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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Mein Blog

Wie beruhige ich mein Baby?

Schreibabys – Was hilft wirklich?

Mein schönster Moment mit meiner kleinen oft untröstlich schreienden Tochter war der, als ich sie einmal im Frühling ins Tragetuch packte und vor dem Haus Vögel beobachtete. Ich erinnere mich an das Zwiegespräch mit dem schlafenden Kind, das Gefühl des „Eingebunden-Seins“ in die Natur und die Freude am Beobachten der Vögelchen, die sich in kleinen Sandkuhlen badeten. Es war friedlich, ich schöpfte Kraft und fühlte meine starke Liebe zu meinem Kind.

Glaubenssätze

Zuvor hatte ich eine ganze Menge Glaubenssätze im Umgang mit einem sensiblen Baby abstreifen müssen. Menschen mit Qualifikation hatten versucht, mich glauben zu machen, dass ein Kind bis es acht Monate sei, im eigenen Bettchen schlafen müsse, dass Kinder das selbständige Einschlafen von mir anerzogen bekommen müssten, dass Kinder auch ruhig mal eine Weile alleine schreien dürfen etc. Das hat mir und meiner Tochter einen Knacks in unserer Beziehung geben. Glücklicherweise hat mein Kind nicht locker gelassen, bis ich verstanden habe, auf sie und auf mich zu hören. Und was uns nicht gut tut zu ignorieren.

Wie habe ich meinem Baby geholfen?

Da-Sein als Grundlage

Als erstes habe ich mir nach einem furchtbaren Schlüsselerlebnis geschworen, mein Baby nie mehr beim Schreien alleine zu lassen. Das hat bis auf wenige Ausnahmen, wenn ich absolut nicht mehr konnte und kurz aus dem Zimmer gehen musste, auch geklappt. Es hat unsere Beziehung gestärkt und ihr Vertrauen, dass ich da bin, wenn sie mich braucht. Für uns beide ist sicher, dass sie von mir bedingungslosen Rückhalt und Unterstützung bekommt. Es ist mein Versprechen und mein Geschenk an sie.

Die fünf „S“

Die Zusammenfassung von Beruhigungsstrategien nach Harvey Karp hat mich in den schlimmsten Schreisituationen gerettet. Wenn sie müde war und absolut nicht schlafen konnte, habe ich sie „straff eingewickelt“, in der „Seitenlage“ auf meine Knie gelegt, ihr ein „Schschschsch“ ins Ohr gezischt, sie mit einer Scheibenwischer-Bewegung der Knie „schaukeln“ lassen und ihr den „Schnuller“ in den Mund gegeben. Damit habe ich es oft geschafft, dass sie einschlafen konnte.

Bei sich selbst bleiben und dem Baby zuhören

Zu der Zeit, als ich mein Kind ein Schreibaby war, habe ich leider noch nichts von dem Ansatz der „Selbstanbindung“ (Emotionelle Erste Hilfe) gehört. Ich halte ihn für das fehlende Bindeglied, das mir noch gefehlt hat. Da die Babys ungefiltert alle Ängste, Sorgen von den Eltern miterleben, ist die eigene entspannte Präsenz in Schreisituationen wichtig. Nicht nur das, sie erlaubt dem Kind sogar, sich die eigene Mutter „zum Vorbild“ zu nehmen und mit ihr zu entspannen. Um die Anbindung an den eigenen Körper zu lernen, gibt es 4 Übungen (siehe Quellen unten). In der dritten wird die Aufmerksamkeit nach innen auf den eigenen Körper gelenkt, was dort passiert, wenn der eigene Stresspegel steigt. Ziel ist es, neben dem Kind sich selbst wahrnehmen zu lernen.

Unterstützung

Nahezu alle Mütter von Schreibabys leiden an einem akuten Erschöpfungssyndrom. Das heißt, alle Arbeiten außerhalb des Babys, die keine Energie geben, sondern nehmen, müssen Unterstützung von außen finden. Bei mir war es so, dass eine Woche nach der Geburt meine Mutter kam, um uns Essen zu kochen. Essen haben wir später oft bestellt. Wäsche hat mein Mann gemacht. Einmal wöchentlich hatten wir Unterstützung durch eine Haushaltshilfe. Wenn ich nicht mehr konnte, habe ich meinen Mann angerufen und er ist von der Arbeit nach Hause gekommen. Das habe ich eingefordert, da ich es sonst nicht geschafft hätte.

