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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Mein Blog

An die eigene Grenze der Belastbarkeit kommen

Wenn mir der Geduldsfaden reißt …

Gestern war es mal wieder so weit – eine Situation eskaliert: Vor dem Essen legt der Kleine (3 Jahre) seine vom Barfußlaufen dreckigen Füße auf den Tisch. Der Papa rastet aus und schiebt ihn vom Essen weg. Ich meine zu dem Kleinen, er soll bitte mit nach oben ins Badezimmer zum Füßewaschen kommen.

Das ganze hat natürlich noch eine Vorgeschichte: Der Kleine war mit Schwester und Papa unterwegs, sie kamen zurück und die beiden schimpften mit ihm. Er war mit Fahrrad vom Spielplatz alleine nach Hause gefahren und hatte nicht, wie abgesprochen, gewartet. Keine guten Voraussetzungen für ein Abendessen, zumal der Kleine sowieso nicht gerne sitzen bleibt. 

Beim Essen habe ich schon sehr gerne meine Ruhe… Eigentlich hatte ich keine Lust, mir mein Essen verderben zu lassen, auf Streiterei am Tisch hatte ich aber noch weniger Lust – so oder so: es war klar, das mit dem ruhigen Essen wird nichts. So beendete ich voreilig mein Essen, um mein kleines Kind endlich in eine Umgebung zu bringen, in der er zu sich kommen kann. 

Eines der Dinge, die ich als Mama eines Schreibabys sehr schnell lernen musste, war, vorausschauend zu handeln: jetzt noch entspannt, konnte die Situation von jetzt auf nachher kippen. So handhabe ich das noch heute: der Kleine wird „aggressiv“ – aha, er musste bisher immer nur „mitlaufen“ und hatte selbst noch keine Umgebung, in der er selbstbestimmt in seinen „Flow“ kommt. So handhabe ich das „eigentlich“ – außer ich bin selbst am Ende meiner Geduld angelangt…

Der Kleine war unerlaubterweise schon aufgestanden und hatte sich in der Hängematte verkrochen. Nachdem ich meinen Teller weggetragen hatte, meinte ich zu ihm nocheinmal, er solle bitte zum Füßewaschen mit nach oben kommen. Er kam natürlich nicht – das war gerade nicht seine Stimmung – zu machen, was andere von ihm wollen. Hatte er ja die ganze Zeit schon von Papa und der Schwester zu hören bekommen. Für ihn war Zeit für Selbstbestimmung.

Da platzte mir sowas von der Kragen. Die Weigerung mitzuhelfen, machte mich so wütend, dass ich nicht mehr denken konnte. So lange üben wir jetzt schon eine entspannte Essenssituation. Für ihn machen wir beim Essen möglichst einen ganz klaren Anfang und ein klares Ende, damit er Struktur und Orientierung hatte. Und genau, wenn wir alle mal dringend aufatmen müssen, macht er – in diesen Momenten gefühlt „immer“ – etwas, das er nicht soll. In dem Fall, einfach vom Essen aufzustehen.

Ich konnte nicht anders. Ich schritt auf ihn zu – mit aufgerissenen Augen fing er schonmal an zu heulen – und rief: „Nein, Mama, nein“. In mir gibt es dann einen inneren Anteil, da finde ich das ganz furchtbar, dass ich das Kind so in Angst und Schrecken vor mir sehe. Dieses Mitleid kommt dann aber nicht an die Oberfläche. Stattdessen packte ich ihn und riss ihm seine kleinen Händchen von der Hängematte weg. Ich schnappte ihn mir aus der Hängematte (sagte ihm zumindest noch vorher, dass ich ihn jetzt hoch nehme ;-)), und schleppte ihn heulend unter dem Arm nach oben ins Badezimmer. 

Ich bin nicht stolz auf solche Aktionen. Es zeigt mir deutlich meine Grenzen auf, und meinem Kind, dass ich nicht immer voll Geduld und ihm zugewandt sein kann. Darf ich das? Nein, natürlich nicht. Tue ich ihm weh? Ja, und in dem Moment bin ich extra grob – weil es mir egal ist. Früher wurden die Kinder dann übers Knie gelegt und verprügelt – ist das bei mir etwas anderes? Was würde ich tun, wenn ich diese Grenze überschreiten würde, weil ich es nicht besser weiß? Weil ich nicht aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr eine kleine Kinderseele daran Schaden nehmen kann? Glücklicherweise habe ich diese Erfahrungen gemacht und habe das Wissen, um da eine ganz klare Grenze ziehen zu können. Und im Zweifelsfall aus der Situation gehen kann.

Im Badezimmer stellte ich ihn in die Wanne, drückte ihm den Duschkopf in die Hand, holte die Seife und begann die Fußsohlen abzurubbeln. Er hüpfte davon, das Wasser war erst viel zu heiß. Ja – meine Feinfühligkeit ist in diesen Momenten im Urlaub… Dennoch trat ab da ein Effekt ein, auf den ich gehofft hatte – die Entspannung der Badewanne. Langsam schaltete sich mein Denken wieder ein. Aus dem Fußbad machte ich gleich ein Vollbad. Entschleunigung war angesagt.

