Hier geht´s zur Anmeldung für die Schreikind-Kompetenz-Challenge vom 24.8. - 28.8.2020

Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Mein Blog

Trennungsschmerz begleiten

Trennungsschmerz begleiten

Mit dem Herbst kommen die kalten Temperaturen – derzeit sind es fünf Grad am morgen. Das ist für uns schon morgens spürbar, sowohl mein Schulkind als auch mein Mann fahren mit dem Fahrrad zu ihren jeweiligen Arbeitssttätten.

Getrennte Wege – eine eskalierende Situation

In den vergangenen zwei Wochen haben wir Heimaturlaub gemacht. Nun, nach einer langen Zeit, in der wir zusammen mit der Oma jeden Tag alles gemeinsam gemacht haben, kommen wir zurück nach Rostock, und auf einmal ist die Familie nicht mehr zusammen.

Bei dem Kleinen dauert es einen Tag, bis er es realisiert. Am zweiten Tag nach unserer Rückkehr will er nicht mehr mit mir zuhause bleiben: „Ich gehe auch in die Schule!“

Am Dienstag morgen eskaliert die Situation beim Verabschieden. Der Kleine wirft sich auf den Boden und bricht in hemmungsloses Weinen aus, als die Große auf das Tandem klettert. Der Zeitdruck der Schulbeginns schafft Handlungsdruck und verschärft die Lösungsfindung.

1. Lösung: Einfach losfahren

Nachteil in dieser Situation ist, dass er wirklich hilflos weint, er ist also nicht jammerig, sondern kommt gerade nicht aus seinem Schmerz heraus. Was mich in solchen Situationen immer achtsam werden lässt, ist die Theorie der erlernten Hilflosigkeit. Wenn die beiden jetzt einfach fahren, lernt er, dass er an der Situation sowieso nichts ändern kann, keinen Einfluss hat.

Außerdem speichert sein Gehirn die Situation ab: Die Große darf das, was ich will. Geht es das nächste Mal ums Tandem fahren, kann es sein, dass es umso schlimmer wird, wenn er wieder nicht das bekommt, was er braucht. Ungelöste Situationen in der Biographie kommen immer wieder und werden lauter.

Lösung 2: Mitfahren

Der Nachteil, einfach mit den beiden mitzufahren ist, dass es Zeit und Ressourcen kostet, nämlich meine. Außerdem besteht natürlich eine gewisse Gefahr, dass das Kind sich daran gewöhnt, dass alles nach seinem Willen gehen muss. Dieser Zahn sollte aber lieber in Situationen gezogen werden, in denen das Kind nörgelt und jammert, nicht aber aus ganzem Herzen haltlos und hilflos weint.

Der Vorteil, die beiden noch ein wenig weiter zu begleiten berücksichtigt viele Bedürfnisse: nach Pünktlichkeit, nach Zusammensein, zumindest noch für eine kleine Weile. So packe ich unser Transportrad aus dem Schuppen, in dem es sich die Große bequem machen darf. Der Kleine darf aufs Tandem. Dennoch ist die Stimmung am Boden – meinem Mann ist es nicht pünktlich genug und Existenzängste machen sich breit.

Von Mitbestimmung und Selbstbestimmung

Für den Kleinen ist zunächst das Signal klar: „Ich darf mitentscheiden, ich bin auch wichtig.“ Irgendwann will der Kleine dann vom Tandem aufs Transportrad. Wir begleiten die Schwester und Papa noch eine kleine Weile, dann entdeckt er einen Bagger.

