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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

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Grenzen akzeptieren

„Du sollst doch nicht schon wieder…“ – Impulskontrolle lernen

Der Kleine findet viele Dinge spannend: scharfe Messer, Scheren, Feuerzeug, Naschsachen, der Kühlschrank, der Medizinschrank – nur um mal so einige zu nennen. Und wenn er etwas möchte, nimmt er es sich. Er fasst einfach zu – auch wenn die Tasse über ihm auf der Ablage voll mit warmem Tee ist. 

Das Beispiel „scharfe Messer“

Zu Beginn haben wir ihm die stumpfen Schmiermesser als Ersatz gegeben. Damit konnte er zumindest mal weiche Äpfel oder Paprika schneiden und das schneiden lernen. Mittlerweile haben wir die Regel, dass er ein scharfes Messer nehmen kann, wenn wir dabei sind. 

Ja, natürlich hat er sich schon geschnitten. Beim Karottenschneiden mit dem etwas schärferen, gezackten Messer. Das wollte er dann auch immerhin einen Tag lang nicht mehr 😉 Der Schnitt war nicht tief, aber hat ihm verdeutlicht, wovor wir ihn schützen wollen.

Die Impulskontrolle entwickelt sich (langsam)

Heute früh wollten wir zusammen putzen. Er liebt Staubsaugen und ich mag eine saubere Wohnung und putze ganz gerne, wenn ich keinen Druck habe. Er liebt Fensterputzmittel, die mit einem „Pfuffer“ – einem „Zerstäuber“ – an die Scheiben gesprüht werden. Bei dem letzten Versuch sprühte er das gesamte Mittel leer – damit hatte ich gerechnet und in der Flasche war nicht mehr allzuviel drin. Das wollte ich heute vermeiden und meinte, er solle mir den „Pfuffer“ zurück bringen, wenn er die Toilette eingesprüht habe. Und tatsächlich kam er zurück und fragte, was er nun machen solle. Ich meinte, das Waschbecken könnte auch mal geputzt werden. Nach dem Waschbecken entschied er sich noch dafür, Fliesen zu putzen. Dann stellte ich das Mittel erstmal wieder auf den Küchenschrank und gab ihm ein Tuch zum verwischen.

Darauf hin wollte er das Fensterputzmittel wieder, um den Waschraum im 1. Stock zu putzen. Später kam er wieder und meinte, ich solle den Pfuffer wieder hoch stellen.

Wie wir als Eltern unterstützen – 3 Tipps

Was ihm dabei hilft, sich selbst kontrollieren zu lernen, ist folgendes:

  1. Ihn loben, WENN er es denn schafft.
  2. Ihm Sachen geben und Dinge zutrauen, wenn wir es begleiten können und nicht, wenn wir selbst genervt sind.
  3. Seine vielen Impulse auch mal aufnehmen und weiter spielen – so habe ich schon ganze Schreibtischschubladen entrümpelt bekommen, die er zuvor ausgeräumt hatte.

„Kannst du das weglegen?“

Mitterweile übernimmt er Strategien von uns als Unterstützung, sich selbst zu regulieren. Da er weiß, dass er das Putzmittel nicht leer machen soll, nimmt er mein Vorgehen auf und schlägt es mir vor: „Kannst du den Pfuffer hochstellen?“ Er weiß, dass es für ihn funktioniert, wenn das Objekt seines Interesses aus dem Auge ist, ist es auch (kurzzeitig) aus dem Sinn.