Badewanne ist ein todsicherer Lernort, der immer geht. Und ich merkte, wie ich selbst in dieser Umgebung begann, aufzuatmen. Mir wurde bewusst, wie gestresst ich selbst bin und dass ich bis dahin an diesem Tag keine schöne Spielzeit mit meinem Kleinen hatte. Und ich machte etwas, was ich ebenfalls während der „Schreibabyzeit“ gelernt habe: Ich nahm mir einfach eine halbe Stunde Zeit, „nichts“ zu tun, als „nur“ da zu sein.

Und sofort entspannte sich die Situation, die Stimmung unser Verhältnis. Der Kleine begann zu waschen, zu wischen, einzufüllen – mit dem Duschkopf, der Seife, mit einer alten Duschgelverpackung und vor allem: viel Wasser.

Als der Papa und die Schwester später ins Bad kamen, meinte ich, ob sie uns bitte eine Zeit noch alleine lassen können. Ein kleiner heil(ig)er Raum entspannte sich dort im Waschraum, zwischen uns, in uns selbst. Der Kleine wollte dann Haare waschen, später eine Stehleiter im Wasser haben, um die Fenster mit dem Schwamm wischen zu können. Und ich saß dabei, war ansprechbar, aber nicht initiativ. Und genoss unser Beisammensein.

Fahrrad fahren - Tandem, Laufrad, Stützräder

Radfahren lernen – Vorstufen und Erleichterungen

Es ist wie beim Arzt. Wir gehen zur Ärztin, wenn wir selbst nicht mehr weiterwissen, bekommen ein Medikament. Und dann? Heilt unser Körper selbst. 

Ebenso beim Lernen und Lehren: In der Schule setzen die Lehrkräfte Impulse. Die Hauptaufgabe, das Lernen, wird von den Kindern selbst gemacht. Und gelernt wird oft etwas anderes, als die Lehrinhalte: still sitzen beim Zuhören, Anweisungen befolgen, sich an ein Zeitraster halten, sich freuen, etwas probieren, scheitern, sich darüber ärgern, getadelt werden, ermuntert werden, es wieder probieren etc.

Das heißt, Kinder bringen sich alles selbst bei, und zwar dann, wenn es sie interessiert oder wenn sie dazu gezwungen werden. Dabei ist der erste Weg der zufriedenstellendere, weil sich die Kinder selbst als Menschen, die sie sind, ausdrücken dürfen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem Radfahren zu beginnen? 

Zunächst genügt es, ein kleines Fahrrad in Sichtweite des Kindes zu haben, z.B. in der Wohnung (Reifen abputzen), auf der Terrasse oder beim Spielen immer mal mit zu nehmen. Wenn das Kind von sich aus Interesse signalisiert, wird es selbst beginnen. Eltern brauchen lediglich Zeit, um zur Verfügung zu stehen. 

Die größte Schwierigkeit für uns Eltern besteht darin, das Fahrrad zwar anzuschaffen, weil wir das Kind so einschätzen, dass es soweit ist, aber keine Erwartung entwickeln, wann und wie das Radfahren losgeht. (Oft wird das Rad ja als Geschenk von Oma und Opa besorgt, die dann am liebsten gleich das Kind darauf fahren sehen wollen.) Das heißt, mit der Anschaffung des Fahrrades ist oft ein Erwartungsdruck auf das Kind verknüpft, das die eigene Motivation überlagert. Das ist deshalb kritisch, weil das Kind mit Freude und ausdauernder lernt, wenn es das aus sich heraus zu tut und nicht weil andere das möchten.

Es lohnt sich, ein möglichst kleines und leichtes Fahrrad zu besorgen (das kleinste und leichteste, das zu finden ist – es ist unglaublich wichtig, dass der Anfang als spannend, aber nicht als Überforderung erlebt wird. )

Jeder Anfang ist anders

Bei meinem Kind hatten wir das Rad unter dem Schuppen stehen. Zunächst interessierte er sich wenig für sein Geburtstagsgeschenk. Im Sommer setzte er sich dann ab und zu darauf und entdeckte, dass der Ständer ihn nicht hielt, wenn er im Sand steckte: Er kippte um. Daraufhin heulte und schimpfte er und forderte uns auf, dass wir ihn halten sollen, was wir taten. 

Ab dann begann für ihn ein „Moped-Spiel“: Er setzte sich auf das Fahrrad mit Ständer und brummte und riss den Lenker hin und her, da er in seiner Vorstellung Motorrad fuhr. 

Dann kippte er zu der Seite um, auf der kein Ständer war. Wieder Heulen und Meckern auf den Schreck. Ab dann wurde er vorsichtiger mit dem Aufsitzen und sicherte sich mehr auf beide Seiten ab – der nächste Lernschritt.

Nach vielen eigenen Schiebe- und Aufsitzübungen auf der Terrasse fragte er mich, ob wir zusammen Moped fahren könnten. Ab dann gingen wir auf die Spielstraße vorm Haus.

Wo kannst du ein kleines Fahrrad in der Umgebung deines Kindes abstellen, so dass es bei Interesse Zugriff darauf hat?

Vorstufen und Erleichterungen

Zunächst kommen Kinder häufig auf die Idee, sich in einer Bewegung auszuprobieren, weil sie etwas bei anderen sehen und es sie interessiert. 

Die beste Erfindung der letzten Jahrzehnte war das Laufrad. Hier können Kinder das Gleichgewicht in Kombination mit dem Lenken lernen ohne Treten zu müssen. Es bietet sich an, ein Laufrad mit einer Abstellmöglichkeit für die Füße anzuschaffen, da in fortgeschrittenem Stadium die Kinder Freude daran haben, die Füße abzustellen und „freifüßig“ zu rollen.