Durchlebte Gefühle

Danach können können wir uns zufrieden von den beiden verabschieden – alles in allem hat uns die Auseinandersetzung wohl 20 Minuten gekostet. Der Kleine ist ganz still auf der Rückfahrt. Seinen Trennungsschmerz konnte er durchleben. Das kostet Energie. Hinterher ist der Lohn dann die wirkliche Ruhe durch inneren Frieden. Vielleicht war er aber auch nur eingefroren…

Üben Festigen Wiederholen

Die Macht der Wiederholung – wie Kinder lernen

Als Lehrerin habe ich Stundenverlaufspläne gelernt: nach einer Motivation wird idealtypischerweise etwas Neues gelernt und dies dann geübt und gefestigt. Kinder machen dies ganz von alleine: sie suchen sich das aus, was sie interessiert und machen es wieder und wieder und wieder. Nur dass wir das als Erwachsene nicht mehr verstehen. 

Wie wir Kinder lernen helfen

Maria Montessori ist zu ihrem Leitspruch „Hilf mir, es selbst zu tun“ gelangt, als sie in einem Kinderhaus beobachtete, mit welcher Hingabe ein Mädchen einen Tisch abwischte. Und immer wieder die Wischbewegung machte. Einmal, fünfmal, zehnmal, fünfzigmal können solche Bewegungsabläufe, die Kindern gefallen, wiederholt werden. Dies ist für uns Erwachsene nicht mehr „verständlich“, unsere Logik ist: Der Tisch muss sauber sein, dann kann ich aufhören und etwas anderes putzen. Kinder geht es nicht um den sauberen Tisch. Ein sauberer Tisch ist kein Grund, zu Wischen, sondern alleine Das Interesse daran, das Nachzuahmen, was kind gesehen hat und in irgendeiner Weise interessant findet. Und dann wird das Gesehene geübt – ist doch logisch!

Lernfelder am Beispiel: Balancieren üben

Kinder finden überall etwas, das sie interessiert, wenn sie Zeit und keinen Druck haben. Heute war ich mit meinem Kleinen schon morgens am Meer – ein Luxus, wenn frau an der Ostsee wohnt. Im Sand gibt es immer etwas zu spielen, z.B. Wasser mit der Gießkanne holen und in Sandlöcher gießen. 

Auf den Bunen lässt es sich balancieren – wenn auch aufgrund des glitschigen Holzes nur mit Hand von Mama. Wie ausdauernd mein Kleiner übt: Nochmal einige Bunen nach vorne balancieren. Lernen, wie ich sicherer meine Schritte machen. Abspringen in Mamas Arme. Und nochmal von vorne.

Eingießen und sprechen lernen

Später sitzen wir auf de Decke und trinken Tee. Da er noch etwas heiß ist, gieße ich ihn in den Deckel des Thermosbecher zum Abkühlen. Ich teste, die Temperatur und der Kleine fragt mich: „Ist es noch heiß?“ Ich meine: „Ja, ist schon noch warm, aber ich denke, es ist in Ordnung für dich.“ Er probiert, verzieht kurz das Gesicht und meint: „Ist schon noch heiß“ – und nach kurzer Pause: „aber is´n Ordnung.“ Das Spiel vollziehen wir gefühlt noch so an die zwanzig mal in Folge. Ich schütte Tee in den Deckel. Er probiert und verkündet: „Is schon noch warm, ab is´n Ordnung.“ Bis der Tee leer ist. Und wieder was gelernt: eingießen und ein neuer Ausdruck, was es bedeutet, wenn etwas in Ordnung ist. 

Hilfe für Eltern mit Schreibaby

Exzessives Schreien – Was tun? Die 5-Schritt-Formel

Weinen ist für den Säugling DAS Medium, um sich zu äußern. Passt irgendetwas nicht? Schreien. Hunger? Schreien. Die Windel ist voll? Schreien. Ich fühle mich alleine? Schreien.

Durch die ständige, gemeinsam verbrachte Zeit mit meinem Baby werden die Mütter zur Expertin in Bezug auf ihr Kind und können verschiedene Gründe für das Weinen unterscheiden. In der Emotionellen Ersten Hilfe wird mittlerweile in drei Arten des Weinens unterschieden: das Bedürfnisweinen, das Stressweinen und das Erinnerungsweinen.