Rhythmisierung der Schlaf-Wach-Zeiten

Zu Beginn war meine Tochter schon nach einer halben Stunde wieder müde, später dann eine Stunde, dann eineinhalb Stunden. Mir hat geholfen, die Abläufe von Aufwachen bis wieder Einschlafen immer ähnlich zu gestalten mit Stillen, mit ihr in Kontakt kommen, sie wenn möglich ablegen (das hat eigentlich nie geklappt), Wickeln, bei den ersten Müdigkeitsanzeichen in den Schlaf begleiten. Experimentiert habe ich mit dem Stillen – ob nach dem Aufwachen oder zum Einschlafen. Für mich war zweiteres besser, da es mich nicht so erschöpft hat, allerdings war dann die Schwierigkeit, dass sie auch beim Aufwachen geweint hat. Damit war mein Tag ausgefüllt.

Der Gewinn aus dieser Zeit

Schöne Momente waren es, wenn ich ihr als sie schon einige Wochen und Monate alt war, zuschauen konnte, wie sich sich entwickelt. Ich erinnere mich, wie ich ihr gerne zugeschaut habe, wie sie auf dem Bauch auf der Couch ihren Kopf immer hochgehoben hat und sich im Spiegel anschauen konnte oder mich. Daran habe ich mich erfreut. Ansonsten habe ich viele Konsequenzen dann für das zweite Kind gezogen.

  • Ich bin im Vorfeld der Geburt ins Fitnessstudio gegangen und habe so meinen Rücken und meinen Gesamtzustand trainiert. So konnte ich mein 2.Kind viel öfter und länger im Tragetuch tragen und habe mich nach der Geburt viel schneller erholt.
  • Ich bin für Schwangerschaft aus meinem Beruf ausgestiegen, als ich gemerkt haben, dass es mich zu sehr stresst und habe mir eine andere Frauenärztin gesucht, die diese Entscheidung auch mit mir gemeinsam getragen hat.
  • Wir haben im Vorfeld schon viel mehr Haushaltsaufgaben aufgeteilt. Beispielsweise habe ich das Kochen verantwortlich an meinen Mann abgegen. Um dem Mental load zu engehen, tut er dies vollumfänglich, d.h. er kümmert sich um alles, was dazu gehört. Das heißt, er kocht nicht nur, sondern kauft auch das Essen ein und kümmert sich um die Sauberkeit in der Küche.
  • Ich habe mich von allen Glaubenssätzen anderer befreit, wenn sie mir nicht gut tun. Der Kleine hatte einen Schnuller, weil es mir geholfen hat. Mit neun Monaten haben wir ihn wieder weggelassen. Ich stille, solange ich und mein Kind das möchten und wie lange das ist, entscheiden wir beide und niemand sonst. Ich genieße es, mit meinen Kindern im Familienbett mit zwei 1,40 Meter Matrazen zu schlafen. Wenn eine andere Person komisch schaut, verweise ich auf die Schlafpraxis in Japan – da schlafen auch alle Personen in einem Raum.

Achja, der zweite war dann komischerweise auch kein Schreibaby mehr 😉

Quellen:

Lang, Simone. Die Ruheberatung. Vom Glück, ein Schreikind zu haben. Berlin: Epubli. 

Harms, Thomas. Keine Angst vor Babytränen. Wie Sie durch Achtsamkeit das Weinen Ihres Babys sicher begleiten. Psychosozial-Verlag. Die oben genannten Übungen sind per Download zu erhalten, wenn das Buch gekauft wird.

www.minimed.a

Meine Schreibaby besser verstehen

3 Tipps, Zeit mit deinem Schreibaby zu genießen

Die meisten Eltern fragen sich, wenn sie ihr Baby nicht beruhigen können, ob es krank ist. In den meisten Fällen lässt sich diese berechtigte Frage mit einem „Nein“ beantworten.