Das Gleiche praktiziert er bei der nachmittäglichen Kaffee-/ Teezeit: „Kannst du die Schokolade mal da hinter legen?“

Wann es nicht klappt

Abends sind wir alle etwas gereizter. Natürlich geht es gerade dann auch für den Kleinen nicht mehr so fokussiert und kontrolliert. Seine Handlungen zerfasern sich, alles ist interessant, der Badschrank, der Medizinschrank – nur noch schnell auf das Waschbecken klettern und nachschauen, was es da für tolle Sachen gibt…

Und dann abrutschen, denn die Motorik ist auch nicht mehr die Beste…

ABER…

…es wird oft deutlich, dass er sie kann, die Impulskontrolle. Er tut sich schwerer als die Schwester, nicht gleich „mit den Händen zu schauen“, aber er kann es immer öfter. Wir müssen es nur bemerken.

Adhs

Kind außer Rand und Band

Manchmal bin ich ratlos. Gestern Abend lagen meine Tochter, ich und mein Mann bereits im Bett, aber der Kleine hüpfte wie wild auf dem Bett herum. Alle wollten schlafen – außer ihm. Als er auf mich sprang, meinte ich: „Das Bett ist nicht zum Hüpfen da, du kannst drüben auf dem Sofa hüpfen!“ Der Kleine machte weiter wie bisher. Ich fasste ihn und stellte ihn vors Bett, worauf er zu Heulen anfängt.

Er ist oft schwer zu fassen und zu bändigen, gerade wenn er unser aller Grenzen überschreitet. Er räumt Regale aus, die wir mühselig wieder einräumen. Spätestens am Nachmittag wird das irgendwann zur Überforderung für mich und meinen Mann. 

Unser kleines Kind lebt seine Energie jeden Tag heftig und nach außen gerichtet und oft ohne erkennbare Rücksicht.

Wir sind gerade bei der Oma, die 700 km entfernt wohnt. Gestern Nachmittag bin ich mit ihm in die Küche gegangen – hier ergeben sich oft Spielmöglichkeiten für ihn, in denen ich ihm wenig Grenzen setzen muss. Ich trockne ein paar Dinge ab während er an der Spüle Wasser einlässt, das andere Becken füllt, eine kleine Schüssel immer wieder mit Wasser füllt und leert und auf die Spüle stellt. Später schälen wir Kartoffeln auf dem Küchenboden in Schüsseln und Karotten, die er schneiden darf. Als wir wieder zurück in unsere Zimmer unterm Dach gehen ist aber klar, dass seine Aufgedrehtheit wieder aufflammt. Den ganzen Abend ist er am Herumlaufen und findet sich nicht selbst. 

Einige Dinge interessieren ihn, die ihn zur Ruhe bringen. So spielen wir manchmal ein Fingerspiel, das er von sich aus beginnt: 

Das ist das Babettchen (Daumen wird gezeigt), das will nie ins Bettchen

Das ist die Elfriede (Zeigefinger), die wird auch nie müde,

Das ist die lange Claudia (Mittelfinger), mit dem Kraushaar, die muss nochmal raus da,

Und die Petra unterdessen, holt sich noch was zu essen.

Nur unsere Kleine, lieb und nett, schnappt sich Teddy am Beinchen und geht ins Bett.

Oder singen das Lied von der Frau Holle.

Ich habe in manchen unsicheren Situationen ratlose Momente, bei der Heftigkeit, meines kleinen Kindes stellt sich immer dann ein Grundratlosigkeit ein, wenn ich am Ende meiner Kräfte bin und er es nicht schafft, sich zu beschäftigen. Wir puffern es im Moment durch das Abwechseln zwischen mir und meinem Partner oder auch der großen Schwester ab. Ich vertraue darauf, dass dennoch unsere Bindung trägt – besser als ihn durch ständigen Zwang unter vermeintlicher Kontrolle zu halten, die dann bei anderen Gelegenheiten umso stärker aufpoppt.

