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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Runterwerfen – aufheben – runterwerfen – aufheben – alles ist Spiel. Mein Kind ist da ausdauernd. Ich spiele eine zeitlang gerne mit, bin Spielpartnerin. Ich finde es auch interessant, beim Kind beim Lernen oder Üben zu beobachten. Irgendwann ist es aber auch bei mir gut. Manchmal finde ich halt auch andere, Erwachsenensachen, ganz schön.

Wie finden wir ein gemeinsames Spielende?

Auf dem Spielplatz konnte ich drei entzückende Kinder beobachten, geschätzt zwei, vier und sechs Jahre alt. Sie spielten Pilot, die Mützen waren ihre Pilotenkappen. In einem Spielhäuschen waren sie dabei, den Tisch „zu decken“, Sand diente als Essensersatz. Die Mutter kam recht unvermittelt dazu und fragte, ob die drei Boot fahren wollten. Ich verstand zunächst nicht, was gemeint war, die Kinder auch nicht. Es ging um die Nachmittagsgestaltung, die Oma war wohl da und eine Schifffahrt wurde als ein möglicher Programmpunkt überlegt. Der Große verstand es als erster. Die beiden Kleineren sagten zwar auch zu, sie würden gerne echtes Schiff fahren wollen, was das bedeutete war aber nicht so ganz klar, sie waren noch ganz in ihrem Pilotspiel, deckten weiter Tisch.

Missverständnisse und Zwang

Die Mutter machte Druck, das Schiff würde abfahren, sie müssten jetzt kommen und wurde laut. Ihr war unverständlich, dass die beiden Kleinen nicht sofort kamen. Der Große kannte das wohl schon und war ziemlich zeitnah auf den Vorschlag der Mama aus der Spielszenerie hinausgegangen. Er hatte den Kleinen sogar eine Verständnisbrücke gebaut, indem er zu ihnen sagte: „Kommt Piloten, wir machen eine Schifffahrt“, bevor er zu der Oma und dem Papa ging. Die Kleinen kamen auf den lauten Ton der Mutter und ihrem Vorwurf hin dann zu ihr, nicht weil sie das wirklich verstanden hätten, eher aus Angst, vor dem unfreundlichen Ton. Der Tisch im Spielplatzhaus wurde schnell im Weggehen noch „abgedeckt“.

Spielphasen

Spielen, als das, was das Kind den ganzen Tag macht und dabei ganz automatisch, genetisch sozusagen, dazu lernt, mit dem umzugehen, was es umgibt. Ich bevorzuge diese weite Definition von Spiel, weil sie soviel erklärt. Warum Kinder so handeln und nicht anders.

Spiele haben immer eine Einstiegsphase, in der die Spielpaare, Spielidee geklärt werden. Das dauert manchmal und ist anstrengend. Ich merke das, wenn ich mit meiner Tochter zusammen eine Spielidee finden will oder sie eine hat, auf die ich gerade keine Lust habe. Genauso haben Spiele eine Phase, in der das Spiel ausläuft, die Lust am Spiel weggeht, eine andere Idee, andere Gegenstände, andere Personen interessanter werden.

Kindern hilft es, das Spielende anzukündigen

Deshalb macht es einen großen Unterschied, ob wir als Erwachsene ein Kind unvermittelt aus einem Spiel reißen oder sie darauf vorbereiten, dass das Spiel leider bald enden muss. Dann können sie sich gedanklich darauf einstellen, also etwas in der Art wie: „Ihr könnt noch fünf Minuten zu Ende spielen, dann wollen Mama und Papa Abendbrot mit euch machen.“ Auch auf die entstehenden Verhandlungen lasse ich mich oft ein, nehme ich dadurch doch das Mitbestimmungrecht des Kindes ernst. Also meistens …

Die Geschichte meiner Nichte illustriert, dass Mitbestimmung nicht immer nur zum eigenen Nachteil ist. Die Kleine war seit Babyalter gewöhnt, abends mit Papa, später alleine in die Badewanne zu gehen, als Tagesausklang und Abendritual. War sie da ins Spiel vertieft, wollte sie ungern raus und der Papa kündigte dann an, dass sie in drei Minuten aber zum Abendessen kommen solle. Die Tochter wollte nicht, worauf der Papa ihr zugestand, sie solle dann halt in fünf Minuten komme. Sie wollte wieder nicht, sie wollte lieber in zwei Minuten kommen… – deal -. Ein Kompromiss der erfrischenden Art wie er oft nur mit Kindern zustande kommen kann.

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