Laufrad

Es lohnt sich, für den Beginn ein kleines Laufrad und später ein großes Laufrad zu besorgen, denn in der Anfangszeit des Radfahrens. Es verschafft uns als Erwachsene eine größere Sicherheit und Flexibilität. Wenn es mal schnell gehen muss, dann geht ein großes Laufrad schneller als ein Kind, das noch unsicher Rad fährt.

Tandem

Ebenfalls empfehlen kann ich ein Eltern-Kind-Tandem, das es gebraucht günstig gibt und einen hohen Wiederverkaufswert hat. Das Kind sitzt vor der Erwachsenen auf einem niedrigeren Sattel und wird „mitgelenkt“. Dadurch erfährt es das Radfahren passiv und lernt Bewegung, nach vorne sehen und Verkehrssituation intuitiv. Es ist wiederum eine Möglichkeit für uns Eltern, flexibel mit dem Rad unterwegs zu sein.

Welche Möglichkeiten hast du, um deinem Kind das regelmäßige Fahren mit dem Laufrad zu ermöglichen?

Wie sieht es mit Stützrädern aus?

Stützräder waren ein beliebter Zwischenschritt bevor es die Laufräder gab. Generell gilt:

  • Alles was Freude macht, ist erlaubt.
  • Jede Bewegungserfahrung ist eine Lernmöglichkeit.

Stützräder können eine schöne Möglichkeit sein, dem Kind das Lenken und Fahren zu ermöglichen. 

Sie sind ebenfalls ein Zwischenschritt vor dem freien Radfahren. Im Gegensatz zum Laufrad sind Stützräder weniger wirksam, so zeigt die Erfahrung. Beim Laufrad wird schon das freie Fahren in Momenten des Abstellens der Füße geübt wird, was beim freien Fahren ein zentraler Punkt ist.

Das Kind bringt sich selbst das Radfahren bei - wir Eltern können nur begleiten.

Das ganze bisherige Leben haben sich Kinder selbst beigebracht, sich zu bewegen. Krabbeln, Laufen, auf einem Rollfahrzeug fahren, balancieren, klettern, rutschen, schaukeln, rennen hüpfen, Sachen herunterheben, einräumen, herumschieben, Stifte halten, Löffel halten etc. 

Als Eltern gehen wir von der irrigen Annahme aus, wir könnten unseren Kindern etwas „beibringen“. Wir können unser Erfahrungswissen versuchen mitzuteilen. Der größte Anteil des Lernprozesses, den Hauptanteil, machen die Kinder und wir dürfen unterstützend und staunend daran Anteil haben.

Siehe auch: 4 Tipps, um sicher Radfahren zu lernen

Fahrrad fahren lernen helfen

4 Tipps, um sicher Radfahren zu lernen

Unsere Vorstellungen von dem, wie wir unseren Kindern etwas beibringen wollen, sind meistens wenig hilfreich. 

Am Beispiel Radfahren: Wie oft sehen wir Eltern, die auf ihre Kinder einreden? Sie reden auf ein Kind ein, das in höchster Konzentration alles gleichzeitig versucht: zuhören, Gleichgewicht halten, lenken, beim fast Umfallen schnell den Fuß von der Pedale nehmen, weinen, weil das Gefühl des Sturzes so erschreckend war, sich wieder zusammenreißen, wieder zuhören, wie es richtig sein soll, etc.

KINDER LERNEN BEWEGUNGEN NICHT, WEIL WIR IHNEN UNSERE ERFAHREN SAGEN, SONDERN NUR DURCH EIGENE ERFAHRUNGEN!

Bin ich als Hilfestellung bereit?

Beim Laufen lernen wissen wir, dass wir die Kinder nicht dazu bringen, schneller oder besser laufen zu lernen, indem wir sie an der Hand nach vorne ziehen, im Gegenteil.

Glücklicherweise hat sich beim Laufenlernen mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass es wenig sinnvoll ist, das Kind auf die Beine zu stellen und zum Laufen zu ermuntern. Vielmehr hat sich die Erkenntnis bei Eltern flächendeckend durchgesetzt, dass

1.Kinder ihr eigenes Tempo haben. 

=> Das heißt, Eltern warten und beobachten, wann das Kind bereit ist, sich selbst auf die eigenen Beine zu stellen.

2.Kinder ihre eigenen Methoden finden, sich aufzurichten.

=> Das heißt, Eltern stellen Bewegungsräume zur Verfügung, z.B. indem es im Wohnzimmer Sofa oder Stühle gibt als Möglichkeiten, sich hochzuziehen.

3.Kinder, die überfordert sind, nach ihren Eltern rufen. 

=> Das heißt, Eltern stehen zur Verfügung, wenn ein Kind Hilfe braucht und reagieren auf die Rückmeldung ihrer Kinder, welche Hilfen sie brauchen.

Diese Erkenntnis lässt sich genau so auf alle anderen Bewegungsfelder übertragen, sei es Schwimmen, Radfahren oder Sportarten zu lernen.

KINDER BRAUCHEN ERWACHSENE, DIE SIE BEGLEITEN UND ZUR VERFÜGUNG STEHEN, WENN SIE GEBRAUCHT WERDEN.

Wenn das Kind dann auf dem Fahrrad vorwärts kommen möchte, ist die Frage, wie wir dabei unterstützen können. Dabei müssen wir uns selbst einschätzen: Welche Hilfen können wir geben? Welche überfordern uns?