1. Bedürfnisse checken

Beim Bedürfnisweinen ist das Weinen ein Aufruf zum Handeln. Das heißt, mama muss entweder füttern, da sein, dem Baby Ruhe verschaffen, dass es einschlafen kann o.ä. Einen guten Überblick gibt hier meine Checkliste der Grundbedürfnisse. Es wird sichergestellt, dass die Grundbedürfnisse des Babys erfüllt sind.

2. Welches Weinen ist es?

Beim Stressweinen, das hauptsächlich auch abends auftritt, geht es darum, dass die Eindrücke und Reize für das Kleine zu viel sind und wie in einem Fass nun in dem Kind quasi überlaufen. Es kann sich vor Reizen nicht (mehr) schützen und muss den dadurch entstandenen Stress abbauen. Hier darf die Mutter „einfach da sein“ und zuhören, was das Kind „erzählt“ und jammert, auch wenn das Schreien zunächst schlimmer wird. Um diese Schreiphase durchzustehen, die sich wie ein Spannungsbogen zunächst immer weiter aufbaut, um dann abzuflachen hilft die Bauchatmung. Nach der gemeinsam durchstandenen Schreiphase stellt sich ein wunderbares Gefühl der Innigkeit mit dem Kind ein.

Beim Erinnerungsweinen hat das Baby in seinem kurzen Leben bereits schmerzliche Erfahrungen gemacht, z.B. bei der Geburt, in denen es sich ohnmächtig gefühlt hat. Diese Erinnerungen werden im Körper gespeichert und müssen in Nachhinein nochmal „hervorgeholt“ und durchlebt werden. Hier dauert das Weinen des Babys länger als 40 Minuten. Es lohnt sich, diese Phasen mit professioneller Hilfe begleiten zu lassen.

3. Selbst in die Entspannung kommen

Beim Stressweinen ist es zentral, dass die Mutter sich nicht aus der eigenen Körperpräsenz bringen lässt. Sie muss also neben dem Weinen des Kindes zunächst den Fokus auf den eigenen Körper richten, z.B. indem sie sich selbst die Hand auf den Bauch legt. Nun geht es darum, durch eine gezielte Bauchatmung die eigene Entspannung zu erlangen. Bei der Bauchatmung hebt sich beim Einatmen nicht nur die Brust, sondern vor allem der Bauch wölbt sich nach vorn. Durch diesen körperlichen „Trick“ schaltet der eigene Körper von Stress auf Entspannung um.

Kann das Kind sich ausweinen und wird nicht dazu gezwungen, sich immer beruhigen zu müssen, kann das begleitete Weinen für Mama und Kind eine erfüllende Erfahrung sein.

4. Der „Aus-Schalter“ – wenn mama nicht mehr kann

Bei untröstlich schreienden Kindern kommt oft mehrmals am Tag der Punkt, an dem mama nicht mehr kann. Hier kann durch Beruhigungsversuche das Kind quasi überredet werden, sich zu beruhigen, auch wenn es gerade das Verständnis der Mutter bräuchte.

Dabei ist ein möglich effizientes Beruhigen gefragt. Prinzipiell gibt es 4 Kanäle, über die sich ein Kind beruhigen lässt: Monotone Geräusche („schuschen“), Schauckeln (kleine Körperbewegungen), Einbinden (Auseinanderfallen der Körperglieder verhindern) und Saugen – alles Erfahrungen, die das Baby aus dem Mutterleib kennt. Besonders effizient ist die Kombination der Kanäle, z.B. durch das Hüpfen auf dem Petziball und Einbinden in das Tragetuch.