Aktueller wissenschaftlicher Stand der Schreiforschung

Unerklärbares Schreien und Weinen in den ersten drei Lebensmonaten lässt sich in den meisten Fällen keiner bestimmten Erkrankung zuordnen – ärztliche Hilfe benötigen nur etwa 5 % bis 10 % der Kinder. Und: Das untröstliche Schreien ist auch nicht auf das Versagen von Eltern zurückzuführen! Mütter haben die Fähigkeit in sich, auf ihr Kind zu hören, so genannte intuitive Fähigkeiten. Damit diese allerdings im Laufe der Zeit noch von Stress und Unsicherheit verschüttet werden, ist es grundlegend, dass es auch ab und zu gemeinsame positive Erlebnisse gibt. Dass Mama und Baby in Kontakt kommen. Sich liebevoll verbinden.

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Die Frage, wie ich meinem Kind helfen kann, lässt sich also nach der Abklärung möglicher körperlicher Ursachen damit beantworten: Genieße die Zeit, die gut läuft! Auch wenn gerade das unvorstellbar erscheint – innige Verbundenheit mit deinem Kind ist ein Schlüssel zu weniger Geschrei und mehr Zufriedenheit. Gibt es Momente gelungener Interaktionen, entschärft sich die Schreiproblematik.

Tipp 1: Bemerke gemeinsame Momente ganz bewusst!

Im Tagesablauf gibt es immer wieder Momente, in denen das Kind kurz „da“ ist. Aufmerksam und bereit, mit uns zu kommunizieren. Oft sind das genau die Momente, in denen wir „eigentlich“ keine Zeit für das Kind haben. Wenn wir nur schnell zu kochen oder die Wäsche machen, weil das Baby gerade mal Ruhe gibt. Auf der Wickelkommode, wenn wir mitten im Wickeln sind und fertig werden wollen. 

Aber Mama und Kind finden die größte innere Zufriedenheit darin, sich miteinander zu beschäftigen. Daraus kannst du als Mama Kraft MIT DEINEM BABY tanken. Positiver Nebeneffekt: Auch dein Kind tankt auf und schreit in der Folge weniger!

Tipp 2: Schaffe dir Entlastung für mehr gemeinsame Momente!

Das heißt, die Frage in den ersten Monaten ist: Wie kannst du dich von allem anderen entlasten, um tatsächlich in mehr Momenten des Tages mit deinem Kind in Kontakt zu kommen?

Was sind Interaktionen oder Spiele?

Manche Mütter fragen, was sie denn mit dem Baby spielen sollen. Es geht nicht darum, dem Kind Spielzeuge anzubieten. Spiele sind gelungene Interaktionen. Sie leben durch den Reiz des gemeinsamen Tuns an sich, dem Vergnügen der Personen miteinander oder auch einer Person mit einem Gegenstand. 

Wann kann ich anfangen zu spielen?

Bereits ab zwei bis drei Monaten können Gesichter von großem Interesse sein. Spielen kann hier bedeuten, Blickkontakt aufzunehmen, mit dem Kind zu sprechen. Das Kind „antwortet“, wenn es die Zunge bewegt, den Mund öffnet und damit die Sprechbewegung des Mundes der Mutter nachahmt, oft noch ohne Ton.

Wenn das Kind den Blick abwendet, ist das ein Zeichen, dass es anstrengend war, den Blick scharf stellen zu müssen. Das Kind reguliert die eigene Konzentration durch das Blickabwenden und entspannt sich dadurch wieder.

In späteren Altersstufen werden weitere Dinge spannender. Dabei gibt das Kind vor, was interessant ist!

Tipp 3: Lass´ dich auf die Signale deines Babys ein

Wir neigen dazu, den Kindern von Anfang an unsere Spiele aufzudrängen, da wir natürlich schon viel mehr Erfahrungen haben. Um aber dem Baby zu ermöglichen, dass es sich selbst in das Spiel einbringt, ist es hilfreich, Signale des Babys zu beobachten und dann nachzuahmen. So bekommt das Baby einen Anteil am Spiel und wird nicht nur passiv „bespaßt“. Positiver Nebeneffekt: Ich lerne mein Kind besser kennen und verstehe die Bedürfnisse nach und nach viel besser. 

Das heißt, dass dem Beobachten von und Eingehen auf kindliche Signale eine große Bedeutung zukommt. Folgende Fragen können dabei helfen:

  • Wohin ist der Blick gerichtet?
  • Sieht das Kind zufrieden aus?
  • Hört es auf Geräusche oder gibt es Geräusche von sich?
  • Wann wird das Kind müde und hat genug?

<https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/mechthild-papousek-gespraech100~attachment.pdf?