  • Wie beweglich bin ich? Kann ich mitrennen und gleichzeitig eine Gleichgewichtshilfe sein?
  • Wie vertrauensvoll oder ängstlich bin ich?

Tipp 1: Höre auf zu reden

Bewegungslernen geht im Gehirn nicht über die sprachliche Ebene, sondern über das Kleinhirn. Deshalb ist es für dein Kind eine zusätzliche Belastung, wenn du Anweisungen gibst. Und auch du kannst dich besser auf deine Unterstützungsarbeit konzentrieren, wenn du nicht selbst reden musst.

Tipp 2: Der Start ist bergab leichter

Ich meine dabei einen leicht abfallenden Weg und keinen steilen Berg. Wenn wir leicht bergab starten, muss nicht sofort die Pedale getreten werden, was eine Hilfe darstellt. 

Tipp 3: Stützgriff am Sattel

Der Moment des Losfahrens ist ein schwieriger Balanceakt. Die erste Hilfe, die wir geben können, ist beim Aufstieg. Zunächst kann der Lenker vorne und der Sattel hinten gehalten werden, so dass das Kind aufsteigen kann. Hat das Kind viele Laufraderfahrungen gesammelt, kann der Lenker ab dann losgelassen werden und nur der Sattel hinten gehalten werden. 

Die ersten Versuche werden nur eine kurze Fahrzeit haben. Wenn das Kind auf eine Seite abfällt, wird es den Fuß abstellen – einer der wichtigsten Lernschritte: Wie sichere ich mich ab, wenn ich umkippe!

Hier wird klar, weshalb ein kleines, leichtes Rädchen, bei dem das Kind mit beiden Beinen auf den Boden kommt, so wichtig ist. Der Moment der Unsicherheit und das damit verbundene Gefühl der Verunsicherung sind dann nur kurz. 

Tipp 4: Das Kind führt

Für uns Eltern mag es zunächst komisch sein, dass wir uns von unserem Kind führen lassen. Es ist wie beim Paartanz und dein Kind führt und du gehst mit. 

  • Wenn das Rad ins Rollen kommt, wird eine Schwierigkeit das Lenken sein. Der Lenker kann sich quer stellen und das Kind muss absteigen. Oder es bekommt den Lenker in den Griff und wackelt hin und her. Hier kannst du am Sattel ein wenig ausgleichen, wenn du meinst, dass es dem Kind Sicherheit gibt.
  • Das Kind wird vermutlich nicht gleich nach vorne schauen, erst einmal in die Hecke oder auf das Nachbargrundstück fahren und von der geraden Wegführung abweichen. Greife nur ein, wenn es absolut notwendig ist, aber gib deinem Kind das Gefühl, da zu sein, wenn es dich braucht. Das geht körperlich, indem du immer mitläufst.
  • Vielleicht möchte dein Kind gar nicht zuerst geradeausfahren, sondern entwickelt Spaß am Kurven fahren?  Eventuell will es einen Schritt zurück und wieder einfach nur aufsteigen, absteigen oder das Rad schieben? Alles ist stimmig und passend, wie dein Kind mit dem Rad ins eigene Spiel kommt – welches Spiel das auch sein mag.
  • Signalisiert dein Kind, dass es genug hat, dann hört auf.
  • Vielleicht möchte dein Kind dann bald wieder etwas mit dem Fahrrad machen? Lernprozesse sind meistens nicht linear, sondern entwickeln sich zyklisch. Das heißt, Dinge, die als freudvoll erlebt wurden, auf die wird wieder zurückgegriffen. Nach dem Aufsteigen muss nicht zwangsweise gefahren werden, es kann auch wieder abgestiegen und das Fahrrad geputzt werden, weil das gestern so Spaß gemacht hat.
  • Es kann sein, dass dein Kind eine Sache immer und immer wieder machen möchte.
  • Fährt dein Kind gerade aus, dann renne mit dem Sattelgriff mit. Lasse niemals los, ohne es deinem Kind zu sagen. Lasse niemals los, wenn es dein Kind nicht möchte – du verlierst das Vertrauen deinen Kindes, etwas was es unbedingt in einer unsicheren Situation des Neulernens braucht.

DU BIST DIE SICHERE BASIS DEINES KINDES!

Siehe auch: Radfahren lernen – Vorstufen und Erleichterungen

Schreibaby Bindung Beruhigung

Schreibaby – Was schnell hilft und was langfristig

Du suchst schnelle Hilfe, um dein untröstlich weinendes Baby zum Einschlafen zu bringen? In diesem Beitrag verrate ich dir, was dir helfen kann, dein Baby schnell zu beruhigen und was langfristig zu mehr Entspannung in eurem Alltag führt.

Schnell wirksame Strategien: Beruhigung

Mittlerweile gibt es einige Materialien, die uns Müttern das Schaukeln, Wiegen und beruhigende Geräusche abnehmen. Dabei haben sich bei vielen Mamas die Federwiege, der Pezziball in Kombination mit einer Trage und eine App oder dein Stofftier mit gleichmäßig rauschenden Geräuschen bewährt.

