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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Am letzten Sonntag hatten wir Besuch von einem befreundeten Elternpaar. Mit der Mutter redeten wir über die verschiedenen Figuren der Kinder und kamen darauf, dass mein jüngeres Kind nicht besonders viel isst. Er versteht Essen nach wie vor im Sinne eines Produkttesters oder Restaurantkritikers: Ich probiere mal und dann ist aber auch gut. Die lustigsten Gesichtsausdrücke macht er, wenn er Gewürze testet. Auch wenn wir ihn warnen, dass Pfeffer scharf oder Chilli sehr scharf ist, lässt er sich nicht davon abhalten, mit seinem Zeigefingerchen hineinzustippen und sich überraschen zu lassen. Im Gegenteil, beim Pfeffer nahm er nochmal eine Fingerspitze nach – dann wars aber doch genug…

Die Frage von der anderen Mutter, war dann, wie er auf seine Energiebilanz käme und ich meinte, dass ich noch stillte. Sie „gestand“ mir dann, dass sie bei den beiden letzten Kindern gestillt hätte, bis diese drei Jahre alt waren – „mir könne sie das ja sagen“. Anstatt zu fragen, wem sie das denn nicht sagen könne, nickte ich nur verständnisvoll. Anscheinend sind wir es tatsächlich gewohnt, dass wir in unserer Umgebung nicht „verraten“ dürfen, dass wir das tun, was offensichtlich Kind und Mutter gut tut – nämlich dem Kind Muttermilch zu geben.

Wie konnte es so weit kommen? Weil sich mit Mutterersatznahrung viel Geld machen lässt? Vermutlich – meine Mutter erzählte mir noch, dass sowohl mein Bruder als auch ich „Flaschenkinder“ waren, da es damals als „das Beste für das Kind“ galt… Wer den Glaubenssatz wohl in die Welt gesetzt hat… Oder liegt es am Entblößen der Brust, was in der Öffentlichkeit oft noch als unschicklich gilt? Mein Mann erzählte mir von einem Bericht, in dem eine junge Mutter, die im Cafe ihr Baby stillte, gebeten wurde, sie möge sich doch bitte „bedecken“. Sie wusste zunächst gar nicht, wie sie darauf reagieren sollte, bat dann aber ihren Mann um ein Windeltuch. Und legte es sich auf den Kopf. Schallendes Gelächter bei den umsitzenden CafebsucherInnen! Schlagfertigkeit siegt.

Ganz unabhängig von den unglaublichen, gesundheitlichen Vorteilen, die die Ernährung mit Muttermilch für das Baby und Kleinkind hat, wie die optimale Nährstoffzusammensetzung oder der Nestschutz vor gefährlichen Krankheiten, gibt es noch die emotionale Wirkung des Stillens für Mutter und Kind. Auf körperlicher Ebene wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, welches nachgewiesenermaßen auf das Bindungsverhalten der Mutter wirkt.

Bindung zwischen Mutter und Kind ist zu Beginn eines jeden Menschenlebens etwas ganz und gar körperliches – die Verbindung von Mutter und Embryo oder Baby durch die Nabelschnur während der Schwangerschaft. Nach der Geburt erfolgt die erste „Entbindung“, das Durchtrennen der Nabelschnur, wenn diese ausgeblutet ist und die Mutter die letzten fantastischen Nährstoffe an das Kind abgegeben hat. Dann übernehmen die Brüste das Versorgen des Kindes mit existentiell notwendiger Nahrung – in stofflicher und feinstofflicher Hinsicht. Körperliche und seelische Nahrung. Das innige Gefühl des Verbundenseins mit dem Kind wird mit jedem Trinkvorgang aufgefrischt und es wird an der Innigkeit des letzten Stillens angeknüpft.

Mittlerweile ist ebenfalls erforscht, dass Oxytocin auch bei nicht-stillenden Müttern entsteht, ebenso bei Vätern oder anderen Bezugspersonen, die sich um das Kind kümmern. Allein die Menge der gemeinsam verbrachten Zeit und eine innere Haltung des „Sich-Einlassens“ auf das Kleine führt zu verstärkter Hormonausschüttung und dem entsprechenden emotionalen „gebundenen“ Zustand, zu Liebe und Zuneigung.

Vertrauensvoll legen die Kleinen ihr ganzes Sein in unsere Hände und wir können nicht anders – so wir selbst unterstützt und geliebt sind – dem Kleinen Hinwendung und alle Unterstützung zu geben, die es braucht. Und das macht auch etwas mit uns selbst. Es schützt uns davor, uns selbst allzu früh von dem Kleinen abzunabeln, wenn wir noch gar nicht dafür bereit sind.

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