Da soll nochmal einer sagen, Kinderbetreuung wäre einfach…

Reframing

Wie wir Machtkämpfen vorbeugen können…

Kindliches Verhalten ist deutungsoffen, wird aber eigentlich immer von uns als Eltern interpretiert. Zum Beispiel „verschüttet“ mein kleines Kind Wasser, als er versucht sich selbst ein Glas einzuschenken. Ich kann aus meiner Sichtweise der „Unordnung“ reagieren, indem ich sage: „Hast du schon wieder Wasser verschüttet?“ Oder ich kann aus seiner Sicht den Versuch werten, sich selbst etwas einzuschenken und sagen: „Hast du versucht, dir alleine Wasser einzuschenken?“ Wenn ich gerade optimistisch bin, sage ich dann vielleicht noch so etwas wie: „Da ist ja schon eine ganze Menge IM Glas gelandet…“

Fachbegriffe einfach erklärt: Reframing

Wie wir als Eltern auf kindliches Verhalten reagieren, hängt oft von unsere eigenen Stimmung und unserer Geduld ab. Wichtig ist zu wissen, dass wir die Möglichkeit haben, verfahrene Situationen, die sich im Machtkampf hochschaukeln, z.B. durch „reframen“ zu lösen. Reframing bedeutet, dass wir eine Situation „umdeuten“.

Dazu brauchen wir eine gewisse innere Flexibilität, uns auch mal auf die Sichtweise des Kindes einzulassen und nicht immer auf unserer zu beharren, die oft geprägt ist von Effizienz auf ein bestimmtes Ziel zu. Manchmal kann dann sogar statt einer Störung eine Hilfe für die gemeinsamen Familienziele entstehen.

Von der Störung zur Putzhilfe

Unser kleines Kind hatte eine Zeit, in der er sofort früh morgens den Staubsauger haben wollte, wenn wir gerade aufgestanden waren und das große Kind sich für die Schule fertig machen musste. Zunächst habe ich versucht, ihn Argumenten dazu zu bringen, dass wir später in Ruhe saugen können, wenn das große Kind und der Papa los sind. Da ging ein großes Geschrei los. Irgendwann habe ich mich darauf eingelassen und wir haben viele Tage morgens für ihn den Staubsauger aus dem Heizungsraum geräumt. Mit der Zeit wurde mir auch klar, dass er das braucht, um sich in dieser unruhigen Morgenstimmung an etwas festzuhalten. Und der Staubsauger hatte und hat schon immer eine Faszination für ihn. Ab dann konnte ich ihm sagen, dass es toll ist, dass er schonmal sauber macht. Das hat uns lange zu sehr sauberen Böden verholfen.

Wie das Reframen helfen kann, wenn wir im Machtkampf feststecken

Zunächst brauchen wir die Bereitschaft, auch etwas auf unsere Kinder zuzugehen – also am besten üben wir das Reframen, wenn wir selbst entspannt sind.

Zum Beispiel ist mein kleines Kind oft wild in seinem Verhalten – gerade wenn er müde wird und aufgekratzt. Er wirft dann Sachen von sich weg, springt auf andere ohne Rücksicht auf die Folgen und beißt oder kratzt. In dieser Stimmung ist es fast nicht möglich, ihn zu einem veränderten Handeln zu motivieren, da hilft nur ein Angebot, das auf sein primäres Bedürfnis reagiert – also Schlaf oder Anregung.

Ist er aber eigentlich ausgeglichen und ihn „sticht gerade mal wieder der Hafer“ und er stürzt auf mich zu in der Absicht, mich zu kneifen, sehe ich das mittlerweile schon im Ansatz.

Der Machtkampf, in den wir uns verrennen können ist dann, dass ich ihm sage, dass ich nicht möchte, dass er mich kneift, weil es mir weh tut, er es aber trotzdem macht, ich es wiederholt und schärfer sage, er es trotzdem nicht akzeptieren will, bis ich sauer bin…

Streicheln statt kneifen, küssen statt beißen

Mit Reframen kann ich bei seinem Kneifversuch reagieren, indem ich ihm z.B. sage: „Das ist aber schön, dass du mich streicheln willst!“ (was er natürlich nicht will). Augenblicklich stellt sich in seinem Gehirn ein Bild vom Streicheln ein, das kurzfristig seine eigene Handlung überlagert. Indem er sich das Streicheln also schonmal „vorgestellt“ hat, er hört mir ja zu, hat er die Möglichkeit, nun seine eigentlich geplante „Kneifattacke“ umzuwandeln, und stattdessen tatsächlich aus der Kneif- eine Streichelbewegung zu machen.

