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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Mein Blog

Wie stimme ich mich mit anderen ab?

Schwimmen lernen: Wie gelingen Absprachen mit anderen?

Wir (meine Mutter, der mein 4-jähriger und ich) sind in einem Schwimmbad mit zwei Becken: ein eher frischen Sportbecken und ein schön warmes Kinderbecken mit knietiefem Wasser. Meine Mutter schlägt vor, ob sie sich nicht zusammen abkühlen und wieder schnell ins warme Becken huschen wollen. Mein Kind stimmt zu: Ein „heiß-kalt“-Spiel? Das macht Spaß und spielt er selbst in der Badewanne.

Er geht meiner Mutter nach. An der Leiter zum flachen Kinderbereich im Sportbecken zögert er. Warum? Er hat am eigenen Leib erfahren, dass er, wenn er den Boden verliert, untergeht. Und keine Luft mehr bekommt. Ich stehe neben ihm und warte ab. Zum ersten Mal fragt er mich, ob ich ihn trage. 

Den Boden unter den Füßen verlieren

Den Boden unter den Füßen verlieren bedeutet größtmögliche Unsicherheit, es bedeutet Lebensgefahr. Und sein Körpergedächtnis weiß das. Es ist kein kognitives Konzept, etwas, was ihm jemand gesagt hat. Es ist seine eigene Erfahrung, als er die ersten zwei Male in ein Kinderbecken gegangen und dort das Gleichgewicht verloren hat. (In diesem Artikel habe ich Prozess beschrieben.

Begleiten ohne einzugreifen

Diese hautnahe Erfahrung wird in seinem Körpergedächtnis lebenslang gespeichert sein und ihm in späteren risikoreichen Situationen helfen. In der Schule wird dies unter dem Schlagwort „Wagniserziehung“ anzubahnen versucht. Wesentlich effizienter ist es in der 1:1 Betreuung. Als Mutter brauche ich dazu einen Blick, eine entsprechende Sichtweise, Wesentliches zu sehen und zuzulassen. Diesen Blick kann ich entwickeln, wenn ich weiß worauf zu achten ist.

Ein guter Beginn ist es, das eigene Kind „nur“ zu beobachten, anwesend zu sein. Ich sammle gerne Erlebnisse, die mein Kind gerade beschäftigen. An diesem Tag waren es folgende Themen:

  • Springen: eine Art Bauchklatscher im Wasser nach vorne auf die Wasseroberfläche mit anschließendem Untertauchen,
  • Tauchen mit Taucherbrille: er bleibt immer länger unter Wasser,
  • die Leiter hinunter ins kalte Sportbecken gehen und in meine Arme gleiten: Zum ersten Mal hat er mich gefragt, ob ich ihn trage,
  • ein gemeinsames Transportspiel: ich setze ihn an der Treppe auf der anderen Seite des Beckens ab, die er schnell nach oben zum sicheren Boden draußen läuft.

Wie stimme ich mich mit meiner Mutter ab?

Ich vermute, du kennst den Konflikt, wenn andere noch ein altes Modell von „Erziehung“ haben und du dir einen anderen Umgang mit deinem Kind wünschst? Bei mir war es ein langer Prozess:

  1. festzustellen, dass ich einen bindungsorientierten Umgang mit meinem Kind möchte,
  2. die Rahmenbedingungen dafür zu organisieren,
  3. beziehungsorientiert mit anderen darüber zu sprechen,
  4. einen beziehungsorientierten Umgang für mein Kind bei anderen zu fordern,
  5. fünfe grade sein zu lassen und nicht immer einzugreifen, wenn eine andere Person etwas für mich „falsch“, also nicht passend, macht im Umgang mit meinem Kind.

Eigene soziale Netze neu aufbauen

Letztendlich habe ich mir tatsächlich Menschen gesucht, die einen ähnlichen Umgang mit ihrem Kind möchten. Diese findest du in Kitafrei-Gruppen, z.B. über facebook, wo du lokale Netzwerke anfragen kannst. Hier vernetzen sich die Kitafrei-Mamas vor Ort über einen Messenger (Whatsapp).

In meinem Umfeld habe ich Kontakte zu Menschen, die einen anderen Erziehungsstil bevorzugen, auf ein Minimum reduziert. Nur mit Menschen, die mir sehr wichtig sind, tausche ich mich aus, weshalb ich Zwang im Umgang mit meinem Kind nur im äußersten Notfall rechtfertigen kann. Das sind mein Mann und meine Mutter. Denn auf ihr Verständnis und ihr Bemühen, mich zu verstehen und zu unterstützen kann ich zählen. Das habe ich in vielen Situationen mit ihnen durchlebt, durchstritten und abgestimmt. 

3 Tipps für die Absprache mit anderen

Bitten formulieren

Mit meinem Mann hat sich herausgestellt, dass eine freundliche Bitte weit führt. Ich sage z.B. im Schwimmbad zum ihm: „Ich möchte dich bitten, dass du dich zurückhälst, wenn du mit ihm ins Becken gehst.“ Das erinnert ihn daran, mehr in die Beobachtung zu gehen.