5. Der Notruf

Irgendwann sind die Batterien bei der Betreeungsperson leer und eine weitere Schreiphase kann nicht mehr gestemmt werden. Dies zeigt sich oft darin, dass während der Beruhigung oder versuchten Selbstentspannung der eigene „Geduldsfaden“ reißt und durch massive Beruhigungsaktivität klar gemacht wird, dass es nun reicht und es aufhören MUSS zu schreien – was natürlich meist zum Gegenteil führt. Hier ist eine Notrufnummer nötig. An diesen Punkt muss die Mutter selbst ihre eigenen Reserven wieder auffüllen. Der Notruf kann der eigene Mann sein, der dann von der Arbeit kommen muss oder eine andere Person, die vorbei kommt. Es kann auch die Nummer einer professionellen Babysitteragentur sein, mit der ein Termin für später am Tag ausgemacht wird.

Schreibaby Fehler

Drei Fehler mit deinem Schreibaby

Vielleicht klappt das Einschlafen und Trösten öfter mal mit einem monotonen Geräusch, vielleicht hilft das Pucken in der Nacht oder das Wippen in der Federwiege. Viele Eltern mit Schreibaby haben bereits nach einigen Wochen schon viele Erfahrungen mit Beruhigungsversuchen gesammelt. Trotzdem sind die Tage und Nächte noch immer unglaublich anstrengend. Es gibt immer wieder Tage, an denen das Kind sich nicht beruhigen lässt und eingeschrieen und überanstrengt irgendwann „aufgibt“, um dann wieder viel zu früh aufzuwachen.

So geht die Suche nach den Ursachen und nach den möglichen Hilfen immer weiter…

Was aber sollten Eltern auf jeden Fall vermeiden?

Fehler Nummer 1: Sich keine Hilfe suchen

Die Zeit mit einem Schreibaby kann nur mit Hilfe bewältigt werden. Dabei gibt es verschiedene Bereiche, in denen angesetzt werden kann. In der direkten Arbeit mit dem Kind ist die Mutter oft die Expertin. Alles was darum herum, um diese Kernarbeit, die „Beziehungsarbeit“ geleistet werden muss wie Haushalt, Einkaufen, kann delegiert werden. Es gibt beispielsweise ein Projekt, das „Wunschgroßeltern“ genannt wird oder auch wellcome (www.wellcome-online.de). Hier helfen Menschen, die ihre Kernfamilie nicht vor Ort haben und gerne unterstützen möchten ein Vierteljahr lang bei allem, was nötig ist.

Fehler Nummer 2: Die Negativspirale

Versuche ich, alles alleine zu schaffen, kann es passieren, dass über die Wochen und Monate permanenten Schlafentzugs die Beziehung zu dem Baby leidet. Der Mutter wird auf ihre Beruhigungsbemühungen zu wenig positives Feedback von dem Baby gegeben. Aus anfänglicher Hilflosigkeit können sich Hassgefühle entwickeln, in denen das Baby in Schreiphasen beispielsweise beschimpft wird.

Im Gegensatz dazu entwickeln sich Engelskreise der Kommunikation, wenn die Mutter:

  1. die Bedürfnisse des Kind abklärt, so dass das Schreien weder an Hunger, Müdigkeit oder einem anderen Grundbedürfnis liegt
  2. sich selbst zu entspannen versucht, um dem Schreien und dem Leid des Kinder „zuzuhören“ und „einfach“ da zu sein
  3. wenn die eigene Entspannung nicht möglich ist, effiziente Wege findet, das Kind zu beruhigen

Über den Charakter von Engelskreisen habe ich auch einen eigene Blogartikel geschrieben.

Fehler Nummer 3: Die Chance verpassen

Unser Schreibaby zwingt uns in besonderer Weise dazu, es zu verstehen. Es fordert unglaublich viel Aufmerksamkeit. Wir MÜSSEN uns permanent mit dem Kind beschäftigen. Diese intensive Zeit hat ihren eigenen Ertrag einer engen Bindung an das Kind. Wenn wir die Zeit einfach „nur durchstehen“ wollen verpassen wir das, was wir durch diese intensive Auseinandersetzung lernen, die für jede Mutter und jeden Vater anders sein können.