Das geht ebenso, wenn er ansetzt zum Beißen. „Oh, das ist aber schön, dass du mich küssen willst, mein Schatz!“ Zwar ist sein eigentlicher Impuls damit nicht „gelöscht“ oder ersetzt, aber es gibt uns die Möglichkeit zusammen zu lachen und vielleicht den Fokus auf etwas anderes zu lenken, als das beißen oder kratzen, z.B. darauf, zusammen etwas zu spielen.

Lernort Badewanne

Lernort Badewanne

Immer wieder stehe ich vor der Herausforderung, meinen Kindern Lernumgebungen zu ermöglichen, die sie nicht über- und nicht unterfordern. Der Kleine wird von der morgendlichen Aufbruchstimmung von Schwester und Papa ganz unruhig. Auch zerfranst sich seine Aufmerksamkeit, wenn so viel Spielzeug überall angeboten ist. Er zieht dann eines heraus, dann das nächste – ein richtiges Spiel entwickelt sich nicht.

Was ist ein „richtiges Spiel“?

Im Spiel entsteht etwas, das auch als „Flow“ bezeichnet wird, das selbstvergessene Einlassen auf sich und die Umgebung, die sich in innerer Freude und Frieden ausdrückt, die sich selbst genügen. Wir sehen dann Kinder, z.B. mit anderen selbstvergessen spielen, weshalb fälschlicherweise oft angenommen wird, Kinder bräuchten so schnell wie möglich andere Kinder als SpielpartnerInnen.

Selbstvergessenes Spiel ist zunächst ein ganz intimer und individueller Prozess, der sich mit sich selbst in Auseinandersetzung mit der Umwelt entwickelt. Und je kleiner die Kinder, umso weniger braucht es dazu.

Was braucht es, um selbstvergessenes Spiel zu ermöglichen?

  • Alltagsmaterialien, die einen Aufforderungscharakter haben und dem Kind verstehen ermöglichen wie

Dinge für die Feinmotorik

  • alte Mühlen zum drehen,
  • Schüsseln in verschiedenen Größen,
  • Korken
  • Küchenutensilien wie Siebe, Rührlöffel etc.

Dinge zum Bauen

  • kleine Hocker und Tische
  • breite Bretter
  • Kissen, Decken etc.

Gute Anregungen geben Pikler Spielräume.

Was es nicht braucht

  • zuviel Material in der Umgebung
  • zu laute und überfordernde Spielzeuge oder Umgebungen

Warum ist freies spielen so wichtig für die kindliche Entwicklung?

Die hohe Kunst als Lehrkraft, als Mutter oder Vater, als Erzieherin ist es, Lernumgebungen zu schaffen, in denen Kinder zum freien Spiel angeregt werden. Im spielerischen Umgang mit Dingen erwerben sie implizites Wissen, das dauerhaft abrufbar ist und in ähnlichen Situationen zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu dem vielen trägen Wissen, das im Klassenzimmer in köpfen entsteht, aber nicht handlungsrelevant ist.

Warum entwickelt sich manchmal ein freies Spiel, oft aber auch nicht?

Oft stelle ich eine gefühlt für mich „schöne“ Lernumgebung her, das von mir gewünschte freie Spiel stellt sich bei meinem Kind aber gar nicht ein und ich bin frustriert. Ja, auch ich bin dann enttäuscht und muss mich selbst trösten, dass die Förderung von Kindern, das Lehren eine „Kunst“ ist, die von vielen Variablen abhängt und letztlich immer zwischen den Personen stattfindet, die beteiligt sind.

