklich recht wenig im Park waren. Nur unser Feuermachen am Samstag und einen Spaziergang-Ausflug ans Meer haben uns nach draußen geführt. Impulse habe ich vom Programm her vor allem für die Große gesetzt. Für mich habe ich versucht, Rückzugszeiten zu nehmen, in denen ich mich spirituell erden konnte, was nicht einfach war.

Musik machen und Spielen

Fernsehen haben wir nicht verboten, aber mein Mann und ich sind seit den Kindern sowieso weitgehend davon weg. Meine Tochter möchte gerne ab und zu etwas schauen, weiß, dass ich ihr die „Sendung mit der Maus“ erlaube und fragt entsprechend danach. Daraus haben sich zwei Dinge entwickelt: Zum einen ist der Kleine leider aus seinem Mittagsschlaf von der Musik aufgewacht. Zum anderen gab es einen kurzen Clip von dem Lied „In der Weihnachtsbäckerei“, den die Große danach lange vor sich hin sang und auch versuchte, auf dem Klavier nachzuspielen. In einem Einfall, wie er zustande kommt, wenn Zeit frei gestaltbar ist, suchte ich nach einer Begleitstimme und konnte mitspielen. Daraus ergaben sich dann zwei Tage, in denen wir uns immer wieder mal ans Klavier setzen und daran weiter probierten, bis eine ganz passable Musik entstanden war.

Zum Abschluss gab es noch einen Glühwein-/ Glühpunschabend am Feuer mit Nachbarn, den letzten Tag vor Schulbeginn war wieder ganz durch die alltäglichen Dinge geprägt und dementsprechend ruhig.

Was bleibt – die Wirkungen

Es ist dann im Nachgang zu spüren: Die Beziehung von Bruder und Schwester ist gefestigt – der Kleine fragt nach der Großen, die Große beschäftigt sich ganz selbstverständlich mit ihm, wenn Papa kocht und Mama sich in Ruhe duschen möchte. Positive Beziehungserlebnisse, abgespeichert in den Köpfen der beiden, die uns wieder ein Stück durch die folgende Zeit mit den vielen Terminen trägt. Und der Kleine ist wieder ein Stück aufgeschlossener mir gegenüber, freut sich über Zuwendung und steckt Grenzsetzungen, z.B. zur Essenszeit, wenn er mal wieder auf den Tisch klettern will, besser weg.

Was ist ein gutes Leben für mich?

Und ja, das ist es – wie schon Hagen Rether in seine Programm „Liebe 5“ resümierte. Mehr ist es nicht. Ein gutes Leben für mich. Gefühlte Gemeinschaft in meiner Familie. Ein bisschen Freude an unserem Luxus, den wir hier in unsere Land genießen: heiße Badewanne, qualitativ hochwertigste Lebensmittel aus vielen anderen Ländern. Draußen spazieren gehen, wenn ich alleine sein will. Zusammen Spiele finden und Musik machen. Langweilig? Nein, wahre Entspannung. Geld für potentielle Reisen lieber in einen wunderbaren Alltag investieren.

Natürlich kommen gerade in dieser ruhigen Zeit Baustellen zum Vorschein, ungelöste Aufgaben, die noch angegangen werden müssen und geben die Richtung vor, in die es im nächsten Jahr verstärkt gehen muss. Was in Angriff genommen werden muss. Packen wir´s an.

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