Ich kann nur von meinem Ertrag sprechen. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Grundbedürfnisse wahrzunehmen und erfüllen – bei mir und bei meinem Kind. Und ich habe emotional erfahren, was innigliche Momente mit meinem Kind sind, die ich auch heute noch nach acht Jahren wahrnehmen kann.

Kinderschlaf

Schlafen lernen dauert

Gestern früh war ich fast ausgeschlafen! Ein schönes und eher seltenes Gefühl in den letzten zwei Jahren. Für uns war und ist es noch immer der einfachste Weg, wenn ich den Kleinen nachts stille, wenn er aufwacht und weint.

Meine Toleranzgrenze

Doch für mich ist immer öfter nun die Grenze erreicht – so auch vorgestern. Ich war tagsüber so müde, dass ich mir klar war, von meinem Kind (2,5 Jahre) einzufordern, dass er bei Papa schläft. Das hatten wir schon ein paarmal gemacht. Wenn es nicht geht und er nachts hilflos weinte, hatte ihn mein Mann dann bei mir vorbei gebracht.

So spielte ich vorgestern Abend noch relativ lange mit dem Kleinen und erklärte ihm mehrfach, dass ich heute nach hochgehen würde zu seiner Schwester zum Schlafen und dass Papa bei ihm schlafen würde. (Wie es dann immer so ist, wachte ich nachts auf ohne, dass er sich gemeldet hatte und konnte nicht mehr einschlafen…) Später brachte dann der Papa den Kleinen vorbei. Er sei aufgewacht und habe nicht geweint. Er habe nur gefragt, wo ich wäre und ob er auch dahin kommen könne.

Schlafen ist DAS Thema

Schlafen ist DAS Thema der Anfangszeit mit Baby – und es kann zwar einfach gelöst werden – dann aber fast immer auf Kosten der emotionale Entwicklung des Kindes. Deshalb ist gut, Bedürfnisse gut wahrzunehmen und ist das Kind nicht mehr ganz klein, hilft manchmal auch reden… Die Ruheberaterin aus Rostock schätzt, dass es in 70% aller Fälle, die zu ihr kommen, um das Thema Schlafen geht. Aus der Schreiambulanz stammt auch das folgende Beispiel zum Thema Schlafen.

Ein Fallbeispiel aus der Beratungspraxis

Einmal kam eine Mutter in die Schreiambulanz, deren Kind eineinhalb Jahre alt war. Sie sagte: „Ich schlafe seit eineinhalb Jahren mit meinem Kind im Sitzen auf dem Schoß und ich kann nicht mehr.“

Im Gespräch wurde zunächst geklärt, was die Mutter möchte. Das konnte sie klar formulieren: „Ich möchte gern, dass mein Kind in seinem eigenen Bett schläft und ich auch in meinem eigenen Bett schlafe und ich mich einfach ausruhen kann.“

Beratungsauftrag und einzelne Schritte

Mit diesem klaren Wunsch, der von der Ruheberaterin so als Beratungsauftrag übernommen werden konnte, folgten dann die sich daraus ableitenden Schritte. Dazu wurden zunächst verschiedene Vorgehensweisen, verschiedene Wege besprochen, wie das Kind das lernen kann.

Zusätzlich empfahl die Ruheberaterin der Mutter auch, dem Kind von ihrem Wunsch zu erzählen, um es als Subjekt, aktiv mitarbeitend in diesen Prozess einzubinden. Die Mutter sollte dem Kind direkt sagen, was sie sich für Gedanken gemacht hatte und was nun ihr Wunsch ist – auf kindlicher Ebene, in für das Kind verständlichen Worten. Die Mutter fand dies zunächst eigenartig, ließ sich aber auf das Experiment ein. So übten die Ruheberaterin und die Mutter erst ohne das Kind, dann formulierte sie ihre Gedanken und ihren Wunsch noch mal selbst ihrem Kind gegenüber.

