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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Fahrrad fahren - Tandem, Laufrad, Stützräder

Es ist wie beim Arzt. Wir gehen zur Ärztin, wenn wir selbst nicht mehr weiterwissen, bekommen ein Medikament. Und dann? Heilt unser Körper selbst. 

Ebenso beim Lernen und Lehren: In der Schule setzen die Lehrkräfte Impulse. Die Hauptaufgabe, das Lernen, wird von den Kindern selbst gemacht. Und gelernt wird oft etwas anderes, als die Lehrinhalte: still sitzen beim Zuhören, Anweisungen befolgen, sich an ein Zeitraster halten, sich freuen, etwas probieren, scheitern, sich darüber ärgern, getadelt werden, ermuntert werden, es wieder probieren etc.

Das heißt, Kinder bringen sich alles selbst bei, und zwar dann, wenn es sie interessiert oder wenn sie dazu gezwungen werden. Dabei ist der erste Weg der zufriedenstellendere, weil sich die Kinder selbst als Menschen, die sie sind, ausdrücken dürfen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem Radfahren zu beginnen? 

Zunächst genügt es, ein kleines Fahrrad in Sichtweite des Kindes zu haben, z.B. in der Wohnung (Reifen abputzen), auf der Terrasse oder beim Spielen immer mal mit zu nehmen. Wenn das Kind von sich aus Interesse signalisiert, wird es selbst beginnen. Eltern brauchen lediglich Zeit, um zur Verfügung zu stehen. 

Die größte Schwierigkeit für uns Eltern besteht darin, das Fahrrad zwar anzuschaffen, weil wir das Kind so einschätzen, dass es soweit ist, aber keine Erwartung entwickeln, wann und wie das Radfahren losgeht. (Oft wird das Rad ja als Geschenk von Oma und Opa besorgt, die dann am liebsten gleich das Kind darauf fahren sehen wollen.) Das heißt, mit der Anschaffung des Fahrrades ist oft ein Erwartungsdruck auf das Kind verknüpft, das die eigene Motivation überlagert. Das ist deshalb kritisch, weil das Kind mit Freude und ausdauernder lernt, wenn es das aus sich heraus zu tut und nicht weil andere das möchten.

Es lohnt sich, ein möglichst kleines und leichtes Fahrrad zu besorgen (das kleinste und leichteste, das zu finden ist – es ist unglaublich wichtig, dass der Anfang als spannend, aber nicht als Überforderung erlebt wird. )

Jeder Anfang ist anders

Bei meinem Kind hatten wir das Rad unter dem Schuppen stehen. Zunächst interessierte er sich wenig für sein Geburtstagsgeschenk. Im Sommer setzte er sich dann ab und zu darauf und entdeckte, dass der Ständer ihn nicht hielt, wenn er im Sand steckte: Er kippte um. Daraufhin heulte und schimpfte er und forderte uns auf, dass wir ihn halten sollen, was wir taten. 

Ab dann begann für ihn ein „Moped-Spiel“: Er setzte sich auf das Fahrrad mit Ständer und brummte und riss den Lenker hin und her, da er in seiner Vorstellung Motorrad fuhr. 

Dann kippte er zu der Seite um, auf der kein Ständer war. Wieder Heulen und Meckern auf den Schreck. Ab dann wurde er vorsichtiger mit dem Aufsitzen und sicherte sich mehr auf beide Seiten ab – der nächste Lernschritt.

Nach vielen eigenen Schiebe- und Aufsitzübungen auf der Terrasse fragte er mich, ob wir zusammen Moped fahren könnten. Ab dann gingen wir auf die Spielstraße vorm Haus.

Wo kannst du ein kleines Fahrrad in der Umgebung deines Kindes abstellen, so dass es bei Interesse Zugriff darauf hat?

Vorstufen und Erleichterungen

Zunächst kommen Kinder häufig auf die Idee, sich in einer Bewegung auszuprobieren, weil sie etwas bei anderen sehen und es sie interessiert. 

Die beste Erfindung der letzten Jahrzehnte war das Laufrad. Hier können Kinder das Gleichgewicht in Kombination mit dem Lenken lernen ohne Treten zu müssen. Es bietet sich an, ein Laufrad mit einer Abstellmöglichkeit für die Füße anzuschaffen, da in fortgeschrittenem Stadium die Kinder Freude daran haben, die Füße abzustellen und „freifüßig“ zu rollen.

Laufrad

Es lohnt sich, für den Beginn ein kleines Laufrad und später ein großes Laufrad zu besorgen, denn in der Anfangszeit des Radfahrens. Es verschafft uns als Erwachsene eine größere Sicherheit und Flexibilität. Wenn es mal schnell gehen muss, dann geht ein großes Laufrad schneller als ein Kind, das noch unsicher Rad fährt.

Tandem

Ebenfalls empfehlen kann ich ein Eltern-Kind-Tandem, das es gebraucht günstig gibt und einen hohen Wiederverkaufswert hat. Das Kind sitzt vor der Erwachsenen auf einem niedrigeren Sattel und wird „mitgelenkt“. Dadurch erfährt es das Radfahren passiv und lernt Bewegung, nach vorne sehen und Verkehrssituation intuitiv. Es ist wiederum eine Möglichkeit für uns Eltern, flexibel mit dem Rad unterwegs zu sein.

Welche Möglichkeiten hast du, um deinem Kind das regelmäßige Fahren mit dem Laufrad zu ermöglichen?

Wie sieht es mit Stützrädern aus?

Stützräder waren ein beliebter Zwischenschritt bevor es die Laufräder gab. Generell gilt:

  • Alles was Freude macht, ist erlaubt.
  • Jede Bewegungserfahrung ist eine Lernmöglichkeit.

Stützräder können eine schöne Möglichkeit sein, dem Kind das Lenken und Fahren zu ermöglichen. 

Sie sind ebenfalls ein Zwischenschritt vor dem freien Radfahren. Im Gegensatz zum Laufrad sind Stützräder weniger wirksam, so zeigt die Erfahrung. Beim Laufrad wird schon das freie Fahren in Momenten des Abstellens der Füße geübt wird, was beim freien Fahren ein zentraler Punkt ist.

Das Kind bringt sich selbst das Radfahren bei - wir Eltern können nur begleiten.

Das ganze bisherige Leben haben sich Kinder selbst beigebracht, sich zu bewegen. Krabbeln, Laufen, auf einem Rollfahrzeug fahren, balancieren, klettern, rutschen, schaukeln, rennen hüpfen, Sachen herunterheben, einräumen, herumschieben, Stifte halten, Löffel halten etc. 

Als Eltern gehen wir von der irrigen Annahme aus, wir könnten unseren Kindern etwas „beibringen“. Wir können unser Erfahrungswissen versuchen mitzuteilen. Der größte Anteil des Lernprozesses, den Hauptanteil, machen die Kinder und wir dürfen unterstützend und staunend daran Anteil haben.

Siehe auch: 4 Tipps, um sicher Radfahren zu lernen

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