Die Federwiege

Ich persönlich musste vor fast zehn Jahren noch auf den Stubenwagen zurückgreifen und stundenlang in Handarbeit das Kind hin und her fahren 😉 . Heute nutzen die viele Eltern eine Federwiege mit Motor. Stahlfedern über der Babyhängematte werden durch einen Motor in Schwingung versetzt, so dass die Hängematte auf und ab „dopst“. Je nach Gewicht werden mehr oder weniger Federn eingehängt. Über eine Regelung kann die Dauer und Intensität der Schwingung eingestellt werden. 

Firmen wie Swing to sleep, Wunderwiege oder Nonomo haben Federwiegen mit Motor im Angebot. Kaufen oder Leihen ist möglich. Ein besonderer Tipp dazu: Kaufst du die Einzelteile (Hängematte, Motor, Gestell) alleine kannst du Geld sparen. Die Hängematte selbst kann als Netz oder aus Baumwolle gewählt und an der Decke oder im Türrahmen angebracht werden.

Willst du wissen, wie Mamas die Federwiege in ihren Alltag integrieren? Dann lade dir hier Erfahrungsberichte herunter und wie du mögliche Probleme mit der Wiege vermeidest, z.B. ob das Durchschlafen in der Federwiege gefährlich ist.

Der Pezziball in Kombination mit einer Trage

Eine erprobte Strategie, die oft funktioniert ist eine Kombination aus deinem liebsten Tragesystem und einem Pezziball, auf den du dich setzen kannst. Auch bei mir war es eine sichere Möglichkeit, meiner Tochter in den Schlaf zu entspannen. Half nichts mehr, packte ich sie in das Tragetuch und setzte mich mit ihr auf einen großen Pezziball. Das Auf- und Abhüpfen war gerade im Alter von 5/6 Monaten eine starke Bewegung, die sie mochte. Das Hüpfen konnte dann immer weniger werden und so war mir möglich, mich mit anderen zu unterhalten oder mich umzusetzen, um den Rücken zu entlasten.

Das Tragetuch und später auch noch ein Tragsystem waren auf Reisen und unterwegs immer dabei, weil das eben so sicher funktionierte. Bei meinem zweiten Kind waren die Tragesysteme weiter ausgereift, sodass auch mein Mann ein passendes fand. Bei dem zweiten (Nicht-Schreikind) absolvierten wir täglich Kilometer mit dem Tragen im Tuch und System.

Apps oder Tierchen mit monotonen Geräuschen

Da Babys sich über monotone Geräusche beruhigen lassen, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern, die verschiedene Geräusche in Dauerschleife  mittels einer App für das Handy anbieten. Das Baby mag den Fön, aber den Staubsauger nicht? Es schläft gut bei laufender Waschmaschine ein? Neben Apps mit Mehrern Geräuschen zur Auswahl, gibt es auch Apps mit genau dem richtigen Geräusch. Diese Vielfalt ist im Gegensatz zu Tierchen mit Mutterleibsgeräuschen ein großer Vorteil. Nachteil ist natürlich, dass die Handystrahlung neben dem Kind ist.

• Beispiele: Baby Schlaf, Weißes Rauschen

Es gibt neben diversen Apps auch Tierchen, die eine solche Funktion erfüllen. Sie vermeiden, dass die Handystrahlung den Körper des Kindes belastet. Die Tierchen haben oft ein Repertoire an Geräuschen, z.B. Geräusche des Mutterleibs (Rauschen der Blutgefäße und Herzschlag), Staubsauger, Radiorauschen, Regen etc.

• Beispiele: My Hummy, DooDoo

Nachhaltig wirksame Strategien: Bedürfnisse erkennen

Das Babyweinen hat immer einen Grund. Manchmal können wir helfen, manchmal (viel öfter!) bleiben wir außen vor und können „nur“ Da-Sein, wenn unser Kind untröstlich weint. Dennoch spürt das Kind immer deine Anwesenheit und wird es dir (irgendwann auch fühlbar) mit vertrauensvoller Zuwendung danken. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, was sich langfristig für euren Bindungsaufbau auszahlt.

Emotionelle erste Hilfe

Vielleicht hast du dir eine schöne Geburtssituation ausgemalt und dann ist alles ganz anders gekommen. Für dein Baby möchtest du nur das Beste, und doch weint es so oft und lässt sich nicht trösten. Viele Babys machen gerade in den sensiblen Phasen von Schwangerschaft, Geburt und ersten Lebenswochen Erfahrungen, die sie nicht ertragen können. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass unser Baby ein oder mehrere Erlebnisse hatte, die es nicht verkraften konnte. Und möchte davon erzählen und zugehört bekommen. Dann ist jeder Beruhigungsversuch einfach kontraproduktiv! Dann hilft nur: Zuhören. Ganz bei sich selbst bleiben und alle Qual und alle Not des Kindes teilen, eventuell sogar mitweinen. Dann erst fühlt sich das Baby gehört und bekommt die Botschaft: Du bist gut, so wie du bist, mit all deinen negativen und positiven Erfahrungen. Du darfst dich entscheiden, wann du dich beruhigen möchtest. In der Ersten Emotionellen Hilfe (EEH) werden genau solche Erfahrungen – kindliche und elterliche – aufgedeckt und die Begleitung des untröstlichen Weinens mit Unterstützung einer Therapeutin geübt.