Mein Mann meinte letztens, als ich ihm etwas vom freien Spiel vorschwadronierte: „Also du meinst Interaktion!“ Worauf ich meinte: „Nein, ich meine ‚Spiel‘ im eigentlichen Sinne im Gegensatz zu den Wettspielen.“

Unsere bisher schönste Lernumgebung

Worüber ich in der letzten Woche wirklich happy war, ist, dass ich mal wieder richtig Zeit hatte für meine Kind. Um prompt stellt sich für uns beide eine Lernumgebung ein, in der mein Kind ruhig und selbstvergessen über fast zwei Stunden spielt, während ich dabei sitze. Geklappt hat das in der Badewanne. Aus einem Impuls heraus, habe ich ihm eine Trittleiter mit zwei Stufen ins Badewasser gestellt, zusätzlich noch drei Ikea-Einsätze unseres Badschrankes hingeräumt, die sich wie rechteckige Wassereimer mit Griffen nutzen lassen.

Eine große Attraktion war zunächst das Hoch- und Heruntersteigen, weil er damit die Pflanze über seinem Kopf berühren konnte, was viele Male wiederholt wurde. Nicht müde wurde er auch davon, die Wasserkisten zu füllen und auf den Stufen abzustellen. Im Laufe der Zeit wollte er auch noch seine Seifenblasengefäße haben: kleine, runde, leere Pustegefäße in verschiedenen Farben. Ich wurde ins Spiel miteinbezogen, indem er immer wieder fragte: „Welches möchtest du?“ Und ich die entsprechende Farbe nannte, die er mir dann auch richtig gab 😉 Hier jubelt natürlich wieder mein innere Lehrerinnenseele. Die Farben werden gelernt, ohne dass ich sie abfragen müsste – implizites Wissen.

Das Wichtigste

Doch natürlich ist das Wichtigste, dass er mit sich und seinen Impulsen in Verbindung war. Und das ist in den nächsten Tagen zu spüren – wenn sich die Gelegenheit ergibt, findet er auch in anderen Situationen in sein eigenes Spiel. Was ihn zunehmend ruhiger und selbstbewusster im besten Sinne macht.

Jetzt könnte davon ausgegangen werden, dass ich nur die entsprechenden Materialien hinräumen muss und schon gelingt ein freies Spiel. Nein, ganz zentral war eben auch meine eigene Ausgeglichenheit und Hingabe an diese Situation. Der emotionale Raum, gefüllt mit Vertrauen, der sich zwischen ihm und mir entwickelt hatte. Was mich zu der gesellschaftskritischen Moral von der Geschicht´ bringt, dass Mütter, Eltern und pädagogisches Personal noch viel mehr entlastet werden muss, um gute Qualität in Bildungseinrichtungen zu sichern.

Beziehung Bindung

5 Kennzeichen einer guten Bindung zu deinem Kind

Immer wenn es darum geht, was ein Kind und ein Schreibaby insbesondere „bringt“, steht das Wort „Bindung“ an erster Stelle. 

Was ist Bindung?

In der Bindungsforschung wurden in den Anfängen Experimente mit Nähe und Distanz zur Mutter gemacht und dann darauf geschlossen, ob es eine sicher, unsichere oder hochunsichere Bindung von Kind zur Bezugsperson ist (Bolby, Ainsworth). 

Was hat das gebracht? Es hat gezeigt, dass hochunsichere Kinder einen schlechteren Start ins Leben haben und eine größere Anfälligkeit für psychische Krankheiten und soziale Probleme. Auch heute wird eine Resilienz, also der Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen, bei gut gebundenen Kindern nachgewiesen (Grossmann & Grossmann). 

Das übt natürlich einen Druck auf uns Eltern aus – wir sollen und wollen „es“ richtig machen.