Über den eigenen Ansatz informieren

Mit meiner Mutter spreche ich manche Situationen durch, die wir gemeinsam erleben. Ich erzähle ihr, was der Ansatz des „natürlichen Schwimmens“ (Evelyn Poudubrin hat dazu geforscht und eine Online-Schwimmschule). Ich begründe von der Gehirnforschung her, was es heißt, das Kind zu begleiten ohne einzugreifen.

Lächelnd über Dinge hinwegsehen

Am schwierigsten ist es für mich zu respektieren, dass andere einen eigenen Umgang mit dem Kind entwickeln. Es entsteht eine eigene Beziehung. Es hilft mir zu verdeutlichen, wenn mein Kind sehr gerne mit anderen zusammen ist. Mit dem Papa zum Beispiel, weil er entspannt ist und sich wenig Gedanken darum macht, was „richtig“ und „falsch“ ist. Das macht den Umgang mit ihm einfacher – bis der nächste große Machtkampf kommt 😉 In den ich eingreife, auch wenn ich es „eigentlich“ nicht will 🙁 Nobody ist perfect…

Meine Nachbarin hat einen schönen Umgang mit ihren Großeltern entwickelt, die häufig ihr kleines Kind (1 Jahr) betreuen. Sie greift nicht direkt ein, kommuniziert aber immer wieder, was sie und ihr Mann sich im Umgang mit der Kleinen wünschen. Zum Beispiel, dass sie weinen und ihr Gefühl durchleben darf und nicht sofort abgelenkt wird. Sie sieht zwar Dinge, die sie nicht gut findet, kann aber lächelnd darüber hinwegsehen.

Den eigenen Spaß kultivieren

Mir selbst hilft, wenn ich mein Kind anschaue und verstehe, wie sehr er sich an seiner eigenen Lust an Dingen orientiert. Es gibt mir die Erlaubnis, mir einzugestehen, worauf ich gerade Lust habe. Meinem inneren Kind Raum zu geben. Es ist der Zauber, der entsteht, wenn ich mit meinem Kind zusammen bin: die gemeinsame Lust am freudvollen Tun. 

Im Schwimmbad habe ich wieder Lust am Tauchen mit Taucherbrille gefunden. Ich erforsche gerne das Becken unter Wasser, tauche mal schnell ab, bin dann mal weg… So endete auch unser Schwimmbadausflug: eine Kombination aus dem Transportspiel mit meinem Kind und meinem eigenen Tauchspiel. Er rannte von Treppe zu Leiter, ich tauche durchs Becken dorthin und hole ihn ab, das Ganze beginnt von vorne.

Meine Mutter schläft derweil entspannt auf der Liege – da hat sie gerade Lust drauf.

Kind hört nicht?

“Warum hörst du denn nicht?”

Oft höre ich von Eltern die Frage an ihr Kind: „Hast du das denn nicht gehört?“ oder die Aussage „Das hab ich dir grade gesagt!“ Ich kenne das von mir, diese Annahme, dass das, was ich dem Kind anordne, auch sofort befolgt wird. Denn es ist doch logisch, dass die Wohnung schmutzig wird, wenn der die erdigen Schuhe drinnen anlässt, oder? 😉 In unserer Nachbarschaft wurde dieses Missverständnis soweit getrieben, dass das Bübchen irgendwann fast zum Ohrenarzt musste, weil er nicht „gehört“ hat. 

Vier Ebenen

Oft ist das, was wir sagen, ein Verbot oder Gebot, was das Kind tun oder lassen soll. Es gibt das 4-Ohren-Modell (Schulz von Thun), das anschaulich erklärt, warum unser Kind nicht etwa schlecht hört – im Gegenteil, es hört meistens sehr gut. Unser Kind antwortet nur auf einer anderen Ebene. Während wir oft auf der Appellebene argumentieren – „Ich hab dir doch gesagt, dass du nicht mit Schuhe in die Wohnung sollst“ – „hört“ das Kind sehr genau die Appellebene, antwortet aber auf der Ebene der Selbstkundgabe. Diese lautet vermutlich „Ich habe keine Lust, Schuhe auszuziehen“. Oder auf der Beziehungsebene „Ich will das nicht für dich machen, weil ich mich über dich ärgere, dass du mich zwingen willst.“ 

https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat#&gid=1&pid=1

Muss ich mein Kind zwingen?

Ich hasse diese Situationen, in denen ich denke, ich müsste mein Kind zu etwas zwingen. Meistens ist es dann der Fall wie gestern Abend, wenn ich selbst schon viel zu müde bin, um meinem Bübchen zu helfen. Und ihm dann noch Zähneputzen „muss“. Ich will das nicht, ihm mit den Fingern den Mund aufhalten, damit ich an die Zähne rankommen. Aber wenn ich die nicht putze, dann bekommt er doch Karies, oder? Die Alternative ist doch, ihm keine Zähne zu putzen? Ja, gestern habe ich ihn gezwungen – gut geht es mir damit nicht.

Bindungs- und beziehungsorientiert Mutter sein

Kein Tag ist wie der andere – und oft gibt es so viele Möglichkeiten an Reaktionen wie Finger an der Hand. In dem Fall – ich zu müde und mein Kind will (wie immer) nicht Zähne putzen, ist es vermutlich wirklich eine gute Lösung, keine Zähne zu putzen. 