Abhalten

Wir wollen unsere Betten und Wohnungen möglichst rein halten und haben dafür die tolle Erfindung der (Stoff-) Windeln. Dies verführt dazu, dass wir den Rhythmus der Ausscheidungen des Kindes nicht mehr beobachten. Gerade nachts kann es sein, dass ein Baby sich einfach nicht selbst bekleckern möchte und das Abhalten über Töpfchen, Badewanne oder Waschbecken die Erleichterung bringt, die es braucht. Babys haben zunächst, bevor wir es ihnen abtrainieren einen Reflex, sich selbst nicht beschmutzen zu wollen. So machen viele Neugeborene dann erst ihr Geschäft, wenn sie auf der Wickelkommode ihre Windel ausgezogen bekommen. Dies zu unterstützen hilft zum einen, das Baby noch besser zu beobachten und zu verstehen, zum anderen wird es auch viel schneller trocken. Ein Tipp: Das Baby nach dem Windeln ausziehen fünf Minuten über ein Töpchen etc. halten. Schnell wird das Kind mit dem großen Geschäft auf die Wickelzeit warten, wenn sie regelmäßig angeboten wird.

Meine Bedürfnisse – deine Bedürfnisse

Damit du deinem Baby bestmöglich helfen kannst, beobachtest du Feinzeichen, schützt es vor Überreizung und tust alles, um dem Weinen vorzubeugen. (Hier kannst du dir die Checkliste der Grundbedürfnisse für dein Baby herunterladen). Ebenso wie unser Kind haben auch wir Hunger, Durst, brauchen Ruhe und Entspannung, wollen etwas Neues lernen oder das Bedürfnis nach Zuwendung. Je jünger das Kind ist, umso mehr müssen wir als Mütter unsere eigenen Bedürfnisse hinten an stellen. Je älter das Kind, umso mehr können wir wieder unsere Bedürfnisse einfordern. Um sich selbst erst und die eigenen Bedürfnisse einmal wieder wahrnehmen zu lernen, helfen Körperübungen. Dabei hilft es schon, einfach unseren Atem, bzw. verschiedene Körperstellen und deren Anspannung/ Entspannung über einen Zeitraum weniger Minuten zu beobachten. Nicht nur die Bedürfnisse des Baby, auch deine Bedürfnisse dürfen und müssen je älter das Kind eine immer größere Rolle spielen. Du bist wichtig!

#Schreibaby #Beruhigungsstrategien #Abhalten #Emotionelle erste Hilfe

Eltern sein: die Herausforderung des mental Road

Eltern als Team

„Heute ist Mama zuständig.“ Mein Sohn (3 Jahre) umarmt mich an den Knien und schaut zu mir auf. Dass wir das so klar bekommen haben, wer wann zuständig ist, Papa oder Mama, hat über zwei Jahre gedauert.

Drei Jahre nach der Geburt läuft meine Anrechnung der Kinderbetreuung auf die Rente ab. Das heißt, ich muss mich selbst um meine Altersvorsorge kümmern. Das heißt, mein Partner und ich versuchen, sowohl die Elternarbeit als auch die Erwerbsarbeit zu teilen. Dabei liegt die Tücke im Detail.

Geteilte Arbeitsaufgaben 

  • Aufgaben, die regelmäßig anfallen: Hausarbeit: Putzen, Kochen, Essen einkaufen, Essen planen, Abspülen, Spülmaschine ein- und ausfüllen, Waschen, Aufhängen, Einräumen, Aufräumen verschiedener Zimmer, Erziehungsaufgaben planen und reflektieren: Zähneputzen lehren/ betreuen, Schulaufgaben betreuen, einer Erwerbsarbeit nachgehen, zur Arbeitsstätte und zurückkommen, alle Arbeitsaufgaben organisieren, …
  • Aufgaben, die ab und zu anfallen:

Steuer, Rechnungen begleichen, Auto/ Fahrzeuge warten, Fotos sichern, bestellen, einräumen, Kinderkleidung durchschauen, einkaufen, eigene Kleidung einkaufen, Kinderkleidung entsorgen, Glasabfall entsorgen, Geschenke und Geburtstage organisieren, Gartenarbeit, Spielgeräte und passende Möbel für Kinder planen und kaufen, Urlaub/ Ausflüge planen, vorbereiten, umsetzen, …

Woran wir scheitern

Mein Mann und ich sind regelmäßig von der Fülle der Aufgaben überfordert. Vieles „drücken wir weg“ – wie mein Mann sagen würde, z.B. arbeitet er zurzeit seine Fortbildung auf, wenn er nicht schlafen kann, und ich organisiere den Arbeitsplatz meiner Tochter für das wieder begonnene Homeschooling ebenfalls nachts, wenn ich wach liege. 

Oft mache ich auch nachts oder in „Ruhephasen“, wenn ich eigentlich schlafen will, die Organisations- und Planungsarbeit, sei es für das im Garten neue Spielgerät, den Kleiderkauf für meine Tochter per Computer oder die nächsten Schritte, wie wir den Kleinen unterstützen können, dass er mit Esssituationen besser klarkommt. Das ist nicht schön, bekommen wir aber mit den kleinen Kindern nicht anders hin, da die Aufgaben immer „zuviel“ scheinen. Und wir die Zeit mit Kindern nicht damit füllen wollen.

