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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

schwimmen lernen ohne Angst

Mein Kind wirft sich mit gestreckten Arme vom Schwimmeckenrand weit nach vorne ins Wasser. KLATSCH – Landung auf dem Bauch mit Abtauchen und wieder Aufstehen.

Ich befinde mich im 32 Grad warmen Kinderbecken. Mein Kind, fast 4 Jahre kann hier überall stehen und bewegt sich deshalb sehr vertrauensvoll. Im Gegensatz zu seine Schwester früher würde ich sogar sagen – risikoreich. Doch er lernt genau durch die wirklichen Konsequenzen seiner Handlungen und nicht durch von mir gesetzte Regeln.

In diesem Artikel geht es weniger darum, wie sich bei meinem Kind ein natürlicher Schwimmprozess entwickelt, als darum, was es mir gibt, ihn dabei zu begleiten.

KLATSCH – wieder der Bauchplatscher, und wieder nach draußen – vier, fünf, sechsmal das gleiche Spiel. Warum er das wiederholt? Weil es funktioniert und sich gut für ihn anfühlt. Ich beobachte ihn dabei und bin gleichzeitig Mitspielerin im Geschehen. Weiß ich doch, dass seine Klatscher der natürliche und damit optimale, weil selbstgesteuerte Lernweg zum Kopffsprung sind. Wenn er einmal Lust hat, Kopfsprünge zu machen, was bei ihm so aussieht.

Der Anfang

Als wir gemeinsam das Schwimmbad betreten, rennt mein Kind sofort zum Kinderbecken: „Mama, kommst du?“ Ich bin zunächst zurückhaltend, da noch zwei weitere Mamas mit Kindern im Becken sitzen und ich erstmal ankommen will. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich entspannt ganz bei mir und meinen Bedürfnissen bleibe, entwickelt sich zwischen mir und meinem Kind/ meinen Kindern ein wunderschöner Prozess.

Von einer Liege aus beobachte ich, wie mein Kind am Beckenrand entlang zu den anderen Kindern läuft. Er hat keine schlechten Erfahrungen gemacht und Kinder sind immer potentielle SpielkameradInnen. Die Kinder sind noch klein und die Mütter verhalten sich abwartend wie ich, so dass er nach mehrmaligem am Beckenrand Auf- und Ablaufen wieder auf mich zurückkommt. Ich habe mich soweit aklimatisiert, dass ich nun zum Becken komme, meine Schuhe ausziehe und erstmal die Beine im Wasser baumeln lasse. Mein gar nicht mehr so kleines Kind ist mittlerweile ins Wasser gelaufen, das ihm bis zu den Oberschenkeln geht.

Ich habe noch keine Lust, ganz ins Wasser zu gehen und habe den Impuls, mich auf einen der herumschwimmenden Wasserbälle zu setzen. In der Zwischenzeit hatte mein Kind schon mehrere Themen:

  • versuchte Kontaktaufnahme mit den anderen Kindern durch Hingehen,
  • sich aufs Wasser legen und mit den Händen kraulen und immer wieder aufstellen – ein Thema, das ich bisher noch nicht bei ihm gesehen habe,
  • sich Flossen holen,
  • sich von einem kleinen Absatz, am Beckenrand nach vorne werfen.

Als dann das Becken leer wird, weil die anderen Mütter samt Kindern gehen, paddelt er (und ich, die ich mittlerweile im Becken gelandet bin) ein wenig herum.

Dann wird ihm langweilig und will er essen. Wir knabbern draußen am Platz ein paar Äpfel, als wieder ein Kind kommt. Schwupp, ist er wieder im Becken.

Es dauert immer ein wenig, bis wir so ganz angekommen und bereit sind, wirklich in ein Spiel einzutauchen. Glücklicherweise haben wir heute zweieinhalb Stunden Zeit und es ist fast nichts los – was insbesondere für mich entspannend wirkt, da mich sowohl Lautstärke als auch viele andere Menschen stressen.

Spielphasen

Das andere Kind ist älter und mit Oma da. Es folgt wieder eine gegenseitige Wahrnehmungsphase und ich spreche kurz mit der Großmutter. Da das Kind eher für sich spielt, wendet mein Kind seine Aufmerksamkeit einer Schwimmmuschel zu, eine etwas kleinere Luftmatraze. Er legt sich darauf und ich ziehe ihn, was und beide zu Lachen bringt. Dann will er, dass ich das Luftpolster halte, so dass er von der Leiter der Rutsche, die im Becken steht, darauf springen kann. Das Herunterspringen von der Leiter war schon während der letzten zwei Schwimmbadbesuche sein Thema, so dass er sich gleich von oben traut. Die Muschel wird von seinem Gewicht zur Seite gedrückt und er taucht tief unter. Obwohl er stehen kann, dauert es einen Moment, bis er sich unter dem Luftpolster hervorgearbeitet hat. Erschrocken blickt er zu mir. Ich bin noch so in unserem Spiel, dass ich erst später realisiere, dass er sich wirklich erschreckt hat.

Das hatte er offenbar anders eingeschätzt und der Tauchgang kam unerwartet. Da er gelernt hat, dass Untergehen gefährlich für ihn ist, geht er nach einigen Schrecksekunden nun langsamer vor. Er springt zunächst erstmal von der untersten Stufe auf die Schwimmmuschel, die ich wieder halten darf. Er landet sicher auf allen Vieren und wird Stück für Stück wieder mutiger. Er erzählt mir, dass es vorher richtig tief untergetaucht ist.

Später will er mich auf dem Luftpolster durchs Becken ziehen. Obwohl es an der Luft kälter ist, ist es vergnüglich, mich von ihm durchs Becken ziehen zu lassen. Dann will er von der Rutsche auf die Schwimmmuschel gleiten, die ich unten halten soll. Da es nicht so funktioniert wie gedacht, lassen wir uns im Becken treiben. Er paddelt wie ein kleiner Seehund und hält dabei seinen Kopf über Wasser und die Luft an. Ich bin glücklich.

Was mir das Muttersein gibt und nimmt

In diesem Moment passt alles. Ich bin mit meine Kind im Jetzt und Hier, wir teilen unsere Erfahrungen und die Freude springt zwischen uns hin und her. Und dann gibt es nachts die Sorgen – über die richtigen Entscheidungen, wie mein Kind gefördert werden soll, welchen Rahmen, welches Umfeld ich gestalten kann und wie ich das finanzieren soll.

Ja, mein Kind ist eine persönliche Erfüllung und ich lerne jeden Tag von ihm spielen, das ich verlernt hatte. Und nein, ich bin traurig, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausübe und Geldsorgen mein Sicherheitsgefühl stark beeinflussen. Das Dilemma ist aktuell für mich nicht auflösbar.

Der Abschluss

Zum Schluss kommt noch eine Familie mit zwei Kindern ins Becken. Sie nehmen gleich viel Raum ein. Da sich unsere gebuchte Zeit dem Ende nähert, stelle ich mich darauf ein, dass wir bald aufbrechen. Meinem Kind sage ich, dass wir noch zehn Minuten haben, bis wir gehen.

Heute durfte ich es erleben. Ich durfte Teil von etwas sein, das oft nur Kinder noch wirklich können, wenn sie dürfen: das Geschenk des wirklichen, weil selbstvergessenen Spielens.

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