  1.  Ich könnte natürlich das Ganze mit Humor nehmen – klappt gut, wenn ich selbst entspannt bin und wir viel Zeit nach hinten haben,
  2.  ich könnte das ganze Aussitzen – auch das nur, wenn Zeit nach hinten ist und ich WIRKLICH Geduld habe,
  3.  ich kann ihm eine Geschichte erzählen: von Karius und Baktus, und ihm erklären, warum Zähneputzen wichtig is – hilft meistens nur kurz, dann überwiegt das Unlust-Gefühl beim „Geputzt-werden“,
  4.  ich kann überlegen, wo er in anderen Situationen sich gerne helfen lässt: z.B. beim Popo abputzen – und mich so verhalten, wie ich es dort tue (nämlich ihn nach mir rufen lassen, wenn er fertig ist), allerdings geht er da meistens aus dem Badezimmer und spielt lieber,
  5.  ich kann nichts mehr für ihn machen, bis wir nicht Zähne geputzt haben,
  6.  ich kann alle Dinge, die er entscheiden kann – welche Zahnpasta, Motor an oder aus, wo hinsetzen – ihn entscheiden lassen, die Entscheidung für Zähneputzen generell aber treffen,
  7.  ich kann eine Routine schaffen, dass nach dem Abendessen immer gleich die Zähne geputzt werden,
  8.  ich kann an einem anderen Platz putzen, wenn der alte Platz gefühlsmäßig schon negativ besetzt ist,
  9.  ich kann für Ruhe sorgen, dass sich nicht noch zwei weitere Personen im Badezimmer aufhalten und Geräusche machen,
  10. ich kann für mich ein Spiel daraus machen – wie lange brauche ich wohl, bis sich das ein bindungs- und bedürfnisorientiertes Zähneputzen bei uns beiden etabliert hat? 3 Wochen? 3 Monate? drei Jahre? Schaffe ich es vielleicht schneller als gedacht?

Die Liste ist beliebig erweiterbar – es Bedarf nur ein wenig Zeit und Gedankenschmalz. Aber hey, wofür haben wir denn diese weiße Masse zwischen unseren beiden Ohren? 😉

Impuls

Mache JETZT deine eigene Liste, welche Möglichkeiten es für dich gibt – mögliche und unmögliche und hänge sie in deinem Badezimmer gut sichtbar auf!

Wie begleite ich Trauer bei meinem Kind?

Emotionales Lernen

Die emotionale Begleitung von Gefühlen, die mein Kind (noch) nicht benennen ist ein Grund, weshalb mein jüngeres Kind (4 Jahre) auch im nächsten Jahr nicht in eine Fremdbetreuung geht. Worum geht es mir?

Vor zwei Jahren hatte die Große eine Karte für eine großen Pferdeshow geschenkt bekommen. Letzten Sonntag war es endlich soweit. 

Beim Mittagessen erzählten wir es dem kleinen Bruder. Er protestierte aufs heftigste: Er wolle auch mit. 

Alle Argumente seitens der Eltern und Schwester zählten nicht:

  • dass wir nur zwei Karten hätten,
  • dass er ohne Karte nicht in die Halle kommen würde, 
  • dass er nicht zusammen mit der Großen ohne Erwachsene gehen könnte, 
  • dass die Große nicht zuhause bleiben wolle, da sie sich schon lange darauf gefreut hätte… 

Wenn es nicht anders geht: einen Raum für Mitbestimmung schaffen und Alternativen

Wir klopften alle Möglichkeiten ab – die einzige Möglichkeit, mitzuentscheiden war die, ob Mama oder Papa mit ihm zuhause bleiben. Damit war die rationale Seite klar – es blieb sein Wunsch, zu der Show mitzukommen.

Ich bot ihm ein Alternativprogramm an. Gerne wollte ich mit ihm bei dem schönen Wetter zu der Skateanlage im Park fahren.

Die eigene rationale und emotionale Position finden

Für mich ist es generell schwer mitanzusehen, wenn mein Kind weint – ich möchte ihm am liebsten helfen. In dieser Situation war ich glücklicherweise in einer großen Ruhe – es war Sonntag, ich war innerlich ausgeglichen. So konnte ich mich in dieser Situation auf die Begleitung seines Schmerzes konzentrieren. 

Es ist ein Schmerz, den wir alle kennen, der Schmerz, nicht „dabeisein“ zu dürfen, nicht „dazu zugehören“. Das Gefühl von Ausgrenzung ist eines der schlimmsten und existentiell – zum Beispiel wenn Menschen vom Zugang zu Nahrung abgeschnitten werden.

Eskalation

Als ich das Bedürfnis nach Ruhe beim Essen bei mir spürte, ging ich in die Küche, um dort weiter zu essen. Er tobte weiter und wollte, dass seine Schwester auch nicht gehen solle. Der Papa und die Schwester konnten nach einer Weile der Diskussion das Geheule nicht mehr ertragen – zuerst wurde die Große laut und stand wutentbrannt auf, als kein Argument fruchtete. Dann wurde der Papa laut.

Als ich das Bedürfnis nach Ruhe beim Essen bei mir spürte, ging ich in die Küche, um dort weiter zu essen. Er tobte weiter und wollte, dass seine Schwester auch nicht gehen solle. Der Papa und die Schwester konnten nach einer Weile der Diskussion das Geheule nicht mehr ertragen – zuerst wurde die Große laut und stand wutentbrannt auf, als kein Argument fruchtete. Dann wurde der Papa laut.