Wie wir unsere Arbeitsteilung organisieren

  •  Das, was wir gerne machen, ist ausschlaggebend für die Zuordnung der Aufgaben: herausbekommen haben wir das nur durch Ausprobieren. Zum Beispiel macht es meinem Mann wenig aus zu kochen, ich übernehme das Ausmisten und Gestalten der Zimmer, weil mir Ordnung hilft.
  • Haushalts- und Erziehungsaufgaben haben wir aufgelistet (siehe oben) und die Zeit berechnet (heruntergerechnet auf Zeit pro Tag) und verändern das, wenn sich eine Person nicht mehr gut damit fühlt. Zum Beispiel übernehme ich eher die Planungs- und Erziehungsaufgaben: wie die Gesamtplanung an unserem Whiteboard oder die emotionale Begleitung der Kinder, er die Routinearbeit wie Waschen, aufhängen und in den Schrank einräumen.
  • Wir haben beide halbe Stellen, egal welches Einkommen und haben deshalb Prioritäten gesetzt. Um die Familie zu finanzieren, machen wir nahezu keine Reisen in andere Länder und haben das Auto abgeschafft.

Geteilte Verantwortung

Die Tücke liegt im Detail: die Aufgaben hängen oft miteinander zusammen, und zwar über den Planungsaufwand: Zum Kochen gehört die Vorplanung: Was wird gekocht?, das Besorgen der Zutaten, also Einkaufen und das Abspülen hinterher. Dieser sogenannten „mental load“, der mit der eigentlichen Handarbeit des Kochens zusammenhängt, wird oft in der Arbeitsverteilung „weggedrückt“. So hat für mich unsere Aufgabenteilung erst Entlastung gebracht, als mein Mann ganze Bereiche übernommen hat, nicht nur einzelne Aufgaben.

Was bringt es uns?

Für meinen Mann bringt es sicher gelebte und geteilte Zeit mit unseren Kindern. Er ist eine wichtige Bezugsperson, bei meinem Sohn sogar die wichtigste. Tut er sich weh, gab es Zeiten, in denen der Ruf erschallte: „Ich will zu Papa!“ Das ist schwer für mich. Ebenso hat er die berufliche Bestätigung in der Erwerbsarbeit und finanzielle Sicherheit.

Für mich bringt es, dass ich neben der Erziehungs- und Betreuungsarbeit Dinge mache, mit denen ich meine Persönlichkeit fordere und fördere, z.B. das Schreiben und dennoch in ganz enger Verbindung zu meinen Kindern stehen kann. Ein Gefühl der finanziellen Unsicherheit bleibt, da mein ehemaliger Arbeitgeber mich emotional nicht in der Familienbildungsphase unterstützt hat.

Wer ist zuständig?

In der Familie ist und bleibt die geteilte Elternschaft eine Herausforderung. Ich und der Kleine haben im letzten Jahr sehr die Klarheit vermisst, wer wann zuständig ist, da die Zeiten sich erst entwickelt haben, wann mein Mann arbeite und wann ich. Seit etwa einem halben Jahr haben wir einen festen Zeitplan und ich genieße es, dass mein Kleiner und ich uns da hineinfallen lassen können. Wenn er mir beim Teeaufgießen in der Küche am Bein hängt und mich anstrahlt: „Mama ist zuständig.“, dann geht mein Herz auf und ich freue mich auf einen Morgen mit Laufradfahren im Park und Spielen an den Wassergräben. Bis mein Mann nach dem Mittagessen übernimmt …

Schreibaby - Emotional satt sein

Emotional satt sein

Ist nach drei Monaten mit einem Baby, das soviel weint, noch immer keine Besserung zu spüren, verzweifeln viele Mütter. Sie fragen sich, ob das ewig so weiter geht?! Es fällt immer schwerer, unvoreingenommen und liebevoll dem Kind gegenüber zu treten. Viele Aufgaben neben dem Baby bleiben liegen und erzeugen Gereiztheit und einen immer kürzeren Geduldsfaden. 

Das Problem der Negativspiralen (Teufelskreislauf) 

Wenn das Kind nicht auf die intuitiven elterlichen Beruhigungsangebote reagiert wie erhofft, kommt es zu Missverständnissen. Die Beteiligten – Baby und Mama oder Papa – sind verunsichert und haben schließlich Angst vor weiteren Schreisituationen. Dies führt zu einer Negativspirale: Die eigene Ohnmacht erzeugt bei fast allen Eltern Wut und Aggressionen und anschließenden Schuldgefühlen – die Nerven liegen blank.

Wie wiederkehrende Situationen gelingen

Wie können aber Negativspiralen gedreht und zu positiven Engelskreisen der Beziehung gewendet werden?

Das Team um Emmi Pikler hat in der Arbeit mit 2000 Baby und Kleinkindern herausgefunden, dass sich gerade die immer wiederkehrenden Pflegesituationen dazu eignen, in engen Kontakt zum Kind zu kommen. Indem die Pflegerinnen im Waisenhaus auf der einen Seite einen klaren Ablauf von Pflegehandlungen haben, z.B. beim Waschen des Babys in der Badewanne, auf der anderen Seite aber ganz konzentriert bei diesem Kind sind. Schon im Alter von zwei bis drei Wochen können mithelfende Bewegungen des Babys wahrgenommen werden. Diese werden immer energischer und können zu einem gemeinsamen Spiel werden, zu spielerischen Neckereien.

