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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Kind hört nicht?

Oft höre ich von Eltern die Frage an ihr Kind: „Hast du das denn nicht gehört?“ oder die Aussage „Das hab ich dir grade gesagt!“ Ich kenne das von mir, diese Annahme, dass das, was ich dem Kind anordne, auch sofort befolgt wird. Denn es ist doch logisch, dass die Wohnung schmutzig wird, wenn der die erdigen Schuhe drinnen anlässt, oder? 😉 In unserer Nachbarschaft wurde dieses Missverständnis soweit getrieben, dass das Bübchen irgendwann fast zum Ohrenarzt musste, weil er nicht „gehört“ hat. 

Vier Ebenen

Oft ist das, was wir sagen, ein Verbot oder Gebot, was das Kind tun oder lassen soll. Es gibt das 4-Ohren-Modell (Schulz von Thun), das anschaulich erklärt, warum unser Kind nicht etwa schlecht hört – im Gegenteil, es hört meistens sehr gut. Unser Kind antwortet nur auf einer anderen Ebene. Während wir oft auf der Appellebene argumentieren – „Ich hab dir doch gesagt, dass du nicht mit Schuhe in die Wohnung sollst“ – „hört“ das Kind sehr genau die Appellebene, antwortet aber auf der Ebene der Selbstkundgabe. Diese lautet vermutlich „Ich habe keine Lust, Schuhe auszuziehen“. Oder auf der Beziehungsebene „Ich will das nicht für dich machen, weil ich mich über dich ärgere, dass du mich zwingen willst.“ 

https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat#&gid=1&pid=1

Muss ich mein Kind zwingen?

Ich hasse diese Situationen, in denen ich denke, ich müsste mein Kind zu etwas zwingen. Meistens ist es dann der Fall wie gestern Abend, wenn ich selbst schon viel zu müde bin, um meinem Bübchen zu helfen. Und ihm dann noch Zähneputzen „muss“. Ich will das nicht, ihm mit den Fingern den Mund aufhalten, damit ich an die Zähne rankommen. Aber wenn ich die nicht putze, dann bekommt er doch Karies, oder? Die Alternative ist doch, ihm keine Zähne zu putzen? Ja, gestern habe ich ihn gezwungen – gut geht es mir damit nicht.

Bindungs- und beziehungsorientiert Mutter sein

Kein Tag ist wie der andere – und oft gibt es so viele Möglichkeiten an Reaktionen wie Finger an der Hand. In dem Fall – ich zu müde und mein Kind will (wie immer) nicht Zähne putzen, ist es vermutlich wirklich eine gute Lösung, keine Zähne zu putzen. 

  1.  Ich könnte natürlich das Ganze mit Humor nehmen – klappt gut, wenn ich selbst entspannt bin und wir viel Zeit nach hinten haben,
  2.  ich könnte das ganze Aussitzen – auch das nur, wenn Zeit nach hinten ist und ich WIRKLICH Geduld habe,
  3.  ich kann ihm eine Geschichte erzählen: von Karius und Baktus, und ihm erklären, warum Zähneputzen wichtig is – hilft meistens nur kurz, dann überwiegt das Unlust-Gefühl beim „Geputzt-werden“,
  4.  ich kann überlegen, wo er in anderen Situationen sich gerne helfen lässt: z.B. beim Popo abputzen – und mich so verhalten, wie ich es dort tue (nämlich ihn nach mir rufen lassen, wenn er fertig ist), allerdings geht er da meistens aus dem Badezimmer und spielt lieber,
  5.  ich kann nichts mehr für ihn machen, bis wir nicht Zähne geputzt haben,
  6.  ich kann alle Dinge, die er entscheiden kann – welche Zahnpasta, Motor an oder aus, wo hinsetzen – ihn entscheiden lassen, die Entscheidung für Zähneputzen generell aber treffen,
  7.  ich kann eine Routine schaffen, dass nach dem Abendessen immer gleich die Zähne geputzt werden,
  8.  ich kann an einem anderen Platz putzen, wenn der alte Platz gefühlsmäßig schon negativ besetzt ist,
  9.  ich kann für Ruhe sorgen, dass sich nicht noch zwei weitere Personen im Badezimmer aufhalten und Geräusche machen,
  10. ich kann für mich ein Spiel daraus machen – wie lange brauche ich wohl, bis sich das ein bindungs- und bedürfnisorientiertes Zähneputzen bei uns beiden etabliert hat? 3 Wochen? 3 Monate? drei Jahre? Schaffe ich es vielleicht schneller als gedacht?

Die Liste ist beliebig erweiterbar – es Bedarf nur ein wenig Zeit und Gedankenschmalz. Aber hey, wofür haben wir denn diese weiße Masse zwischen unseren beiden Ohren? 😉

Impuls

Mache JETZT deine eigene Liste, welche Möglichkeiten es für dich gibt – mögliche und unmögliche und hänge sie in deinem Badezimmer gut sichtbar auf!

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