Ich merkte, wie mir der Kleine so leid tat. Es war so verständlich. Ich ging wieder zu ihm – das Essen konnte warten. Ich kniete mich zu ihm und verband mich mit ihm. Ich zeigte mich und mir traten die Tränen in die Augen bei seinem offensichtlichen Schmerz. Er weinte und spürte meine innere Berührung. Ich sagte ihm, wie leid es mir täte, dass er nicht mit konnte. Nach einer kleinen Weile, die eine Ewigkeit war, begann er weiter zu essen. Ich blieb weiter bei ihm.

Schmerz in Wellen 

Er wurde ruhiger und akzeptierte die Tatsache. Später, bei den Vorbereitungen zur Abfahrt protestierte er wieder. Als es für mich zu schwer war, tat ich etwas, um uns beide zu trösten – ich begann Waffeln zu backen. Ich wollte ihm bewusst kein Gegenprogramm oder Zucker als „Trost“ anbieten, merke aber, dass es mir gut tat, mich mit etwas zu beschäftigen. Obwohl im Raum stand, dass er der Papa auch zuhause mit ihm bleiben könnte, gab es uns eine gewisse Sicherheit – er wusste woran er war (ich signalisierte für ihn anschaulich: Ich bin da) und was passieren würde, wenn die beiden anderen los fuhren – wir würden Waffeln machen. So war der Abschied dann von ihm ganz tapfer – er freute sich sogar für die Große. Wir winkten noch lange – unser Abschiedsritual.

Erst als er sich später wehtat, kam der Schmerz, nicht mit zu dürfen, nochmal in ihm hoch. Er weinte und fragte auf meinem Arm, weshalb er nicht mitgedurft hätte. Ich hielt ihn lange im Arm. Irgendwann verebbte das weinen und er wünschte sich, dass wir zu einer Skateanlage fahren, an der wir einen schönen Freitag verbracht hatten. So packten wir die Waffeln, einen Roller und ein Skateboard ein und rollerten dort zwei Stunden herum.

Die Entscheidung für die Selbstbetreuung

Es gibt drei wesentliche Gründe, weshalb ich mich entschieden habe, mein Kind weiter zuhause zu betreuen. 

  1. Diese emotionale Betreuung ist ein Grund. Ich möchte beim Aufbau seiner emotionalen ersten Gehirnbahnen sicherstellen, dass er konstruktive Wege lernt.
  2. Ich selbst habe erst gelernt und lerne immer noch, die entsprechenden Situation zu sehen und bei mir und bei ihm zu begleiten.
  3. Wir haben über Jahre hinweg an einer finanziellen Lösung gearbeitet, die mich vom Druck der Erwerbsarbeit entlastet. 

Mein älteres Kind (10 Jahre) haben wir mit knapp drei Jahren in den Kindergarten zur Betreuung gegeben. Es gab Situationen, in denen sie unglücklich mit ihrer Freundin war und sich nicht einigen konnte. Da ich die Situationen nicht mitbekam, konnte ich ihre Bedürfnisse nicht übersetzen. 

Bei einem Gespräch mit der Kindergärtnerin wurde klar, dass sie dem Kind einen Schutzraum bei sich bieten kann. Eine Klärung und Begleitung von Bedürfnissen, konnte nicht geleistet werden. Bedürfnisse, die mein Kind noch nicht aussprechen konnte, z.B. das Bedürfnis auf einen eigenen Raum. So blieben Dinge unausgesprochen, es gab Missverständnisse und sie verhärtete. Zukünftig ging sie aus Situationen weg, die sich nicht klären konnte. Für mich blieb und bleibt ein schlechter Nachgeschmack und das Gefühl, eine wichtige Chance in der Entwicklungsbegleitung verpasst zu haben.

schwimmen lernen ohne Angst

Schwimmen lernen ohne Angst

Mein Kind wirft sich mit gestreckten Arme vom Schwimmeckenrand weit nach vorne ins Wasser. KLATSCH – Landung auf dem Bauch mit Abtauchen und wieder Aufstehen.

Ich befinde mich im 32 Grad warmen Kinderbecken. Mein Kind, fast 4 Jahre kann hier überall stehen und bewegt sich deshalb sehr vertrauensvoll. Im Gegensatz zu seine Schwester früher würde ich sogar sagen – risikoreich. Doch er lernt genau durch die wirklichen Konsequenzen seiner Handlungen und nicht durch von mir gesetzte Regeln.

In diesem Artikel geht es weniger darum, wie sich bei meinem Kind ein natürlicher Schwimmprozess entwickelt, als darum, was es mir gibt, ihn dabei zu begleiten.

KLATSCH – wieder der Bauchplatscher, und wieder nach draußen – vier, fünf, sechsmal das gleiche Spiel. Warum er das wiederholt? Weil es funktioniert und sich gut für ihn anfühlt. Ich beobachte ihn dabei und bin gleichzeitig Mitspielerin im Geschehen. Weiß ich doch, dass seine Klatscher der natürliche und damit optimale, weil selbstgesteuerte Lernweg zum Kopffsprung sind. Wenn er einmal Lust hat, Kopfsprünge zu machen, was bei ihm so aussieht.