Nach zwei Wochen bekam die Ruheberaterin die telefonische Rückmeldung: „Es war, als ob mein Kind zugehört hätte! Es hat am Abend allein in seinem Bett geschlafen, ich konnte in meinem eigenen Bett schlafen!“

Eltern Auseiandersetzung

Wie mama den eigenen Partner an bedürfnisorientierte Be-/Erziehung heranführen kann

Mein Partner sagt ganz oft zu unserem quirligen Kleinkind: „Du sollst doch nicht…“ zum Beispiel: „beißen“ oder „alles verschmieren“ oder „die Sachen auf den Boden werfen“. O.k., manchmal sage ich das auch – gerade beim Thema „Beißen“. Meistens denke ich jedoch daran, dass das Gehirn das „nicht“ nicht versteht und sich sofort beim „Pass bitte auf, dass du das Glas nicht umwirfst“ das Bild vom „umgefallenen Glas“ im Kopf des Kindes einstellt. Self fulfilling prophecy, die Wahrscheinlichkeit erhöht sich durch die (gutgemeinte) Warnung. So wäre in dem Fall die unkomplizierte Lösung, das Wasserglas selbst zur Seite zu räumen.

Dieses Beispiel kann ich ihm einleuchtend erklären. Er vergisst es zwar trotzdem immer wieder, aber das ist seine Kindheitsprägung, ich habe andere Themen, wo er im Gegensatz zu mir mit traumwandlerischer Sicherheit handelt. In anderen Erziehungsfragen ist es nicht ganz so einfach.

1. Zum eigenen Bauchgefühl stehen

Hormone haben einen Sinn. Als Mütter haben wir den tollen Vorteil in der Beziehung zu unserem Kind, dass wir durch das Bindungshormon mehr wissen, wie es unserem Kind geht, als alle anderen Menschen. (Das Bindungshormon entwickelt sich übrigens auch bei anderen Bezugspersonen durch positiv gemeinsam verbrachte Zeit mit dem Kind.) Das ist erstmal unser Ausgangsvorteil als Mutter.

Um dann im konkreten Fall eigene Erziehungsansichten zu entwickeln, braucht es ein tastendes Suchen und Finden von neuen Wegen. Gerade wenn wir es in einigen Bereichen anders machen wollen, als es mit uns gemacht wurde. Dafür brauchen wir Sicherheit und Rückhalt in der Partnerschaft und keine Kritik. Wie überzeuge ich jetzt meinen Partner, wenn er andere Erziehungsvorstellungen hat – oft die alten Muster von Zwang und Unterordnung des Kindes unter den Willen der Eltern?

2. Gemeinsame Gesprächszeiten einplanen

Einen Termin machen

In dem Fall, wenn sich schnell, schnell zwischen Tür und Angel ein neues Erziehungsthema nicht abhandeln lässt (Darf meine Tochter jetzt jeden Tag so lange Hörbuch hören wie sie will oder nicht?), beraume ich einen Termin für ein gemeinsames Gespräch für Erziehungsthemen ein – meistens am Samstag früh. Da Setzen wir uns dann hin und besprechen, wie wir das beispielsweise jetzt mit der Esssituation mit dem Kleinen lösen wollen, der partout nicht sitzen bleibt.

