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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

„Ringel Ringel Reihe, wir sind der Kinder dreie“ … Die Aussprache meines Kleinen wird immer besser. Unvermittelt beginnt er ein Lied anzustimmen – ich stimme mit ein, wenn ich erkannt habe, was er meint. Die derzeitigen Schlager außerdem „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ und „Aramsamsam“, wobei erim Mitteltei immer fröhlich „Kohlrabi, Kohlrabi“ kräht – ein Wort, das er eben schon aus der Küche kennt. Außerdem immer beliebt ist „Das ist der Daumen“ oder in der schönen weiblichen Form „Das ist Frau Daumen, die schüttelt die Pflaumen, die hebt sie auf und die kleine hebt sie alle, alle auf“ – am besten noch mit einem lautmalerischen „Haps“ am Ende.

Ein Lehrplan für die Frühförderung?!

Ja, jetzt ist eine Zeit, in der ich in Sachen Frühförderung schon sagen kann: Das ist gut, das können wir machen. Die ganze Zeit vorher lief das auch schon: Klangmeldodien vorsprechen und zuhören, Laute nachahmen und selbst produzieren, besonders auch Aussprüche von uns in der Familie aufnehmen und wort- und vor allem klangetreu nachahmen wie: „Auf geht´s“ (das bekommt er Originalton meine Stimmlage hin). Dafür gibt’s keinen „Lehrplan“, es ist aber alles die Basis, auf der dann die Wort- und Lautentwicklung des Sprechens aufbaut. Ganz viel geschieht erst einmal unbemerkt, einfach dass wir uns mit ihm beschäftigen.

Der Fön muss mit

Ansonsten ist gerade die Phase, in der jetzt klar ist, was der Kleine mag und was ihm Stabilität und Sicherheit gibt im Tagesablauf. Da wäre einmal der der Staubsauger, sein absolutes Lieblingsspielgerät. Der wird auseinander genommen, damit wird mit dem langen Saugrohr am Boden und auch auf Regalen herumgefuhrwerkt – auch hier ähneln die Bewegungen denen, die unsere Putzkraft macht oder die wir beim Saugen machen. Stecker rein, Stecker raus – alles ist spannend. Wir sind schon zum Teil entnervt, wenn wir schon wieder zum Mitsaugen aufgefordert werden. Bei der Großen war das nicht so klar.

Darüber hinaus hält er sich unglaublich gerne in der Schaukelhängematte im Wohnzimmer auf, in die er sich mit den Armen einhängt, die Beine anzieht und die tollsten Drehungen und Schaukelbewegungen vollzieht. Alles elektrische ist sowieso toll – bei Oma und Opa gab es einen lila Fön, der musste einen Vormittag lang bei allem mit – auch ins Auto.

Auch Baden in der Badewanne ist fast immer ein Programmpunkt, der gefällt – meist mit Mama, gerne mit der Schwester und auch mal mit Papa. Da gibt’s Wasser im Becher zum ausschütten, zum Trinken (möglichst aus dem Wasserhahn), der Wasserhahn wird mittlerweile schon ziemlich feinmotorisch dosiert auf und zu gemacht, das Prinzip von heiß und kalt ist verstanden worden und auf welcher Seite der Mischbatterie welche Temperatur ist.

Sicherheit durch beruhigende Tätigkeiten

Nachdem wir mit ihm jetzt so viele Dinge herausgefunden haben, die ihm gefallen, wird der Tag wieder ein Stückchen routinierter. Der Morgen läuft besonders entspannt, wenn er ausschläft und die Große schon zur Schule ist. Wacht er mit ihr auf, haben die zwei oft noch eine kurze Spielzeit zusammen, allerdings ist alles unruhiger, was ihn fahriger und unsicherer macht. Da ist dann hinterher Ruhe angebracht. Wenn keine Termine anstehen, reicht es, sich in seiner Nähe aufzuhalten, manchmal hilft es für die entspannte Atmosphäre, selbst etwas handwerklich sprich hauswirtschaftlich zu tun, insbesondere wenn ich selbst unruhig bin. Oder wir lassen es uns erstmal gut gehen, ich mache mir Tee, Kakao, er darf nochmal an der Brust trinken, und dann: „Schaun wir mal, dann sehn wir schon“.

Akkuschrauben mit 2 Jahren

Gestern habe ich in der Küche gewerkelt, mir vermutlich einen Tee gemacht, als er zu mir sagt: „Ablauben“, immer wieder, „ablauben, ablauben, ablauben“. Oft wiederhole ich dann was er sagt, so dass er weiß, dass ich es verstanden habe. Unter „ablauben“ konnte ich mir jetzt mal nichts vorstellen, bis ich zu ihm schaute. Er hing in der Türzarge, streckte sich nach oben und deutete mit dem ganzen Körper auf die silberne Einbuchtung, in die beim Türe schließen der Schnapper einrastet. Da entdeckte ich die drei Schrauben, mit denen diese im Türrahmen befestigt ist. „Ablauben“ – Aaahhh, jetzt, „abschrauben“ war gemeint. Er wollte schrauben. Gut, ich holte mit ihm den Akkuschrauber aus meiner Werkzeugkiste – ein schöner kleiner Bosch-Schrauben, den auch er gut packen kann. Auf einem Stuhl kam er an die Schrauben ran, die durch seine Schraubversuche auch nicht zerkratzt wurden. Um ihm noch mehr Verständnis zum Schraubprozess zu ermöglichen, bohrte ich einige Löcher in einen Holzklotz, den ich noch von der Großen da hatte, und drehte Schrauben ein. Schaffte er es nicht tatsächlich, mit dem Akkuschrauber, die Schrauben heraus zu drehen? Unglaublich, da musste selbst ich mal ganz kurz staunen, was alles wie früh schon möglich ist. Vorausgesetzt das Kind hat Interesse und die entsprechende Lernumgebung. Immer wieder schön, wenn die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse zum Lernen sich dann in der Praxis bewahrheiten.

Jaja, ungefährlich ist das natürlich nicht, das Kleinkind mit einem echten, elektrischen Gerät hantieren zu lassen. Deshalb bin ich ja dabei…

Was Kinder wollen

Muss ja nicht jedes Kind wollen. Braucht also auch nicht in einem Lehrplan für die Frühförderung stehen. Für mein Kind ist es halt eine super Möglichkeit, die Geschicklichkeit mit den Händen zu üben. Ein Katalog mit Lerngelegenheit kann sicher hilfreich sein – für uns Erwachsene, wenn wir uns dann wieder davon befreien, dass das Kind diese und jene Fertigkeit in diesem Alter können muss.

Was Kinder brauchen ist die Eins-zu-Eins-Betreuung (in der frühesten Lebensphase sogar 2:1-Betreuung) und eine permissive, also erlaubende Lernumgebung. Die Bindung an die Personen, sowie die ersten Lernerfahrungen in allen Lebensbereichen der ersten Jahre werden das Kind das ganze Leben lang prägen und begleiten. Drohung oder Versprechen?

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