Der Anfang

Als wir gemeinsam das Schwimmbad betreten, rennt mein Kind sofort zum Kinderbecken: „Mama, kommst du?“ Ich bin zunächst zurückhaltend, da noch zwei weitere Mamas mit Kindern im Becken sitzen und ich erstmal ankommen will. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich entspannt ganz bei mir und meinen Bedürfnissen bleibe, entwickelt sich zwischen mir und meinem Kind/ meinen Kindern ein wunderschöner Prozess.

Von einer Liege aus beobachte ich, wie mein Kind am Beckenrand entlang zu den anderen Kindern läuft. Er hat keine schlechten Erfahrungen gemacht und Kinder sind immer potentielle SpielkameradInnen. Die Kinder sind noch klein und die Mütter verhalten sich abwartend wie ich, so dass er nach mehrmaligem am Beckenrand Auf- und Ablaufen wieder auf mich zurückkommt. Ich habe mich soweit aklimatisiert, dass ich nun zum Becken komme, meine Schuhe ausziehe und erstmal die Beine im Wasser baumeln lasse. Mein gar nicht mehr so kleines Kind ist mittlerweile ins Wasser gelaufen, das ihm bis zu den Oberschenkeln geht.

Ich habe noch keine Lust, ganz ins Wasser zu gehen und habe den Impuls, mich auf einen der herumschwimmenden Wasserbälle zu setzen. In der Zwischenzeit hatte mein Kind schon mehrere Themen:

  • versuchte Kontaktaufnahme mit den anderen Kindern durch Hingehen,
  • sich aufs Wasser legen und mit den Händen kraulen und immer wieder aufstellen – ein Thema, das ich bisher noch nicht bei ihm gesehen habe,
  • sich Flossen holen,
  • sich von einem kleinen Absatz, am Beckenrand nach vorne werfen.

Als dann das Becken leer wird, weil die anderen Mütter samt Kindern gehen, paddelt er (und ich, die ich mittlerweile im Becken gelandet bin) ein wenig herum.

Dann wird ihm langweilig und will er essen. Wir knabbern draußen am Platz ein paar Äpfel, als wieder ein Kind kommt. Schwupp, ist er wieder im Becken.

Es dauert immer ein wenig, bis wir so ganz angekommen und bereit sind, wirklich in ein Spiel einzutauchen. Glücklicherweise haben wir heute zweieinhalb Stunden Zeit und es ist fast nichts los – was insbesondere für mich entspannend wirkt, da mich sowohl Lautstärke als auch viele andere Menschen stressen.

Spielphasen

Das andere Kind ist älter und mit Oma da. Es folgt wieder eine gegenseitige Wahrnehmungsphase und ich spreche kurz mit der Großmutter. Da das Kind eher für sich spielt, wendet mein Kind seine Aufmerksamkeit einer Schwimmmuschel zu, eine etwas kleinere Luftmatraze. Er legt sich darauf und ich ziehe ihn, was und beide zu Lachen bringt. Dann will er, dass ich das Luftpolster halte, so dass er von der Leiter der Rutsche, die im Becken steht, darauf springen kann. Das Herunterspringen von der Leiter war schon während der letzten zwei Schwimmbadbesuche sein Thema, so dass er sich gleich von oben traut. Die Muschel wird von seinem Gewicht zur Seite gedrückt und er taucht tief unter. Obwohl er stehen kann, dauert es einen Moment, bis er sich unter dem Luftpolster hervorgearbeitet hat. Erschrocken blickt er zu mir. Ich bin noch so in unserem Spiel, dass ich erst später realisiere, dass er sich wirklich erschreckt hat.

Das hatte er offenbar anders eingeschätzt und der Tauchgang kam unerwartet. Da er gelernt hat, dass Untergehen gefährlich für ihn ist, geht er nach einigen Schrecksekunden nun langsamer vor. Er springt zunächst erstmal von der untersten Stufe auf die Schwimmmuschel, die ich wieder halten darf. Er landet sicher auf allen Vieren und wird Stück für Stück wieder mutiger. Er erzählt mir, dass es vorher richtig tief untergetaucht ist.

Später will er mich auf dem Luftpolster durchs Becken ziehen. Obwohl es an der Luft kälter ist, ist es vergnüglich, mich von ihm durchs Becken ziehen zu lassen. Dann will er von der Rutsche auf die Schwimmmuschel gleiten, die ich unten halten soll. Da es nicht so funktioniert wie gedacht, lassen wir uns im Becken treiben. Er paddelt wie ein kleiner Seehund und hält dabei seinen Kopf über Wasser und die Luft an. Ich bin glücklich.

Was mir das Muttersein gibt und nimmt

In diesem Moment passt alles. Ich bin mit meine Kind im Jetzt und Hier, wir teilen unsere Erfahrungen und die Freude springt zwischen uns hin und her. Und dann gibt es nachts die Sorgen – über die richtigen Entscheidungen, wie mein Kind gefördert werden soll, welchen Rahmen, welches Umfeld ich gestalten kann und wie ich das finanzieren soll.

Ja, mein Kind ist eine persönliche Erfüllung und ich lerne jeden Tag von ihm spielen, das ich verlernt hatte. Und nein, ich bin traurig, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausübe und Geldsorgen mein Sicherheitsgefühl stark beeinflussen. Das Dilemma ist aktuell für mich nicht auflösbar.