Wenn die Partnerschaft schon gelitten hat

Ganz grundlegend kann ich Michael Möller: „Das Zwiegespräch“ empfehlen. Wenn die Zerwürfnisse schon größer sind und die unterschiedlichen Erziehungsansichten an die Substanz der Beziehung zum Partner gehen, muss am Fundament angesetzt werden. Beim Zwiegespräch setzen sich die Partner zusammen und machen einen Zeitrahmen aus (eineinhalb Stunden). In dieser Zeit gelten nur drei Regeln:

  • Jede Person bleibt bei sich
  • Keine Fragen
  • Keine Wertungen

Dann ist es egal, ob die Zeit geschwiegen wird oder eine Person von sich erzählt, wichtig ist die gemeinsam verbrachte Zeit und der Wille, sich miteinander auseinander- und zusammenzusetzen. Das Zwiegespräch ist schon die hohe Beziehungskunst und kann zu Beginn bei zerstrittenen Parteien unter Anleitung sinnvoll sein.

Gemeinsame Ziele finden

Ohne die gegenseitige Absprache und das Gefühl gegenseitiger Unterstützung wird es schwierig. Oft sind die Erziehungsziele gar nicht so verschieden, die meisten Eltern wollen beispielsweise, dass ihr Kind ordentlich ist oder höflich ist. Über die Wege, wie das Kind dazu kommt, gibt es jedoch grundsätzliche Ansichten.

Will ich beispielsweise, dass mein Kind höflich zu anderen ist, ist der beste Weg, das ganze vorzuleben, ebenso beim Thema Aufräumen.

Beim Thema „ordentlich essen“ ist es sinnvoll, bedürfnisorientiert vorzugehen. Das Zurechtweisen führt vielleicht sogar zu schnelleren Ergebnissen, „kostet“ aber negative Gefühle, die das Kind mit bestimmten Esssituationen abspeichert (Lernen über den schnellen Gehirnweg). Üben wir mit dem Kind und fordern nur das, was es bereit ist zu geben, dauert das länger, ist aber nachhaltiger, weil es mit dem Willen des Kindes geschieht und mit positiveren Emotionen besetzt. Dafür braucht es viele kleine Teilschritte und eine längere Betreuung – es ist aufwändiger in den Anfängen, dafür später ein Selbstläufer.

Um dem Partner bedürfnisorientierte Erziehung nahe zu bringen, gibt es zwei überzeugende Literaturtipps. Das ist einmal William Sears (z.B. Schlafen lernen) und „Artgerecht“ von Nicola Schmidt.

Das Neue: Emotionales Lernen wird berücksichtigt

Immer ist die Frage, was ich möchte. Während frühere Erziehungsansätze nur an der Verhaltensebene ansetzten, wird heute immer mehr erkannt, wie wichtig die das emotionale Lernen ist. Daran setzt bedürfnis- und bindungsorientierte Begleitung von Kindern an.

1 2 3 11 12
Dr. Simone Lang
Mein Blog

Jeder Blogartikel bringt innere Welten zum Klingen. Wie ein Gong einen Ton erzeugt, der seine Schwingungen verbreitet, so hinterlässt auch das Lesen einen Eindruck. Welche Dinge kommen Ihnen in den Sinn? „Unterhält“ Sie das Geschriebene einfach nur oder werden Sie sich Ihrer eigenen Meinung beim Lesen bewusst, die mit dem Text übereinstimmt oder nicht? Und welches Gefühl wird ausgelöst? Es kann hilfreich sein, sich dessen bewusst zu werden, um mehr über die eigenen inneren Welten zu erfahren.

Ich freue mich, wenn Sie mir diese innere Stimmungsbilder per Mail zukommen lassen.

Das könnte Sie auch interessieren
Datenschutz Einstellungen
We use cookies to enhance your experience while using our website. If you are using our Services via a browser you can restrict, block or remove cookies through your web browser settings. We also use content and scripts from third parties that may use tracking technologies. You can selectively provide your consent below to allow such third party embeds. For complete information about the cookies we use, data we collect and how we process them, please check our Privacy Policy
Youtube
Consent to display content from Youtube
Vimeo
Consent to display content from Vimeo
Google Maps
Consent to display content from Google
Spotify
Consent to display content from Spotify
Sound Cloud
Consent to display content from Sound

Familienpraxis Dr. Simone Lang

Cart Overview