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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Von Anfang an lernen die Menschen. Ab der Geburt können wir die Lernprozesse diese kleinen Menschlein bewusster verfolgen, weil wir das Kind sehen. Außerdem gestalten wir die Lernprozesse in entscheidender Weise mit. Die erste Bezugsperson ist immens wichtig für das, was das Kind lernt, da sich die ersten Verknüpfungen im Gehirn ausbilden – die „Hardware“ im Gehirn sozusagen. Neuronen, also Nervenzellen, verknüpfen sich im Gehirn über Dentriden, also solche langen „Fäden“, wie Fühler, die die Nervenzellen miteinander verknüpfen, die durch die entsprechenden Erfahrungen angeregt werden. Spätere Lernerfahrungen werden immer auf der Hintergrundfolie dieser prägenden ersten Erlebnisse eingeordnet.

Soll ein Verhalten dann geändert werden ist das Umlernen immer unglaublich viel schwerer als das Neulernen. Um genau zu sein – Umlernen in diesem Sinne gibt es nicht – es ist immer ein Neulernen, ein Neu-Schreiben von neuen Erlebnissen, die leider dann aber auch durch die alten Erfahrungen„irritiert“ werden können, wir fallen in die alten Spurrillen der Schallplatte zurück, die bisher tief eingegraben wurden. Logischerweise gilt das für die Kleinen und genauso für uns Erwachsene. Neulernen braucht deshalb auch ganz viel Zeit und Ruhe und muss zu Beginn ganz langsam erfolgen.

Jetzt lernen ja nicht nur die Kinder. Auch ich habe bei meinem zweiten Kind beim Thema Stillen einiges Neues lernen müssen, denn in den Jahren seit meiner Tochter gab es einige neue Erkenntnisse, zusammengefasst unter dem Begriff „Intuitives Stillen“.

Weil ich bei meinem ersten Kind Erfahrungen mit äußerst schmerzhaften Einrissen in der Brustknospe zu tun hatte – mein Kind sagt Brustknopf, auch ein schöner Ersatz für die „Brustwarze“ – war ich sehr gewillt und bereit, beim Thema Stillen zu experimentieren.

Babys beobachten führt zu interessanten Erkenntnissen

Als erstes legte ich, wie bei Regine Gresens beschrieben, mein Kind auf meinen Bauch und ließ es selbst zur Brust finden. Er stieß sich kräftig mit seinen Füßchen ab, an der Brustknospe musste ich seinen Kopf stützen. Zu Beginn schaffte er es nicht alleine, mit dem Saugen zu beginnen, da half ich also doch deutlich nach und mit. Was ich aber schön beobachten konnte, waren seine Reflexe:

  • er bewegte sein Köpfchen immer hektisch hin und her, wenn ihm klar war, dass er ungefähr an der richtigen Stelle lag,
  • er „schlabberte“ mehr als er saugte mit den Lippen und der Zunge an der Brustknospe
  • er schob mit den Beinen und Füßen nach oben (Oft kippte dann sein Köpfchen dann zur Seite von der Brust herunter, und ich musste es stützen.),
  • seine Arme ruderten und er schob mit seinen Händchen zu seinem Mund, bestenfalls erwischte er die Brust, wenn er darauf lag.

Also der ganze Körper agierte, um Nahrung zu bekommen. Irgendwie auch logisch, das ist ja wirklich existentiell. Mehr muss kind nicht können, aber weniger darf es auch nicht können, denn um zu wachsen, muss es erstmal essen, essen, essen. Das Kind, so konnte ich bewusst beobachten, hatte also wirklich diese angeborenen Reflexe und dadurch die Kompetenz, sich Nahrung zu organisieren. Wenn ich ihn dabei „intuitiv“, nach meinem gesunden Menschenverstand unterstützte, würde sich mir das Thema Stillen tatsächlich irgendwie selbst erschließen können.

Das kompetente Kind …

Für mich war zunächst recht anstrengend, ihn vom Bauch aus starten zu lassen und insbesondere das Abstützen meines Körpers erwies sich als schwierig. (Die Empfehlung der Hebamme war, rechts und links mit Kissen unter den Armen und halb liegend, so dass ich dann entspannt sitzen würde.) Schon bald legte ich ihn einfach neben mich und versuchte ihn auf der Seite liegend zu stillen, wie es sich bei meinem ersten Kind als am bequemsten herausgestellt hatte.