Der Abschluss

Zum Schluss kommt noch eine Familie mit zwei Kindern ins Becken. Sie nehmen gleich viel Raum ein. Da sich unsere gebuchte Zeit dem Ende nähert, stelle ich mich darauf ein, dass wir bald aufbrechen. Meinem Kind sage ich, dass wir noch zehn Minuten haben, bis wir gehen.

Heute durfte ich es erleben. Ich durfte Teil von etwas sein, das oft nur Kinder noch wirklich können, wenn sie dürfen: das Geschenk des wirklichen, weil selbstvergessenen Spielens.

Imbolc Ostara Beltane Walpurgis Sommersonnwende Johanni Schnitterinnenfest Lughnasad Erntedank Samhain Halloween Allerheiligen Jul Wintersonnwende

Jahreskreisfeste mit Kindern – „Lichtfest“

Meine spirituelle Suche hat mich über die Jahre dahin gebracht, was mich als Frau wirklich unterstützt, was mich in eine tiefe Verbindung mit mir, der Natur und dem Leben bringt. Die Jahreskreisfeste feiern den Charakter der Zeit. Zu Lichtfest ist das die kalte, klare, heller werdende Zeit.

Der Jahreskreis

Im Jahreskreis werden acht Feste über das Jahr verteilt gefeiert – wie die Speichen eines Rades. Heute möchte ich beginnen mit dem 

 – Lichtfest (auch Imbolc oder Lichtmess) am 1./2. Februar und wie wir es dieses Jahr gefeiert haben. Weitere Feste sind: 

 – Ostara (Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche, Ostern), ursprünglich am 21. März,

 – Beltane (Walpurgis, Tanz in den Mai) am 30. April auf den 1. Mai,

 – Sommersonnwende (Julfest, Johanni) am 21. Juli,

 – Schnitterinnenfest/ -zeit (Kräuterweih) in der Zeit vom 1. bis 15. August,

 – Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche/ Erntedank (Mabon), ursprünglich am 21. September,

 – Ahnengedenken (Halloween, Samhain, Allerheiligen, -seelen) am 31. Oktober/ 1. November und

 – Wintersonnwende/Weihnachten am 21./24.12. mit den Rauhnächten (21./24.12. bis zum Hollentag am 6.1.).

Was wir gestern und heute gemacht haben

Da mein Mann am Lichtfest-Termin Geburtstag hat, feiern wir es am Wochenende danach. Mit den Kindern schaue ich oft, was sich ergibt und oft machen wir keinen festen Plan. Ich spreche aber im Vorfeld mit meinem Mann und den Kindern durch, was wir machen wollen. Eine tolle Möglichkeit ist das 

Bauen und Gestalten von Schiffchen.

Mit meinem Sohn (mittlerweile fast 4 Jahre) habe ich vorher die klassischen Papierschiffchen gefaltet und bemalt. An dem Wochenende nach Lichtmess nehmen wir uns Zeit und schreiben gute Wünsche für das kommende Jahr auf. Die Schiffchen setzen wir dann auf einem Gewässer aus, z.B. dem Bach im Park. Auf dem Weg dahin werden oft Rinden, Moos, Gras, schöne Blätter, Früchte, kleine Steine etc. gesammelt und damit das Schiffchen ausstaffiert. Es ist lustig und spannend, wie die Schiffchen fahren, hängen bleiben, wieder befreit werden müssen und irgendwann unter Wasser sinken.

Umzug durchs Haus

Eine Tradition bei uns ist der Umzug durchs Haus. Dabei statten sich alle mit dem Musikinstrument aus, das sich transportieren und leicht spielen lässt. Das sind Trommeln, Klangstäbe, Rasseln, Flöte oder ein kleines Xylophon. Dabei singen wir „Hej so treiben wir den Winter aus“ und „Komm doch lieber Frühling“.

Reinigung und Segnung der Fenster und Türen

Bei dem Umzug durch das Haus ist es schön, die Haustür und einige Fenster mit Salzwasser abzuwaschen, dabei alle negativen Energien wegzuspülen und willkommene Gäste und Gedanken für das nächste Jahr ins Haus einzuladen.

Wer kann Jahreskreisfeste feiern?

Relativ gleich nach der Geburt meiner Tochter habe ich begonnen, Jahreskreisfeste mit ihr und meinem Mann zu feiern. Jahreskreisfeste können von allen Menschen gefeiert werden, die eine Rhythmisierung des Jahresverlaufes unterstützen wollen und Lust am Spielen und Ausprobieren haben. Sie geben dem Jahr eine regelmäßige Struktur. Sie verbinden uns mit der uralten Weisheit der Frauen und ihrem Wissen über die Zyklen des Lebens. Jahreskreisfeste ermutigen uns, selbst spielerisch die Qualität und den Charakter einer Jahreszeit zu feiern.

Freilernen

Freilernen – eine Alternative zur Schule?

Etwa zweimal im Jahr mache ich einen Termin mit der wirklich tollen Lehrerin meiner Tochter, um aktuelle Entwicklungen zu besprechen. Das heißt, was mir auf dem Herzen liegt und was sie so mit meiner Tochter erlebt hat. Das schafft eine Vertrauensbasis und verhindert Missverständnisse.