Eigene intuitive Kompetenzen

Die gute Nachricht ist: Eltern haben angeborene, intuitive Fähigkeiten, eine sichere Beziehung zu ihrem Baby aufzunehmen und aufrecht zu erhalten. Wir brauchen also eigentlich nur auf unsere eigene innere Stimme hören. Tragischerweise sind diese Fähigkeiten oft von eigenen traumatischen Erfahrungen in der eigenen Kindheit (oft schon im vorsprachlichen Alter) oder wenig hilfreichen Glaubenssätzen (z.B. „Du musst dein Baby …, sonst gewöhnst du es daran und kommst nicht mehr los“) überlagert. Wenn dies bewusst wird, kann eine Beratung helfen, Gedanken und eigene Wünsche zu sortieren und herauszuarbeiten.

Wie spüre ich Bindung? 5 Kennzeichen 

Generell lässt sich also sagen, wenn sich etwas in Beziehung, im Umgang mit dem eigenen Baby nicht gut anfühlt, ist auch etwas verbesserungsbedürftig. Wann fühlt sich Bindung gut an?

1.Innigkeit

Innigkeit ist eine Beziehungsqualität, die Mütter z.B. beim Stillen eingehen können. Es ist das Gefühl, das wir haben, wenn wir uns selbst in entspanntem Zustand unserem Kind zugewandt sind. 

Oft geben die Babys die beste Rückmeldung, wenn etwas in der gemeinsamen Beziehung nicht passt. Sie sind die Fachleute in Beziehungsaufbau, im Verweilen von Beziehung und dem lautstarken Beklagen von Beziehungsabbruch. 

2.Durchlebte Gefühle

Dabei ist der größte Irrtum, dass das Baby mit allen Mitteln beruhigt werden muss, wenn es sich unwohl fühlt. Der schönste Ertrag ist es, wenn auch die negative Gefühle eines Babys mit ihm oder ihr in innerlicher Verbundenheit durchlebt werden können. 

Bei Schreibabys ist die besondere Schwierigkeit, dass sie oft von null auf hundert zu schreien anfangen und sich nicht beruhigen lassen. Wenn Eltern es schaffen, selbst präsent und bei sich zu bleiben und dem Kind „zuhören“ können, kann sich nach dem Schreien eine gemeinsame Ruhe und Innigkeit einstellen.

3.Dasein

Generell gilt, dass es für ein Baby wichtig ist, dass eine Person spürbar da ist – gerade wenn es schreit. Dasein meint darüber hinaus nicht nur die körperliche Anwesenheit, sondern auch das Erkennen, wenn ich innerlich nicht mehr bei meinem Kind sein kann, z.B. weil ich selbst eine Auszeit brauche. Und dann das Dasein auch nicht erzwinge, da es für das Kind als Stress erlebt wird, wenn die Bezugsperson „aushält“ (Harms).

4.Anteilnahme

Ein inneres Beteiligtsein ist ein Anteilnehmen an dem Schmerz des Kindes ohne sich selbst zu vergessen. Es ist ein Angebunden-Sein an das Baby mit gleichzeitigem Angebunden-Sein an sich selbst. Am besten kann dies realisiert werden, wenn ich mein Bewusstsein in meinem eigenen Körper lenke und mich frage, was gerade mein innerer Zustand ist. Und davon ausgehend entscheide, was ich gerade für das Kind leisten kann und wie ich für mich selbst in die Entspannung komme.

5.Verbunden und getrenntsein körperlich spüren

Die verschiedenen Beziehungsweisen mögen sich unterscheiden, das Gefühl der Bindung ist immer ähnlich: es ist ein gutes Körpergefühl. Und ein Beziehungsabbruch tut (körperlich) weh. Das gilt nicht nur im Baby- sondern ebenso im Kindesalter.

