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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Ich bin Sportlehrerin. Außerdem bin ich Mutter einer sechsjährigen Tochter, mit der ich langsam auch bewegungsorientierte Erziehung neben dem täglichen Toben draußen im Kindergarten anfangen möchte und alle im Kindergarten machen einen Schwimmkurs. Warum also nicht Schwimmen.

Da ich im Erstschwimmen zwar theoretisch ausgebildet bin, aber nie unterrichtet habe, beginnt also die Suche nach einem Schwimmkurs. Nun sind meine Beobachtungen von Schwimmkursen, die ich neben bei im Bad beobachten durfte, sowie Schilderungen anderer Eltern nicht sonderlich überzeugend gewesen – Drill, die Stange als Verbindungsobjekt zwischen Schwimmmeister und oft mehreren Kindern noch sehr unsicher sich über Wasser haltenden Kinder mit verzerrten Gesichtern gleichzeitig auf einer Bahn – mein Fazit: „ins kalte Wasser werfen“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Warum ist es so wichtig, dass wir darauf achten, nicht nur WAS unsere Kinder lernen, sondern auch WIE unsere Kinder lernen? Warum macht uns das anfangs so viel Arbeit, erspart uns aber in der Folge vorhersehbare Probleme für und mit unseren Kindern – für ihr und unser Leben lang? Warum können gerade Lernprozesse, die zum ersten vom Gehirn als Erfahrungen abgespeichert werden, so schwer rückgängig gemacht und „neu geschrieben“ werden? Und wie können wir uns Unterstützung und Rückhalt suchen und finden für unser Anliegen, unserem Kind die bestmögliche Erziehung zukommen zu lassen?

Derzeit übernehmen wir Eltern, die bindungsorientiert erziehen noch die Kosten selbst, die wir damit dem Staat oder den Nerven von Erziehungspersonal ersparen. Deshalb ist es auch so wichtig, zumindest die professionellen Erzieherinnen und Lehrkräfte auszuwählen, die ebenfalls bindungsorientiert arbeiten und uns darin unterstützen. Was nicht einfach und oft nur im Einzelfall lösbar ist, auch im tollsten reformpädagogischen Schulkonzept gibt es oft sehr konservative Lehrkräfte.

Nachdem mich die Angebote vor Ort nicht überzeugt hatten, fand ich einen „Seepferdchenkurs“ über eine Woche am Block, so dass mein Mann und ich also in der Halle dabei sein konnten und, wenn möglich, zu Sicherheit auch mit ins Wasser konnten.

Schwimmen lernen

Lernen Kinder nicht besonders gut durch Vorbild und Nachahmung? Warum sollten wir nicht neben/ vor ihr schwimmen und zeigen, wie/ dass wir schwimmen können und bei Bedarf eine sicherer Anlaufstelle wären? Ja klar, es könnte natürlich den Schwimmmeister stören. Und wo kämen wir da hin, wenn alle Eltern mit ins Wasser gehen würden?

Mal davon abgesehen, dass das bei einem Betreuungsschlüssel von 6-7 Kindern im Kurs durchaus keine logistische Höchstleistung wäre, war es so auch nicht gedacht. Aber die Sicherheit für das Kind, dass wir mit ins Wasser kommen würden ober intervenieren können, wenn die Unsicherheit bei bestimmten Anforderungen überhand nimmt– die Kinder müssen (manchmal zum ersten Mal) tauchen, ins Tiefe springen und zum ersten Mal ohne die bewährten Sicherungssysteme ihr Gesicht und ihre Atemwege über Wasser halten – das Kind auch mal raus zu ziehen und ein langsameres Tempo als der Standardkursplan vorgibt einschlagen. Das tut auch oft der ganzen Gruppe gut, da Erwachsene oft vergessen, dass einige Dinge für Kinder neu sind und an Anfang richtig Mut brauchen (Wie geht eigentlich Luft anhalten? Was erwartet mich da unter Wasser, wenn ich meinen Kopf unter Wasser halte ohne atmen zu können?).

Kurz und gut, die Entscheidung für oder gegen den Schwimmkurs machte ich von dem Schwimmmeister abhängig, ich rief dort an, lies mich mit ihm verbinden und war sofort erleichtert, als ich die Stimme hörte. Zwar wurde hier eine ausländische Fachkraft eingesetzt, die ziemlich radebrechte, aber die Ansichten waren durchaus das, was ich mir vorgestellt hatte: Natürlich würde er selbst mit ins Wasser kommen, selbstverständlich könnten auch Eltern mit in Wasser kommen, ja eine Kollegin würde das nicht erlauben, aber das sei kein Problem. Ich fragte nochmals nach, ob er den Kurs zum genannten Datum auch halten würde: ja, das würde er machen.

Das Kind wurde angemeldet, die Tasche gepackt und schon befanden wir uns am Morgen des ersten Kurstages an der Kasse. Wer uns nicht erwartete war der Schwimmmeister am Telefon, sondern der Klassiker der „alten Garde“, dicker Bauch, Anweisung und Drill  und nach dem ersten Üben im noch niedrigen Wasser, das erste, zum Erbarmen schluchzende Kind, das – natürlich – nicht von dem Schwimmmeister getröstet wurde – da müssen Kinder halt durch, das ist bei manchen so, früher war das auch nicht anders und wir haben noch alle schwimmen gelernt…

Meine Alarmsysteme voll auf Bereitschaft gestellt, konnte ich immerhin das Schlimmste bei meinem Kind verhindern – den Kurs besuchten wir an diesem Tag nur, weil uns ab dem nächsten Tag der andere Schwimmmeister angekündigt wurde, der dann tatsächlich auch die nächste drei Tage engagiert und den Kinder zugewand unterrichtete. Leider waren die letzten beiden Tage plus Seepferdchenprüfung wieder ersterem Schwimmmeister vorbehalten – mit vorhersehbaren Katastrophen.

Erziehung heute

Ich bin der Überzeugung, dass Kinder in einer Atmosphäre der Sicherheit und Geborgenheit lernen sollten, gerade in solch für sie gefühlt existentiell lebensbedrohlichen Situationen wie dem Schwimmen im tiefen Wasser. Ich bin deshalb der Überzeugung, da es zwar zu Beginn des Lebens der Kinder unglaublich viel mehr Mühe und Anstrengung, Zeit und Geld kostet, dieses sich aber auszahlt.

Zunächst allerdings „nur“ durch das Vertrauen, dass das eigene Kind in die Mutter oder Vater setzt und das in vielen Situationen immer wieder bestätigt wird. Zunächst „nur“ durch die Zuwendung zu den Eltern und Liebesbeweise, die Kinder natürlich sowieso reichlich an Eltern austeilen – sie haben ja keine andere Wahl, als sich an Bezugspersonen zu binden, um zu überleben. Nicht nur auszahlt, sondern die investierte Arbeit erspart eine Menge an „Reparaturmaßnahmen“: Alpträume, Lernschwierigkeiten, „unbegründete“ Aggressionen. Bindungsorientierte Erziehung ist nicht nur ein aktueller Trend, sondern überzeugt darin, dass sie nachhaltig ist.

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