Schreibaby halten tragen

Wie beruhige ich mein Baby?

Mein Tochter war in den ersten zwei Wochen ausgesprochen „pflegeleicht“ – außer dass ich keinen durchgehenden Schlaf mehr hatte… Aber irgendwie konnte ich ihr nicht das geben, was sie brauchte und so wurde es mit dem Schreien und Weinen und „Nicht-Einschlafen-Können“ immer schlimmer.

Auch heute wäre ich mir nicht sicher, ob ich zu jeder Zeit die Nerven hätte, ihr bei ihrem Weinen beizustehen…

Was schnell hilft

Was mich in dieser Zeit „gerettet“ hat, waren Beruhigungsstrategien, die Harvey Karp so auf den Punkt gebracht hat. Sie sind nicht unumstritten, denn sie fordern vom Kind, dass es sich beruhigt, wo ist sich manchmal einfach verstanden und gehalten wissen möchte. Weshalb ich dennoch davon berichte? Weil es alles zusammenfasst, was schnell hilft.

Strategie 1: #StraffesEinwickeln oder auch #Pucken

Beim #Pucken werden Arme und Beine beim Säugling durch das Einwickeln in ein Tuch an den Körper gebunden. Dadurch kann das Baby sich weniger bewegen.

Wann kann das straffe Einwickeln sinnvoll sein? Wenn das Kind einschlafen soll und sich nicht beruhigen kann, weil es mit den Armen fahrig fuchtelt oder wenn es in der Rückenlage das Gefühl hat, zu fallen und deshalb an einem Zucken der Arme leidet (Moro-Reflex).

Bei meiner Tochter war das Pucken immer zwiespältig: Zum einen hat sie dadurch besser in den Schlaf gefunden und mehr durchgeschlafen. Zum anderen hat sie mir wohl, so würde ich nun rückwirkend aufgrund der neuen Erkenntnisse aus der Baby-Traumaforschung interpretieren, immer wieder von ihren schlimmen Erlebnissen bei der Geburt „erzählt“ und dabei den Kopf hin und her geworfen, wenn sie wieder so eng eingepackt war wie damals vor der Geburt und im Geburtskanal.

Strategie 2: Seitenlage

Oft wird empfohlen, das Baby in die Rückenlage zu legen, um Atemnot vorzubeugen. Ebenfalls möglich – so zumindest die Empfehlungen der Hebamme – ist das Legen in Bauch- oder Seitlage, wenn die Mutter wach dabei ist. Mir hätte diese Information sehr geholfen. Seitlage hilft, die Arme und Beine durch die Schwerkraft am Körper zu fixieren und kann das Baby dadurch entspannen.

Wann kann die Seitenlage hilfreich sein? Sie wird bei den meisten Schreibabys funktionieren, da sie sich durch körperliche Vorgänge leicht aus der Fassung bringen und berunruhigen lassen.

Strategie 3: Schuschen oder #Weißes Rauschen

Ein „Schschschsch“, das direkt neben dem Ohr des Babys lautstark gezischt wird, überreizt das Baby nach Aussage der Ersten Emotionellen Hilfe völlig. Im Notfall katapultiert es sozusagen das Baby in einen „Offline-Zustand“, in dem es schnell verstummt.

Wann kann das laute Schuschen oder weißes Rauschen aus dem Radio am Ohr des Babys sinnvoll sein? Wenn ich als Mutter am Ende meiner Kräfte bin und beim Weinen meines Babys aus Erschöfung nicht mehr präsent in meinem Körper sein kann. Wenn sich das Baby der Mutter anpassen und quasi „ihr zuliebe“ ruhig sein muss.

Strategie 4: Schaukeln

Bewegung, vor allem in Kombination mit dem straffen Einwickeln, hat eine direkte Beruhigungswirkung auf das untröstlich weinende Baby. Besonders gut funktioniert bei fast allen Müttern die Kombination aus einem Pezziball, auf das sich die Mama mit ihrem Baby, das in der Trage oder dem Tuch bei ihr am Körper eingebunden ist.

Wann ist das Schaukeln sinnvoll? Gerade das Tragen und das „Mitbewegen“ kann dem Baby die Geborgenheit geben, die es im Mutterleib gespürt hat.

