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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Eigentlich mag ich Babykurse nicht (mehr). Bei meinem ersten Kind habe ich einen PEKiP-Kurs und Babyschwimmen gemacht. Beim zweiten, nun einjährigen Kind habe ich bisher einen Piklerkurs gemacht. Heute war unsere erste Stunde Baby Signal.

Ein Vergleich der ersten Stunde

Wir kommen in der Hebammenpraxis an – alle Mutter mit Babys dürfen sich einen Platz auf einem Kissen suchen. Zu Beginn machen wir eine Vorstellungsrunde – die Kursleitung stellt sich und ihren persönlichen Zugang zum Thema vor, die Erwartungen der Kursteilnehmerinnen werden abgeklärt. Dann wird eine erste Gebärde gleich in einem Lied gezeigt, in dem auch die Kinder der Reihe nach begrüßt werden. Im Piklerkurs gab ein Gong den Beginn der Stunde kund, beim Babyschwimmen wurde ebenfalls gesungen. Ein Anfangritual haben alle.

Im Babysignalkurs sind sechs Mütter mit Babys (6-8 Monate), ich bin mit meinen einjährigen Kind die Ausnahme. Es wird eine erste Geste vorgestellt: Licht an und aus. Das ist motorisch machbar für die Kinder: Hand auf, Hand zu. Mein Kind schaut gebannt zu, nach dem dritten Mal demonstrieren mit einer Lampe macht er selbst die Hand auf. Es ist sehr interessant für ihn. Ebenso sind es die anderen Kinder, bei denen er erstmal vorbeischaut Ich bin damit beschäftigt, danach zu schauen, dass er den Babys nicht ins Gesich fasst und hole eine Babypuppe für ihn aus dem Regal, an der er das machen darf. Die Geste wird vonn der Kursleiterin vor allen Kinder demonstriert. Nach und nach werden noch drei Geste für Tiere vorgestellt sowie den Laut, den das Tier macht. Als Abschluss wird getanzt, wir haben die Kinder auf dem Arm.

Zum Windeln und Anziehen will er nochmal in den Raum, in dem bereits die nächsten Kursteilnehmerinnen ankommen. Auch im Vorraum ist alles neu, er will Schubladen öffnen, Bücher herausziehen… Bis wir zu Hause sind, vergeht eine ganze Zeit – und ich bin in Schweiß gebadet.

Im Vorfeld des Piklerkurses wurde eine Information verschickt, in dem unter anderem erklärt wird, dass im Raum die Eltern nicht miteinander reden sollen, um den Fokus auf dem Kind zu richten.

Im Raum erwarten alle je einen runden Teppich für das Kind und Kissen für Mama oder Papa. Um jeden Teppich liegen verschiedene Gegenstände, an jedem Platz die ähnliche. Nach dem Gong zu Beginn dürfen die Kinder frei erkunden, was um sie herum ihnen liegt: viel aus Holz, Perlenketten, aber auch Küchengeräte, wie Schneebesen, Schüsseln aus Bast etc. Zu Beginn liegen die meisten Kinderchen von sechs Monaten auf dem Rücken, ein Alter, in dem auch mein Kind zum Zeitpunkt des Kurses ist. Einige drehen sich schon und taxieren die Gegenstände mit dem Blick oder greifen danach. Die Kursleiterin gibt einen ersten Wissensinput zu Grundlagen der Pädagogik von Emmi Pikler und einen Beobachtungsauftrag. In diesem Fall sollen die Hände beobachtet werden, während das Kind ungestört machen oder lassen darf, was es möchte. Am Ende können alle kurz ihre Beobachtung mitteilen. Die Kursleiterin gibt Anmerkungen dazu, die allen helfen sollen. Den Abschluss macht ein gemeinsames Lied mit Gitarregebleitung. Auch hier brauchen wir einige Zeit, bis wir aus der Hebammenpraxis kommen.

Fazit

Der Kurs in einem Pikler-Spielraum setzt an der Selbsttätigkeit des Kindes an und geht davon aus, dass die wichtigsten Themen des Kindes in ihm selbst angelegt sind. Das Material ist die Chance, sich Dingen zuzuwenden, die das Kind interessieren. Im Baby-Signalkurs soll das Verstehen zwischen Mutter und Kind erleichtert werden, indem Gebärden gelernt werden, die beide verstehen. Es ist ein wenig wie in der Schule: ich lerne dem Kind etwas, von dem ich denke, dass es ihm oder uns etwas nützt.

In der öffentlichen Bildungsdiskussion geht es oft darum, möglichst früh den Kindern etwas an die Hand zu geben. In den (reform-)pädagogischen Fachdiskursen, mittlerweile gestützt durch die Gehirnforschung, steht am Ende immer wieder das Fazit, dass Lernen immer vom Kinde aus geschehen muss.

Die Kurse geben Hilfe zur Selbsthilfe. Da wir Erwachsene in den meisten weder in unserer Schulzeit noch über unsere Eltern oder Verwandtschaft wissen über Babypflege und Kindererziehung bekommen haben außer der eigenen erlebten und vielleicht auch erlittenen Erziehung, gibt es in den Kursen neben den Inhalten immer Informationen darüber, wie Kinder gerade in dem frühen Alter geprägt werden sollen. Also Erziehungsmaxime, die uns helfen, aber auch hindern können. Erschwerend kommt hinzu, dass wir in dieser Anfangssituation extrem auf Hilfe angewiesen sind, also häufig Ratschläge unhinterfragt annehmen (müssen), um die harten Anforderungen durch Schlafmangel, Babygeschrei und komplett veränderte Lebenssituation durchzustehen. So beharrte beispielsweise die Kursleiterin im Pekip-Kurs darauf, dass es das Beste für das Kind sei, mit spätestens acht Monaten im eigenen Bettchen zu schlafen, da das später nur schwer noch anzugewöhnen sei.

Letztlich brauchen wir die Kurse nur solange, wie sie uns etwas Neues, möglichst nützliches mit auf den Weg geben, sie sind eine Hilfe zur Selbsthilfe für uns Eltern. Manchmal hilft da auch ein Buch, und das wesentlich stressfreier. Aber Kurse sind auch als Unterstützung wichtig, leisten einen Fokus auf das Kind in der Fülle der täglichen Aufgaben. Geben einen Anlass, das eigene Handeln immer wieder neu zu hinterfragen und zu verbessern – im Sinne einer größtmöglichen und nachhaltigen Zufriedenheit von Mutter und Kind. Sie werden dann unnötig, wenn wir es schaffen, selbst gut bei unserem Kind zu sein – in möglichst vielen Situationen des Alltag. Das ist meiner Meinung nach der Gewinn der Babykurse, auch wenn es ein hartes Brot ist: die eigene Mutterrolle in all den Anforderungen und Behauptungen zu finden, mit denen frau sich schließlich und endlich wohlfühlt.

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