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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Adhs

Manchmal bin ich ratlos. Gestern Abend lagen meine Tochter, ich und mein Mann bereits im Bett, aber der Kleine hüpfte wie wild auf dem Bett herum. Alle wollten schlafen – außer ihm. Als er auf mich sprang, meinte ich: „Das Bett ist nicht zum Hüpfen da, du kannst drüben auf dem Sofa hüpfen!“ Der Kleine machte weiter wie bisher. Ich fasste ihn und stellte ihn vors Bett, worauf er zu Heulen anfängt.

Er ist oft schwer zu fassen und zu bändigen, gerade wenn er unser aller Grenzen überschreitet. Er räumt Regale aus, die wir mühselig wieder einräumen. Spätestens am Nachmittag wird das irgendwann zur Überforderung für mich und meinen Mann. 

Unser kleines Kind lebt seine Energie jeden Tag heftig und nach außen gerichtet und oft ohne erkennbare Rücksicht.

Wir sind gerade bei der Oma, die 700 km entfernt wohnt. Gestern Nachmittag bin ich mit ihm in die Küche gegangen – hier ergeben sich oft Spielmöglichkeiten für ihn, in denen ich ihm wenig Grenzen setzen muss. Ich trockne ein paar Dinge ab während er an der Spüle Wasser einlässt, das andere Becken füllt, eine kleine Schüssel immer wieder mit Wasser füllt und leert und auf die Spüle stellt. Später schälen wir Kartoffeln auf dem Küchenboden in Schüsseln und Karotten, die er schneiden darf. Als wir wieder zurück in unsere Zimmer unterm Dach gehen ist aber klar, dass seine Aufgedrehtheit wieder aufflammt. Den ganzen Abend ist er am Herumlaufen und findet sich nicht selbst. 

Einige Dinge interessieren ihn, die ihn zur Ruhe bringen. So spielen wir manchmal ein Fingerspiel, das er von sich aus beginnt: 

Das ist das Babettchen (Daumen wird gezeigt), das will nie ins Bettchen

Das ist die Elfriede (Zeigefinger), die wird auch nie müde,

Das ist die lange Claudia (Mittelfinger), mit dem Kraushaar, die muss nochmal raus da,

Und die Petra unterdessen, holt sich noch was zu essen.

Nur unsere Kleine, lieb und nett, schnappt sich Teddy am Beinchen und geht ins Bett.

Oder singen das Lied von der Frau Holle.

Ich habe in manchen unsicheren Situationen ratlose Momente, bei der Heftigkeit, meines kleinen Kindes stellt sich immer dann ein Grundratlosigkeit ein, wenn ich am Ende meiner Kräfte bin und er es nicht schafft, sich zu beschäftigen. Wir puffern es im Moment durch das Abwechseln zwischen mir und meinem Partner oder auch der großen Schwester ab. Ich vertraue darauf, dass dennoch unsere Bindung trägt – besser als ihn durch ständigen Zwang unter vermeintlicher Kontrolle zu halten, die dann bei anderen Gelegenheiten umso stärker aufpoppt.

Da soll nochmal einer sagen, Kinderbetreuung wäre einfach…

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