Strategie 5: Saugen

Während Karp auch bei den anderen Strategien von Reflexen ausgeht, ist der Saugreflex nicht nur bei ihm ein anerkannter Beruhigungsreflex, der dem Kind quasi „automatisch“ Beruhigung einflöst – z.B. durch die Brust, ein Fläschchen oder den Schnuller. Während der ersten Jahre verliert sich der Saugreflex, die orale Stimulierung wird aber die ersten Jahre immer eine Rolle spielen.

Wann ist das Saugen als Beruhiungsstrategie sinnvoll? Hier ist ein Abwägen von Belastbarkeit der Mutter und Wunsch des Babys wichtig. Wir haben unsere Kinder beide an den Schnuller gewöhnt, aber sie auch beide vor dem ersten Geburtstag wieder schrittweise davon entwöhnt, da sie dann anders getröstet werden konnten.

Der Cocktail aus allen fünf Zutaten oder „Tanz mit dem Baby“

Im Notfall hilft auf besondere Weise die Kombination aus allen fünf Strategien. Karp vergleicht hier das Ganze mit einem Tanz, bei dem das Baby führt. Das Baby wird gepuckt, in die Seitlage gelegt, ein weißes Rauschen wird geschuscht, dabei das Baby auf den Knien abgelegt und in Seitlage geschaukelt und ein Schnuller gegeben. Schreit das Baby laut, werden die Strategien auch kräftig und stimulierend ausgeführt, wird das Kind leiser, kann auch die erwachsene Person ihre Intensität zurückfahren. Das Schaukeln darf nicht so ausgeführt werden, dass der Kopf haltlos hin und her gerissen wird.

Was langfristig hilft

Wie bei uns Erwachsenen hilft es dem Kind wirklich langfristig, wenn wir als Eltern anfangen, dem Baby zuzuhören. Wenn wir in unsere eigenen Präsenz bleiben und dem Kind ein ruhender Pol sind. Ihnen zuhören und sie sich ausweinen lassen. Nach einem Höhepunkt werden sie sich irgendwann verstanden fühlen und es werden innige Momente entstehen. Wäre unsere Kind unsere beste Freundin, würden wir sie auch nicht ständig dazu zwingen wollen, dass sie sich beruhigt, wenn sie sich einfach mal bei uns ausweinen will und sich verstanden fühlen möchte. 

Warum schreit mein Baby?

Intuitive Fähigkeiten von Schreibaby-Eltern

Habe ich etwas falsch gemacht? Verstehe ich mein Kind nicht richtig? – Dazu hat die Forschung zur Schreiproblematik eine klare Antwort – Eltern von Schreibabys machen nichts anders oder gar schlechter als andere Eltern.

Du bist nicht schuld am Schreien!

Intuitive elterliche Kompetenzen sind angeboren. Das heißt, alls Eltern haben Kompetenzen in sich, ihren Kindern vor allem auch in der Zeit der ersten drei Monate nach der Geburt zu helfen. Auf die Signale, die das Kind äußert, lernen Eltern, die passende „Antwort“ zu geben und die entsprechende Befriedigung eines Bedürfnisses zu leisten.

Warum schaffen wir es dann nicht, unser Kind zu beruhigen? Was fehlt unserem Kind? Das sind die Fragen, die sich dann automatisch auftun…

Antwortversuch 1

Manchmal möchte unsere Baby gar nicht beruhigt werden, sondern möchte, das Gefühl haben, dass es so sein darf. Dass es sich nicht beruhigen muss. Dass es so sein darf, schreiend, und trotzdem geliebt wird.

Dann stellt sich vielmehr die Frage, wie können wir mit dem Schreien leben? Denn Schreien ist eine Belastung in höchstem Maße. Als Alarmsignal führt es zu messbaren Wirkungen im Stresspegel der Eltern führt, wie Herzrasen, Anstieg des Blutdrucks, Schweißausbrüche, nervliche Anspannung und Erregung. Wie können wir üben, in den Schreiphaen ganz bei uns zu bleiben, um unserem Kind beistehen zu können, wäre dann die weiterführende Frage.