Trennungsschmerz begleiten

Trennungsschmerz begleiten

Mit dem Herbst kommen die kalten Temperaturen – derzeit sind es fünf Grad am morgen. Das ist für uns schon morgens spürbar, sowohl mein Schulkind als auch mein Mann fahren mit dem Fahrrad zu ihren jeweiligen Arbeitssttätten.

Getrennte Wege – eine eskalierende Situation

In den vergangenen zwei Wochen haben wir Heimaturlaub gemacht. Nun, nach einer langen Zeit, in der wir zusammen mit der Oma jeden Tag alles gemeinsam gemacht haben, kommen wir zurück nach Rostock, und auf einmal ist die Familie nicht mehr zusammen.

Bei dem Kleinen dauert es einen Tag, bis er es realisiert. Am zweiten Tag nach unserer Rückkehr will er nicht mehr mit mir zuhause bleiben: „Ich gehe auch in die Schule!“

Am Dienstag morgen eskaliert die Situation beim Verabschieden. Der Kleine wirft sich auf den Boden und bricht in hemmungsloses Weinen aus, als die Große auf das Tandem klettert. Der Zeitdruck der Schulbeginns schafft Handlungsdruck und verschärft die Lösungsfindung.

1. Lösung: Einfach losfahren

Nachteil in dieser Situation ist, dass er wirklich hilflos weint, er ist also nicht jammerig, sondern kommt gerade nicht aus seinem Schmerz heraus. Was mich in solchen Situationen immer achtsam werden lässt, ist die Theorie der erlernten Hilflosigkeit. Wenn die beiden jetzt einfach fahren, lernt er, dass er an der Situation sowieso nichts ändern kann, keinen Einfluss hat.

Außerdem speichert sein Gehirn die Situation ab: Die Große darf das, was ich will. Geht es das nächste Mal ums Tandem fahren, kann es sein, dass es umso schlimmer wird, wenn er wieder nicht das bekommt, was er braucht. Ungelöste Situationen in der Biographie kommen immer wieder und werden lauter.

Lösung 2: Mitfahren

Der Nachteil, einfach mit den beiden mitzufahren ist, dass es Zeit und Ressourcen kostet, nämlich meine. Außerdem besteht natürlich eine gewisse Gefahr, dass das Kind sich daran gewöhnt, dass alles nach seinem Willen gehen muss. Dieser Zahn sollte aber lieber in Situationen gezogen werden, in denen das Kind nörgelt und jammert, nicht aber aus ganzem Herzen haltlos und hilflos weint.

Der Vorteil, die beiden noch ein wenig weiter zu begleiten berücksichtigt viele Bedürfnisse: nach Pünktlichkeit, nach Zusammensein, zumindest noch für eine kleine Weile. So packe ich unser Transportrad aus dem Schuppen, in dem es sich die Große bequem machen darf. Der Kleine darf aufs Tandem. Dennoch ist die Stimmung am Boden – meinem Mann ist es nicht pünktlich genug und Existenzängste machen sich breit.

Von Mitbestimmung und Selbstbestimmung

Für den Kleinen ist zunächst das Signal klar: „Ich darf mitentscheiden, ich bin auch wichtig.“ Irgendwann will der Kleine dann vom Tandem aufs Transportrad. Wir begleiten die Schwester und Papa noch eine kleine Weile, dann entdeckt er einen Bagger.

Durchlebte Gefühle

Danach können können wir uns zufrieden von den beiden verabschieden – alles in allem hat uns die Auseinandersetzung wohl 20 Minuten gekostet. Der Kleine ist ganz still auf der Rückfahrt. Seinen Trennungsschmerz konnte er durchleben. Das kostet Energie. Hinterher ist der Lohn dann die wirkliche Ruhe durch inneren Frieden. Vielleicht war er aber auch nur eingefroren…

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Ich freue mich, wenn Sie mir diese innere Stimmungsbilder per Mail zukommen lassen.

Familienpraxis Dr. Simone Lang

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