Was dabei wichtig ist:

  1. Routine im Ablauf: Wenn die Mutter immer ähnliche Bewegungen ausführt – zuerst das Wasser einlassen und einen Waschlappen zurecht legen, dann das Baby langsam in die Wanne legen, von oben nach unten die Hautfalten reinigen etc. – wird das Baby sich erinnern. Mit der Zeit wird es bestimmte Abläufe der Mutter vorweg nehmen, z.B. nach dem Waschlappen greifen. Diese Impulse können aufgenommen und „weitergespielt“ werden.
  2. Mit dem Kind sprechen: Von Geburt an hilft dem Kind, wenn ich sage, was ich mache. So wird es vorgewarnt, dass etwas geschieht, auf wenn es die Worte noch gar nicht versteht. Gleichzeitig wird mit Worten auch die Körpersprache des Baby kommentiert, z.B. wenn es nach dem Waschlappen greift: „Oh, du fasst nach dem Waschlappen“ und hilft beim achtsamen Beobachten.
  3. In Verbindung bleiben: Kinder spüren es, wenn wir innerlich mit anderen Problemen beschäftigt sind. Nur wenn wir ihnen die volle Aufmerksamkeit in diesem Moment zukommen lassen, können wir wirklich in Kontakt mit ihnen kommen. Dann entwickeln sich gelingende Situationen. Und danach können wir spüren, dass wir es genossen haben und emotional satt geworden sind.

Wie können Engelskreise aussehen? 

„Gabica hat bald sehr gern gebadet. Mit der Zeit hat hat sie sich bei dem vorausgehenden Reinigen immer weniger verspannt. In konnte ihr die Hautfalten, z.B. am Hals und Ellbogen mit einem in Öl getauchten Wattebausch leicht auswischen. (…) Gábor ist der Älteste der Gruppe, er hat im Alter von fünf Monaten seine Hand entschlossen ausgestreckt, und er war auch der erste, der Spiele anregte. Er griff z.B. nach dem Hemd, aber oft hat er, wenn er schon das Hemd berührt hatte, seine Hand schnell hinter den Kopf gelegt, laut gelacht und dabei seine Augen zusammengekniffen. Eine gute Unterhaltung war es für ihn auch, wenn er mit anstelle seiner Hand seine Beine entgegenstreckte; dabei haben wir zusammen gelacht und uns gefreut.“ (Török, S. 129-130)

Mit dem Herzen hören

Ich persönlich habe das „Mich-Einlassen auf meine Tochter in der Zeit gelernt, als sie so furchtbar viel schrie. Ich habe es im Nachhinein immer an ihr bewundert, dass sie kein „braves Kind“ war und artig aufgegeben hat zu schreien, sondern wie eine Löwin darum gekämpft hat, dass ihr Bedürfnis nach meiner Zuwendung erfüllt wurde, was es sie auch gekostet hat, Schweiß, Verzweiflung, Heiserkeit. Und irgendwann habe ich mir zugestanden, sie endlich mit dem Herzen zu hören.

Was mir geholfen hat

Mir haben zwei Dinge geholfen, mein Baby und Kleinkind mit dem Herzen zu verstehen. 

1. Eine halbe Stunde am Tag

Während der Schwangerschaft habe ich meiner Tochter versprochen, dass ich ihr jeden Tag – wie beschäftigt ich auch sein mag – eine halbe Stunde meiner Zeit schenken werde. Eine halbe Stunde, in der ich mich in jeder Sekunde darum bemühe, mich auf sie einzulassen, das zu machen, was sie will, ihr zu helfen oder einfach bewusst bei ihr zu sein. Eine halbe Stunde ist eine überschaubare Zeit, ich kann die Uhr danach stellen und es katapultiert mich sofort aus meinem inneren rastlosen „Was muss ich noch tun“ heraus. Impulse kommen automatisch von ihr und irgendwann am Tag lasse ich mich wirklich länger darauf ein, statt einer häufigen „Nebenbei-Kommunikation“.

Sie dankt es mir immer mit ihrer spürbaren Zuwendung, indem sie meine Nähe sucht, mich anspricht, bei mir sein will – ein irre schönes Gefühl, das mich innerlich aufleben lässt und mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, wenn ich sie sehe.

2. Nachmachen, was sie macht

Eine Übung, mich auf sie einzulassen, hat sich dabei spontan entwickelt. Wenn ich mir schwer tue, gedanklich aus dem vorherigen Trott von Aufräumen o. Ä. herauszukommen, begebe ich mich ganz körperlich auf die Ebene meiner Tochter. Das heißt, ich mache das nach, was sie gerade macht. Liegt sie auf dem Boden lege ich mich dazu. Strampelt sie, strampel ich auch. Die Übung hat mir geholfen, zu fühlen, was sie fühlt, und sie dadurch besser zu verstehen.

Quellenangabe:

Török, Katalin: Kooperation während der Pflege und die gemeinsame Freude am Spiel. In: Pikler, Emmi: Miteinander vertraut werden, Freiburg: Arbor-Verlag, S. 129-132.

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Dr. Simone Lang
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Jeder Blogartikel bringt innere Welten zum Klingen. Wie ein Gong einen Ton erzeugt, der seine Schwingungen verbreitet, so hinterlässt auch das Lesen einen Eindruck. Welche Dinge kommen Ihnen in den Sinn? „Unterhält“ Sie das Geschriebene einfach nur oder werden Sie sich Ihrer eigenen Meinung beim Lesen bewusst, die mit dem Text übereinstimmt oder nicht? Und welches Gefühl wird ausgelöst? Es kann hilfreich sein, sich dessen bewusst zu werden, um mehr über die eigenen inneren Welten zu erfahren.

Ich freue mich, wenn Sie mir diese innere Stimmungsbilder per Mail zukommen lassen.

Familienpraxis Dr. Simone Lang

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