Antwortversuch 2

Im Gegensatz zu einem Kind, das sich trösten lässt, führt exzessives Schreien selbst für kompetente und erfahrende Eltern zu schwer zu bewältigenden Situationen. Unstillbares Schreien kann positiv bewältigt werden, fordert aber ungleich mehr innere und äußere Ressourcen, vor allem von der Mutter. Mütter müssen frühzeitiger die Bedürfnisse des Babys erkennen und viel früher dem einem unstillbaren Schreizustand vorgebeugen als andere Mütter. Sie muss viel häufiger das Schreien mit dem Kind durchstehen. Schreikinder sind also „Fortgeschrittenenbabys“.

Antwortversuch 3

Überlastung ist der Hauptfaktor für eskalierende Schreisituationen. 

1.Wenn das Kind nicht auf die intuitiven elterlichen Beruhigungsangebote reagiert wie erhofft, kommt es kommt zu Missverständnissen. Die gescheiterte Interaktion verunsichert Mama und Kind. Dies kann zu einer Negativspirale werden.

2.Das soziale Umfeld belastet statt zu unterstützen. Um wieder in Engelkreise der Interaktion zu kommen, lohnt es, sich auf allen Ebenen zu entlasten.

Selbstfürsorgen

Wenn es der Mama gut geht, geht es auch dem Kind gut. Wo finde ich Unterstützung?

  • Im Haushalt
  • Beim Kochen
  • Wo sind Kontakte zu hilfreichen Personen?
  • Wo sind die Fenster für Schlaf und Ruhe?

Dann können auch die intuitiven elterlichen Fähigkeiten wieder Raum bekommen, um sich zu entfalten.

Streit unter Geschwistern

Wenn Kinder selbst (k)eine Lösung finden

Mittwochs ist Badetag. Der Kleine, der morgens schon in der Wanne war, wollte abends nochmal mit seiner Schwester baden. „Darf ich mit in die Badewanne?“

Die wollte lieber ihre Ruhe haben. „Nein.“

„Aber warum nicht?“ 

Da die beiden auch ofter mal zusammen in der Wanne sitzen, war es für den Kleinen war es nicht zu verstehen, warum sie das heute nicht wollte.

„Ich will nicht.“ „Aber warum denn nicht?“ „Ich will alleine baden.“ 

(Nicht nur) Kinder müssen streiten erst lernen

Es gibt verschiedene Streitphasen: 

1. Geplänkel

2. Verschärfung des Tonfalls

3. Rangeln/ Handgreiflichkeit

4. Eskalation (keine konstruktive Lösung alleine mehr möglich)

„Aber, ich kann doch mit in die Badewanne.“ Er bricht in Tränen aus. „Nein.“

Der Kleine beginnt sich auszuziehen. „Aber ich will! Ich geh jetzt in die Badewanne.“ „Nein!!!“ Er versucht, an einer anderen Stelle über den Wannenrand zu klettern. 

Jetzt müssste die Große handgreiflich werden und für mich ist der Moment gekommen, wo ICH es nicht mehr aushalte und vermitteln möchte.

Ich greife ein: „Sie möchte heute mal alleine baden.“

Das Heulen des Kleinen wird verzweifelt. „Aber ich kann doch, kann ich denn nicht…“

Die Große sieht seine überquellenden Augen und seine Verzweiflung: „Na gut…“

Ich bin anderer Meinung: „Nein, er soll draußen bleiben.“ Nehme mich dann aber schnell zurück und bestehe nicht darauf. Sie hat sich für seinen Schmerz geöffnet, hat Mitleid mit ihm und gibt nach.

Love is stronger than justice

Manchmal gibt es kein richtig und kein falsch. Ich finde, dass die Große sich mehr gegen den Kleinen durchsetzen soll. Aber in dem Augenblick war es einfach herzzerreißend, wie schlimm es für den Kleinen war. Und das ist auch bei ihr angekommen. Was soll ich da eingreifen, auch wenn mein erster Impuls genau das war.

Die Große hat die Eskalation vermieden, ist aber von ihrem Standpunkt abgewichen. Sie war in dem Moment stark und konnte ihr Bedürfnis zurückstellen – für ihn. Wäre sie noch jünger und hätte diese Fähigkeit nicht, wäre das Ganze eskaliert. Was hätte ich getan?

Streiten lernen

Was Eltern lernen, wenn sie nicht so schnell wie möglich versuchen, die Situation zu beenden und den Konflikt vom Tisch zu schieben: Mediatorin statt Schiedsrichterin zu sein. Was Kinder lernen können, ist nach und nach mit viel Übung selbst Lösungen finden, so dass wir Erwachsene irgendwann bei der Lösungsfindung nicht mehr nötig sind.

