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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Es gibt sie – diese Stresssituationen. Wo mein Mann und ich uns anmeckern und einfach nur genervt sind. Woher kommt das? Und wie können wir es verändern oder das nächste Mal besser machen?

Seit nunmehr drei Wochen sind meine Tochter und mein Mann zum größten Teil zu Hause. Ich muss ja sagen, dass ich es liebe, meine Tochter mehr um mich zu haben. Und nicht soviel in der Gegend herum fahren zu müssen, um sie in die Schule, zum Tanzen o.ä. zu bringen. Eine der größten Aufgaben war es, die Zeit zu strukturieren, um uns in der Familie Sicherheit und Ordnung zu geben.

Neue Routinen visualisieren mit einer Wochenplanung

Um eine Übersicht über unsere gemeinsam zu gestaltende Zeit und dennoch anstehende Aufgaben zu haben, nuzen wir eine Wochenplanung. Ich mache sie sonntags, lasse sie von meinem Mann absegnen und hänge sie dann gut sichtbar an unserem Kühlschrank.

So eine Wochenplanung hat den Vorteil, dass auf den ersten Blick für uns sichtbar wird, was ansteht. Und da die eingespielten Termine in den Zeiten vor Corona wegfallen, hilft es, eine neue Routine übersichtlich anschauen zu können.

In der ersten Woche waren wir allerdings weit entfernt von Routine. So ein Planer kann schnell selbst gemacht werden – es werden fünf Spalten für die Werktage gemacht und eine Spalte für Wochenende und Notizen. Die Schwierigkeit war es, dass verschiedene Personen mit verschiedenen Aufgaben eingetragen wurde – schnell wurde es unübersichtlich. In der zweiten Woche begann ich, vor allem die regelmäßigen Termine mit einem Pfeil über die gesamte Woche zu kennzeichen, die da wären: die Schlafphase des Kleinen um 11 Uhr, Mittagessen um 13.30 Uhr, meine Schreibzeit, die (Homeoffice-)Arbeitszeit meines Mannes und Zeiten für die Kinder.

Zu Nebenwirkungen fragen Sie die Eltern

Zu Stress führt bei uns unter anderem die Arbeit, die Kinder einfach so mitbringen, einfach weil sie Kinder sind und noch lernen.

Was derzeit wieder unglaublich Arbeit macht und anstrengend ist, seitdem das kleine Kind laufen kann, ist die Unordnung, die er mit seinen Spielen verbreitet. Oder beim Essen. Es vergeht kein Essen, an dem nicht etwas (Kleidung, Tisch) verschmiert, etwas zerkratzt oder zerstört (Tisch, Geschirr) oder Nahrungsmittel heruntergefallen sind. Und es macht Arbeit, alles wieder zu säubern. Wäre bei der Geburt ein Beipackzettel mitgeliefert worden, hätte darauf gestanden: Zu Nebenwirkungen fragen Sie andere Eltern.

Besonders beliebt sind bei mir, wenn er Spaß daran hat, Tee, den er eigentlich trinken soll, einfach auszuspucken, egal wo er gerade ist. Oder beim Essen auch gerne auf einem „großen“ Stuhl wie seine Schwester sitzen möchte – das sind die Stühle mit den weisen Überzügen.

Es ist immer die eigene Entspanntheit, um in solchen Situationen gut reagieren zu können – und die emotionale Verbindung mit den Kindern.

Und: ich muss zugeben, nicht nur mein Kind bekommt das super hin. Auch ich bin Maestra im Verschütten und Runterwerfen,. So geschehen gerade gestern: meine XXL-Tasse greifen, sie nur minimal verfehlen und – hurra, Überschwemmung, hier bin ich…

Kinderzeit

Morgens den Tag zu starten, ohne etwas gemeinsames mit den Kindern zu machen, führte zu einem völlig entnervten Tagesausklang am Abend. So wurde schnell klar, es war wichtig, neben der körperlichen Versorgung der Kinder eine Zeit am Anfang des Tages zu haben, mit der wir mit ihnen in Kontakt kamen und sich dann erst für andere Arbeitsaufgaben ohne Kind zurück zu ziehen. Für mich ist das nochmal wichtiger als für meinen Mann, da ich eher der präventive Typ bin und Streit gerne wenn möglich vermeide. Hilfreich für uns ist es in diesen Zeiten, am Anfang des Tages einfach zusammen raus zu gehen, in den Garten, da ergeben sich immer Spielanlässe. Die Gratwanderung ist lediglich, dass die Gartenarbeit erst an zweiter Stelle stehen darf. An erster Stelle steht die erfolgreiche Beziehungspflege, möglichst mit beiden Kindern. Erfolg wird gemessen am eigenen Gefühl, in Beziehung gekommen zu sein. Das macht es einfacher, dann während des Tages immer wieder dort anzuknüpfen, wo wir uns z.B. für eine Erwerbsarbeitszeit voneinander trennen.

Familien stärken durch Gruppenarbeit

Besonders wertvoll sind für uns Dinge, die wir alle vier zusammen tun und die uns allen vieren ein gutes Gefühl gibt, z.B. gebraucht zu werden.

Eigentlich, in Nicht-Coronakrisen-Zeiten, haben am Montag für zwei Stunden eine Haushaltshilfe, die bei uns die Bäder putzt und die Böden wischt. Seit drei Wochen machen wir diese Arbeit selbst und von Anfang an war es eine Gruppenaufgabe. Es hilft uns, nur einmal in der Woche, zu einer festgelegten Zeit, genau die gleichen Aufgaben zu machen: Bäder und Böden. Mein Mann und ich haben es uns aufgeteilt, der beginnt mit den Bäder, ich mit dem Saugen. Die Kinder helfen meinem Mann mit und putzen die Badewanne. Einmal Saugen wir noch gemeinsam, aber nach eineinhalb Stunden sind wir fertig für die ganze nächste Woche. Und das ist entlastend. Sind die Kinder mit der Badewanne fertig, verlangen wir mittlerweile von unsere Großen, die sechs Jahre älter ist, dass sie auf den Kleinen aufpasst, so dass wir ein wenig entlastet sind für das Putzen. Das schließt nicht aus, dass die beiden mitmachen dürfen, wenn sie wollen.

Wir haben eine Familienregel: Wer etwas herunterwirft, hebt es auch wieder auf. Analog lässt sich das auch mit „Ausräumen – einräumen“ u.ä. ersetzen. Früh übt sich: dem Kleinen macht es viel Spaß, mit Lappen und Schwämmen herumzuwischen. Dann drücke ich ihm einen Schwamm in die Hand und schaue zu, wie er damit auf dem Tisch herum wischt, den er vorher eingeschmiert hat. Oder wir wischen gemeinsam mit Putzlappen den Tee auf, den er vorher ausgespuckt hat. Fördern durch fordern. Und so bringe ich – wenn meine Geduld es gerade hergibt, ein „bisschen“ nachwischen muss ich ja doch – die Zeit auf, ihn das selbst machen zu lassen. Und freue mich daran. Manchmal beruhigt es das Gemüt, wenn er die Sauerei selbst wieder aufputzt, die er verursacht hat.

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