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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Wie begleite ich Trauer bei meinem Kind?

Die emotionale Begleitung von Gefühlen, die mein Kind (noch) nicht benennen ist ein Grund, weshalb mein jüngeres Kind (4 Jahre) auch im nächsten Jahr nicht in eine Fremdbetreuung geht. Worum geht es mir?

Vor zwei Jahren hatte die Große eine Karte für eine großen Pferdeshow geschenkt bekommen. Letzten Sonntag war es endlich soweit. 

Beim Mittagessen erzählten wir es dem kleinen Bruder. Er protestierte aufs heftigste: Er wolle auch mit. 

Alle Argumente seitens der Eltern und Schwester zählten nicht:

  • dass wir nur zwei Karten hätten,
  • dass er ohne Karte nicht in die Halle kommen würde, 
  • dass er nicht zusammen mit der Großen ohne Erwachsene gehen könnte, 
  • dass die Große nicht zuhause bleiben wolle, da sie sich schon lange darauf gefreut hätte… 

Wenn es nicht anders geht: einen Raum für Mitbestimmung schaffen und Alternativen

Wir klopften alle Möglichkeiten ab – die einzige Möglichkeit, mitzuentscheiden war die, ob Mama oder Papa mit ihm zuhause bleiben. Damit war die rationale Seite klar – es blieb sein Wunsch, zu der Show mitzukommen.

Ich bot ihm ein Alternativprogramm an. Gerne wollte ich mit ihm bei dem schönen Wetter zu der Skateanlage im Park fahren.

Die eigene rationale und emotionale Position finden

Für mich ist es generell schwer mitanzusehen, wenn mein Kind weint – ich möchte ihm am liebsten helfen. In dieser Situation war ich glücklicherweise in einer großen Ruhe – es war Sonntag, ich war innerlich ausgeglichen. So konnte ich mich in dieser Situation auf die Begleitung seines Schmerzes konzentrieren. 

Es ist ein Schmerz, den wir alle kennen, der Schmerz, nicht „dabeisein“ zu dürfen, nicht „dazu zugehören“. Das Gefühl von Ausgrenzung ist eines der schlimmsten und existentiell – zum Beispiel wenn Menschen vom Zugang zu Nahrung abgeschnitten werden.

Eskalation

Als ich das Bedürfnis nach Ruhe beim Essen bei mir spürte, ging ich in die Küche, um dort weiter zu essen. Er tobte weiter und wollte, dass seine Schwester auch nicht gehen solle. Der Papa und die Schwester konnten nach einer Weile der Diskussion das Geheule nicht mehr ertragen – zuerst wurde die Große laut und stand wutentbrannt auf, als kein Argument fruchtete. Dann wurde der Papa laut.

Als ich das Bedürfnis nach Ruhe beim Essen bei mir spürte, ging ich in die Küche, um dort weiter zu essen. Er tobte weiter und wollte, dass seine Schwester auch nicht gehen solle. Der Papa und die Schwester konnten nach einer Weile der Diskussion das Geheule nicht mehr ertragen – zuerst wurde die Große laut und stand wutentbrannt auf, als kein Argument fruchtete. Dann wurde der Papa laut.

Ich merkte, wie mir der Kleine so leid tat. Es war so verständlich. Ich ging wieder zu ihm – das Essen konnte warten. Ich kniete mich zu ihm und verband mich mit ihm. Ich zeigte mich und mir traten die Tränen in die Augen bei seinem offensichtlichen Schmerz. Er weinte und spürte meine innere Berührung. Ich sagte ihm, wie leid es mir täte, dass er nicht mit konnte. Nach einer kleinen Weile, die eine Ewigkeit war, begann er weiter zu essen. Ich blieb weiter bei ihm.

Schmerz in Wellen 

Er wurde ruhiger und akzeptierte die Tatsache. Später, bei den Vorbereitungen zur Abfahrt protestierte er wieder. Als es für mich zu schwer war, tat ich etwas, um uns beide zu trösten – ich begann Waffeln zu backen. Ich wollte ihm bewusst kein Gegenprogramm oder Zucker als „Trost“ anbieten, merke aber, dass es mir gut tat, mich mit etwas zu beschäftigen. Obwohl im Raum stand, dass er der Papa auch zuhause mit ihm bleiben könnte, gab es uns eine gewisse Sicherheit – er wusste woran er war (ich signalisierte für ihn anschaulich: Ich bin da) und was passieren würde, wenn die beiden anderen los fuhren – wir würden Waffeln machen. So war der Abschied dann von ihm ganz tapfer – er freute sich sogar für die Große. Wir winkten noch lange – unser Abschiedsritual.

Erst als er sich später wehtat, kam der Schmerz, nicht mit zu dürfen, nochmal in ihm hoch. Er weinte und fragte auf meinem Arm, weshalb er nicht mitgedurft hätte. Ich hielt ihn lange im Arm. Irgendwann verebbte das weinen und er wünschte sich, dass wir zu einer Skateanlage fahren, an der wir einen schönen Freitag verbracht hatten. So packten wir die Waffeln, einen Roller und ein Skateboard ein und rollerten dort zwei Stunden herum.

Die Entscheidung für die Selbstbetreuung

Es gibt drei wesentliche Gründe, weshalb ich mich entschieden habe, mein Kind weiter zuhause zu betreuen. 

  1. Diese emotionale Betreuung ist ein Grund. Ich möchte beim Aufbau seiner emotionalen ersten Gehirnbahnen sicherstellen, dass er konstruktive Wege lernt.
  2. Ich selbst habe erst gelernt und lerne immer noch, die entsprechenden Situation zu sehen und bei mir und bei ihm zu begleiten.
  3. Wir haben über Jahre hinweg an einer finanziellen Lösung gearbeitet, die mich vom Druck der Erwerbsarbeit entlastet. 

Mein älteres Kind (10 Jahre) haben wir mit knapp drei Jahren in den Kindergarten zur Betreuung gegeben. Es gab Situationen, in denen sie unglücklich mit ihrer Freundin war und sich nicht einigen konnte. Da ich die Situationen nicht mitbekam, konnte ich ihre Bedürfnisse nicht übersetzen. 

Bei einem Gespräch mit der Kindergärtnerin wurde klar, dass sie dem Kind einen Schutzraum bei sich bieten kann. Eine Klärung und Begleitung von Bedürfnissen, konnte nicht geleistet werden. Bedürfnisse, die mein Kind noch nicht aussprechen konnte, z.B. das Bedürfnis auf einen eigenen Raum. So blieben Dinge unausgesprochen, es gab Missverständnisse und sie verhärtete. Zukünftig ging sie aus Situationen weg, die sich nicht klären konnte. Für mich blieb und bleibt ein schlechter Nachgeschmack und das Gefühl, eine wichtige Chance in der Entwicklungsbegleitung verpasst zu haben.

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