Als Erwachsene hilft es den Kinder langfristig am meisten, wenn wir ihnen helfen, ihnen selbst die Verantwortung für ihre Lösung in die Hand zu geben. Dafür müssen wir zu Übersetzerin der Gefühle und dem Sprachrohr verschiedener Bedürfnisse werden – je kleiner die Kinder, desto mehr. 

Als Schiedrichterin übernehmen wir die Verantwortung für die Lösung. Das geht zunächst schneller und mag in Drucksituationen nötig sein. Ist Zeit, können wir uns darin üben, gerade keine Lösung vorzugeben und durchzusetzen, sondern unsere Kinder zu begleiten. Dafür helfen vier Schritte:

  1. Gefühle benennen

Dafür hilft es, wenn wir uns auf Augenhöhe unsere Kinder begeben. Ist der Streit ekaliert und handgreiflich geworden, müssen wir die Beteiligten trennen, Schutz bieten, wer Schutz braucht, z.B. durch Körperkontakt.

  1. Bedürfnisse herausarbeiten und erkennen

Wenn möglich, sollen dann beide aus ihrer Sicht erzählen, was passiert ist. Können sie noch nicht reden, werden wir zu Sprachrohr und fassen die Gefühle des Kindes zusammen und versichern uns, ob das richtig ist.

  1. Bedürfnisse kommunizieren

Wichtig ist für alle, Erwachsene wie Kinder, dass das zugrundeliegende Bedürfnis, bzw. die Bedürfnisse gefunden und ausgesprochen werden. Ebenfalls hilfreich ist es, einfach festzustellen, wir schwierig das Problem ist.

  1. Rückfrage nach möglichen Lösungen für alle Bedürfnisse

Gerade wenn die Kinder noch jung sind, können Erwachsene auch Lösungsvorschläge einbringen. Allerdings ist es wichtig, immer die Kinder nach Lösungen zu fragen, da sie oft auf Dinge kommen, an die wir nie gedacht hätten. Und natürlich sind die selbstgefunden Lösungen die besten.

Was mir hilft: Opferorientierung

In den Medien bekommen oftmals die Täter eine Bühne. Von dem, was unser Gehirn lernt, ist das sehr ungünstig, das ungewünschte Verhalten wird quasi als Beispiel vorbildhaft von unseren Gehirn abgespeichert. Das geht über Bilder ganz schnell und viel effizienter als z.B. verbal-abstrakt, weshalb Hirnforscher wie Manfred Spitzer o.ä. genau vor diesem Mechanismus warnen.

Therapien setzen auf die Opferorientierung, um so potientiellen anderen Tätern vorzubeugen. Und um Empathie, z.B. mit Angehörigen zu bewirken. Diesen Grundsatz wende ich auch an, wenn ich eskalierende Situationen von meinen Kindern begleite.

Der Kleine kratzt

Ich habe nicht genau mitbekommen, was passiert ist – meine Tochter schreit heulend meinen Sohn an: „Du sollst mich nicht immer kratzen.“ Ich schaue zu ihr, sie rennt weinend in ihr Zimmer. Ich gehe ihr nach, der Kleine kommt mit. Wir bleiben so lange in ihrem Zimmer, bis sich ihr Weinen beruhigt. Ich nehme sie auf den Schoß. „Schau Mama, da, hat er mich schon wieder gekratzt.“ Ich küsse sie auf die Stelle. Ich bleibe so lange mit ihr sitzen, bis sie wieder stabil ist.

https://www.baby-und-familie.de/Erziehung/Streit-unter-Geschwistern-Wann-eingreifen-220881.html

https://www.bkk-mobil-oil.de/magazin/01-2017/streit-unter-geschwistern-was-tun.html

https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2017/11/meine-kinder-streiten-staendig-tipps-und-strategien-bei-geschwisterstreit.html

Buchtipp:

Adele Faber und Elaine Mazlish: Hilfe, meine Kinder streiten

Streit Konflikt Schlechte Stimmung

Geschwisterstreit – Wie schlechte Stimmung auflösen?