Was ich mir von der Schule erhofft habe

Angefangen habe ich das in der ersten Klasse. In einem meiner ersten Gespräche machte ich deutlich, dass für mich das Wichtigste ist, dass mein Kind für sich entdeckt, was sie gerne mag. Also dass sie in ihren individuellen Vorlieben bestärkt und gefördert wird, anderes kann „so nebenher laufen“. Die Lehrerin und ich waren uns da einig, dass das wichtig ist.

Wie es bisher lief

Zu Beginn erzählte mein Kind jeden Tag, was sie so gemacht hat in den einzelnen Stunden und wie es ihr gefallen hat. Ich habe sie auch tagtäglich danach gefragt. Mit der Zeit kamen von ihr immer weniger Berichte, was morgens vorgefallen ist – irgendwann in der zweiten Klassen waren wir bei einem monotonen: „Wie wars?“ „Gut“ angekommen. Es gefiel ihr weiterhin in der Schule. Nur jeden Tag diese vielen wechselnden Fächer und Eindrücke – ich hatte das Gefühl, irgendwann stumpfte sie ab. Nahm und nimmt hin, was ihr da „geboten“ wird, engagiert sich aber selbst innerlich immer weniger, einfach weil es auch zu viel ist: Nach nach zwei Stunden Hauptunterricht Rechnen, eine Stunde Englisch, eine Stunde Handarbeit und zwei Stunden Sport – mich würde der Wechsel mittlerweile kirre machen. Damals in der Schule habe ich es auch einfach hingenommen.

Wieso ich damit nicht ganz glücklich bin…

Eigentlich könnte ich damit ja zufrieden sein. Meine Tochter ist in ihrer Klasse integriert, ich habe einen guten Kontakt zur Lehrerin, die meine Tochter gut „sieht“ und mein Kind geht gerne in die Schule. Es gibt zwei Dinge, die mir missfallen.

1.Mein Anspruch ans Lernen

Mein Kriterium dafür, dass mein Kind gute Impulse erhält (z.B. im Kindergarten) war immer, wie sie die morgens erlebten Eindrücke auch zuhause nochmal aufgreift und verarbeitet. Hatte sie Lieder im Kindergarten gesungen, dann wurden sie zuhause auch mal geträllert. 

2.Mein Gefühl für mein Kind

Für einen guten Kontakt und gegenseitiges Verstehen brauche ich mindestens eine halbe Stunde am Tag mit meinem Kind, in der ich mich ganz auf sie einlasse. Kommt sie erst spät von der Schule, muss sie sich davon erstmal erholen. Da ich selbst dann eigene Tagesabläufe habe, wird die Zeit für gegenseitiges „Miteinander-Einschwingen“ verschwindend gering. So habe ich zunehmend das Gefühl, das Verständnis und den guten Kontakt, den wir seit unseren ersten Jahren miteinander haben, zu verlieren. Das macht mich oft unglaublich traurig.

Was „bringt“ die Schule? – Ein Zwischenstand

Letztens hatte ich wieder einen Termin – mein Kind ist nun in der vierten Klasse. Ich berichtete der Lehrerin, dass meine Tochter immer weniger von dem, was sie im Unterricht lernt, zuhause „weiterspielt“, aufgreift. Auch würde ich nicht sehen, dass sie ihre eigenen Stärken besonders verfolgen könnte. Die Lehrerin formuliert nun klar, dass die individuelle Förderung nicht das Konzept der Schule ist, sondern das gemeinsame, für alle (fast) gleiche Angebot von Inhalten. Individuelle Förderung – da müsste sie auf eine andere Schule.

Ist meine Tochter zuhause, verkriecht sie sich hinter Büchern. Immerhin das Lesen, das sie ja in der Schule gelernt hat, nimmt sie auf. Dennoch kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, dass sie das Lesen sowieso, auch ohne Schule gelernt hätte – einfach weil sie es brennend interessiert hat.

Sie hat Geigenstunden, spielt zuhause aber nie Geige, sondern klimpert dreimal am Tag auf dem Klavier herum. Warum? Weil in der Klasse ein Klavier steht. Dort spielen die Kinder in den Pausen herum und bringen sich gegenseitig „Für Elise“ bei. Deshalb „übt“ sie, damit sie in den Pausen spielen und anderen etwas „beibringen“ kann.

Manchmal bringt sie russische Verse und Worte mit nach Hause. Die Lehrerin mag sie und das Hörverstehen war schon immer eine Stärke von ihr. Unterhalten mit einem russischen Papa oder Frauen, die ich aus dem Upcyclingatelier Rostock kenne, kann und will sie sich aber auf keinen Fall.

Bei Englisch ist trotz vier Jahren wöchentlich zwei Stunden weder ein Klangverstehen noch Wortverstehen zu bemerken.

In Handarbeit wurde ihre Begeisterung am Anfang dadurch unterbrochen, dass sie anderen in der Klasse helfen sollte, weil sie so schnell war. Mittlerweile ist sehr langsam und hat wenig Lust auf das Fach.

Sie kann Lesen, Schreiben, Rechnen, alles so, wie ihr es in der Schule vermittelt wurde. Ein eigenes Schriftbild wurde nicht gefördert – Ziel war es, die Buchstaben GENAUSO wie im Schreibheft vorgeschrieben, nachzumalen.