Interessant war es für mich zu beobachten, was er selbst machte, um sich sein Essen zu „beschaffen“ – und ihn dann dabei zu unterstützen. Beim Beobachten seiner Ärmchen und Hände haben sich mir tatsächlich Erkenntnisse eingestellt, wie er die Brustknospe braucht, um gut daran saugen zu können. Meist hatte er beide Arme und Hände um die Brust herum gelegt und der innere Handrücken drückte. Schob er seine Hand zur Seite und drückte meine Brust zu Seite, rutschte ich diese in die gedrückte Richtung und schon konnte er sie besser mit dem Mund fassten – dabei handelte es sich oft nur um ein paar Millimeter, die es für ihn brauchte. Schob er sein Händchen eher zu seinem Mund hin, rückte ich mit der Brust auf ihn zu und auch da konnte er besser mit dem Mund zufassen und trinken. Es lohnte sich tatsächlich, so seltsam es sich am Anfang auch anmutete, das Kind gut zu beobachten und darauf zu reagieren.

Letztendlich bin ich auch bei diesem Kind nicht um die Schrunden, also Einrisse in diesem obersten Knopf der Brustknospe – herumgekommen. Hier ist der Tenor, dass es zwar tolle Pflegeprodukte gibt – hier sei Lansinoh Lanolin, das gereinigte Wollfett, empfohlen (gibt es auf Rezept über die Hebamme), diese aber nur das Sympton lindern. Sie lösen aber nicht die Ursache auf, die da ist, dass der Säugling seinen Mund nicht umfassend genug im die Brustknospe „stülpt“. Klappt dies, gehen die Schrunden nach und nach zurück. Besonders hilfreich, um die Schmerzen durchzustehen ist, dass diese nur einmal entstehen. Ist der Prozess des Abheilens bei weiterem Stillen durchgestanden, kommen sie nicht mehr wieder.

Noch ein Erfahrungsbericht

Noch ein Erfahrungsbericht für das schmerzhafte Thema Brustentzündung/ Brustverhärtung: Im Kontext zu dem Thema „Intuitives Stillen“ hatte ich mehrere Informationen. Zum einen soll dem Kind immer etwas gegeben werden, wenn es Anzeichen zeigt, dass es trinken möchte. Regelmäßige Mahlzeiten in kürzeren Abständen würde die Brust immer weich halten, so die Argumentation und damit Milchstau und Verhärtungen vorbeugen. Auch jetzt hatte nach der Geburt ob der Milchfülle relativ schnell gespannte Brüste und weiß auch nicht, ob sich das wirklich verhindern lässt. Allerdings wusste ich aus Erfahrung, dass ich, würde ich wie bei meiner Tochter sehr oft stillen, ich selbst sehr erschöpft würde, die Verhärtung davon aber nicht besser würde. Zum anderen sollte immer eine Brust möglichst ganz geleert werden. Und genau dies bewahrte mich diesmal im Vergleich zum ersten Kind vor der Erschöpfung, die sich bei mir einstellte, als ich ihr ständig zu trinken gab.

Mir tat es darüber hinaus gut, Verhärtungen zu massieren, mich selbst an den Schmerz heranzutasten im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei nutzte ich das Stillen, um mit etwas Mandelöl auf den Handflächen, dem Kind die Milch quasi in den Mund zu schieben – immer von ganz außen zur Brustmitte hin. Außerdem nahm ich zwei- oder dreimal die gleiche Brust, bis sie gefühlt wirklich „leer“ war und wechselte dann erst, solange, bis die Verhärtung (fast) weg war, was schon nach einem bis zwei Tagen der Fall war. Das dauerhafte Verschwinden der Verhärtungen erreichte ich dadurch, dass ich dieses Ausmassieren einige Zeit immer beim Stillen machte. Irgendwann wurde es dann unnötig, die Schrunden waren verschwunden und der Kleine zog so effektiv an der Brust, dass diese nach einem Mal Trinken weich und leer war.

… und die kompetente Mutter!

Mein Kind hat gelernt, dass seine Arm- und Handbewegungen, wenn auch recht grobmotorisch, etwas bewirken, so dass er sie weiter machte. Mit der Zeit allerdings lernte er, dass er seine Ärmchen einfach still halten kann und nur mit dem Mund arbeiten muss, da ich ihn begann, fast immer auf der Seite zu stillen und er das Essen somit meist „serviert“ bekam. Für mich ist es die entspannteste Stillposition. Aber jede Intuition ist verschieden und was zu uns passt, lernen wir durch das eigene Ausprobieren und durch Erkenntnisse, die Frauen schon Jahrzehnte vor uns gemacht haben. Ein unterstützender Einstieg in die eigene Welt der Vorlieben und die des Kindes ist das „Intuitive Stillen“ auf jeden Fall, zumal es Argumente in die Hand gibt, wenn die eigene Hebamme etwas empfiehlt, was sich für uns nicht gut anfühlt.

Wir Mütter haben also die Fähigkeit, uns Stillen autodidaktisch beizubringen, hilfreich ist es natürlich trotzdem, von anderen Erfahrungen zu profitieren, denn einige Ecken und Kanten, um nicht zu sagen, Schrecken und Schrunden, gibt es ja bei dem Thema.

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