Stimmungslage 1

Mir geht es nicht gut. Vor einigen Tagen haben wir die Nachricht bekommen, dass unser Kleiner einen Platz im Kindergarten hat (Juhu!), aber nicht bei der gewünschten Erzieherin. Das hat bei mir eine Gefühlskaskade aus aktuellen Fragen und früheren schmerzhaften Erfahrungen ausgelöst. Der Druck, eine Rückmeldung geben zu müssen, ob wir den Platz nehmen, spitzt das ganze noch zu.

Morgens merke ich auf einmal, dass ich das noch nicht will. Und bespreche es mit meinem Partner. Der nicht begeistert ist… Nur, es ist zu dringlich, beschäftigt mich zu sehr, um an einem Termin am Wochenende in Ruhe mit ihm zu sprechen… Natürlich stört es unsere ganze Morgenroutine und die beiden Kinder spüren die Stimmungslage.

Stimmungslage 2

Aufgrund der Ferien sind beide Kinder zuhause und: Es hat geschneit! Der Schnee hat sich in den letzten zwei Tagen aufgebaut und türmt sich vor der Haustür. Die Sonne scheint. Ich möchte unbedingt rausgehen. Der Kleine (bald 3 Jahre) nicht. Er hasst Anziehen. Und Kälte, wenn wir draußen sind… Als wir alle angezogen draußen stehen, ist die Stimmung hinreichend schlecht, die Große (9 Jahre), weil sie warten musste, der Kleine, weil er sich anziehen muss, ich weil ich gedanklich beim Kindergartenthema bin. Wir stehen draußen, die Große hat sich einen Schneesitz gebaut. Der Kleine stellt sich daneben und macht den Sitz kaputt. Die Große schreit und schimpft. Ich will los, zum Schlittenberg. Der Kleine setzt sich auf den Schlitten und ich ziehe ihn – die Große stapft wortlos und mit dicken Wolken um den Kopf neben mir her. Ich spreche sie darauf an – sie weint um ihren Sitz. Mein Mann kommt vorbei und düst mit dem Rad zu Arbeit – ich werde schlecht gelaunt, weil er sich einfach aus der Situation rausziehen kann… 

Alle haben Bedürfnisse und Wünsche

Ich möchte endlich zum Schneeberg.

Die Große will, dass ihr Sitz wieder ganz ist.

Der Kleine heult, weil er spürt, dass irgendwas los ist.

Konflikte ignorieren geht selten gut…

Wir schaffen es genau noch 100 Meter weiter im Park, bis alle heulend da stehen – sie können sich in der Stimmung nicht einigen, wer auf dem Schlitten fahren darf. Da merke ich, dass es wohl nichts wird mit meinem Parkspaziergang im Schnee bei gleisendem Sonnenlicht – den wir hier alle Schaltjahre mal haben… Wir brechen den Rückweg an. Ich muss nicht sagen, dass wir natürlich im Park auch noch Menschen begegnen, denen ich mit zwei heulenden Kindern im Schlepptau eigentlich nicht begegnen möchte… 

Überforderung raus nehmen

Zuhause angekommen, kann sich die Große hinter ihrem Buch zurückziehen, dem Kleinen ist warm – nur ich schaue sehnsüchtig nach draußen… Naja, Konfliktlösung geht erstmal vor. Ich lasse die Große erzählen, was ihr so weh getan hat an der Zerstörung ihres Schneesitzes und höre ihr in Ruhe zu. Ihre Gefühle wollen gehört und gefühlt werden. Die Stimmung entspannt sich. Wir entspannen uns. Und am nächsten Tag werden wir einen wunderschönen Spaziergang machen – im Schnee, in der Sonne…

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Dr. Simone Lang
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Jeder Blogartikel bringt innere Welten zum Klingen. Wie ein Gong einen Ton erzeugt, der seine Schwingungen verbreitet, so hinterlässt auch das Lesen einen Eindruck. Welche Dinge kommen Ihnen in den Sinn? „Unterhält“ Sie das Geschriebene einfach nur oder werden Sie sich Ihrer eigenen Meinung beim Lesen bewusst, die mit dem Text übereinstimmt oder nicht? Und welches Gefühl wird ausgelöst? Es kann hilfreich sein, sich dessen bewusst zu werden, um mehr über die eigenen inneren Welten zu erfahren.

Ich freue mich, wenn Sie mir diese innere Stimmungsbilder per Mail zukommen lassen.

Familienpraxis Dr. Simone Lang

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