Die Hausaufgaben sind total im Rahmen – sie kann sie selbständig machen und denkt auch selbst daran – es gibt sie nur Dienstags und sie müssen bis Freitag erledigt werden.

Alles in allem kein Grund zur Sorge. Aber…?

Meine eigene Erfahrung und der Stand der Lehr-Lernforschung

Vielen Kindern geht es nicht so gut in der Schule – wie die Berichte von Freilernern zeigen. Hier haben Eltern sich auf den Weg gemacht und ermöglichen ihren Kindern, wenn diese nicht in die Schule gehen wollen, einen eigenen Lernweg. Da es in  Deutschland die Schulpflicht gibt, müssen damit Bußgelder, Gefängnisandrohung, der Entzug der Kinder oder der Wegzug aus Deutschland in Kauf genommen werden.

Bekannte Vertreter der Freilernenden sind zum Beispiel Arno Stern, dessen Sohn André ohne Schule aufwuchs und lernte. Oder der „Mitananda-H.O.F.“ In Österreich, in der eine Familie trotz vorgeschriebener jährlicher Prüfungen ihren Kindern selbstbestimmtes Lernen ermöglicht.

Und hier habe ich die schlüssige Antwort gefunden, wie individuelles Lernen „vom Kinde aus“ umgesetzt werden kann.

Was die Lehr-Lernforschung schon seit Jahrzehnten formuliert:

  • Lernen ist ein Nebenprodukt von Spielen

Wenn ich spiele, bin ich ganz. Und werde automatisch das lernen, was ich brauche. Das zeigt sich am Laufenlernen, Muttersprache lernen etc. Die in der Lehrplänen geforderten Kompetenzen oder das Wissen sind also Nebenprodukte davon, dass ich tue, was mich interessiert, weshalb ich es immer öfter tue. 

  • Wenn mich etwas interessiert, tue ich es immer öfter

Wenn ich etwas gerne tue, wird es „geübt“. Spielerisches Üben ist allerdings nicht mit einem gezielten Üben zu vergleichen. Spielerisches Üben ist gleichzeitig variieren und bei nachlassendem Interesse wird es beendet. Um später wieder aufgenommen zu werden, wenn die Lust wieder da oder die Langeweile zu groß ist.

  •  Kinder wollen dazu gehören

Kinder tun nichts gegen jemanden, sondern aus eigenen Impulsen heraus. Sie passen sich an ihre Umgebung an. Wir als Erwachsene tun gut daran, ihre Impulse aufzunehmen und nur da einzuschränken, wo sie (lebens-)gefährlich sind oder unsere eigene Grenze überschreiten.

Freilernen – eine Alternative für uns?

Leider sind die Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Lernen von zuhause aus mit vielen Lernorten, die es heute schon gibt, rechtlich mit großen Hürden verbunden. Dennoch gibt es Möglichkeiten und Wege (www.freilerner-kompass.de). Ich bin begeistert und inspiriert, welche tollen Menschen sich selbstbestimmt auf den Weg gemacht haben.

Meine Tochter möchte gerne in der Schule bleiben. Und wer bin ich, dass ihr das verbiete? (Auch wenn sie sich keine Altnative vorstellen kann). Was mir aktuell vorschwebt, ist eine Art „blended learning“, um wieder mehr in Kontakt mit meinem Kind zu kommen und ihre Selbstbestimmung zu fördern. Für mein kleines Kind kann ich mir das Freilernen vorstellen. Mittlerweile gibt es aber auch in Rostock schon eine Schulneugründung mit einem pädagogischen Konzept, das am individuellen Lernen des Kindes ansetzt und Lernwerkstätten anbietet (www.naturraumschule.de). Nicht ganz Freilernen, aber vielleicht in unserem Fall eine Möglichkeit.

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Dr. Simone Lang
Blog zum Thema Schreibaby und Lernen

In meinem Blog geht es vor allem um die Baby- und Kleinkindzeit.
Nach der Geburt meines ersten Kindes fühlte ich mich trotz pädagogischer Ausbildung auf mich alleine gestellt. Über die Erfahrungen zum Thema Schreikind schreibe ich nun im Blog und habe sie außerdem in einem Buch aufgearbeitet.
Du möchtest eine schnelle Hilfe für konkrete Handlungssituationen?
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  • Während meiner Ausbildung habe ich eine Menge Theorie vermittelt bekommen. Leider war die wenig mit der Praxis verknüpft. Ich habe mich gefragt:
    Wie können diese gut klingenden, pädagogischen Leitlinien oder Begriffe wie „Erziehung vom Kinde aus“ in konkreten Handlungssituationen umgesetzt werden? Zum Beispiel: Welche Lernräume braucht es, damit mein Kind in ein freies Spiel kommen kann?
  • Wo liegen die Schwierigkeiten im Detail? Zum Beispiel: Wie sieht Beziehungsorientierung aus, wenn meine jüngeres Kind nicht Zähne putzen will
  • Welche Lösungen haben wir in unserer Familie gefunden und welche Unterstützung haben wir uns gesucht?
    Du möchtest, dass sich deine Kinder weniger streiten? Dann können dir kooperative Spiele helfen.
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Familienpraxis Dr. Simone Lang

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