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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Eltern sein: die Herausforderung des mental Road

„Heute ist Mama zuständig.“ Mein Sohn (3 Jahre) umarmt mich an den Knien und schaut zu mir auf. Dass wir das so klar bekommen haben, wer wann zuständig ist, Papa oder Mama, hat über zwei Jahre gedauert.

Drei Jahre nach der Geburt läuft meine Anrechnung der Kinderbetreuung auf die Rente ab. Das heißt, ich muss mich selbst um meine Altersvorsorge kümmern. Das heißt, mein Partner und ich versuchen, sowohl die Elternarbeit als auch die Erwerbsarbeit zu teilen. Dabei liegt die Tücke im Detail.

Geteilte Arbeitsaufgaben 

  • Aufgaben, die regelmäßig anfallen: Hausarbeit: Putzen, Kochen, Essen einkaufen, Essen planen, Abspülen, Spülmaschine ein- und ausfüllen, Waschen, Aufhängen, Einräumen, Aufräumen verschiedener Zimmer, Erziehungsaufgaben planen und reflektieren: Zähneputzen lehren/ betreuen, Schulaufgaben betreuen, einer Erwerbsarbeit nachgehen, zur Arbeitsstätte und zurückkommen, alle Arbeitsaufgaben organisieren, …
  • Aufgaben, die ab und zu anfallen:

Steuer, Rechnungen begleichen, Auto/ Fahrzeuge warten, Fotos sichern, bestellen, einräumen, Kinderkleidung durchschauen, einkaufen, eigene Kleidung einkaufen, Kinderkleidung entsorgen, Glasabfall entsorgen, Geschenke und Geburtstage organisieren, Gartenarbeit, Spielgeräte und passende Möbel für Kinder planen und kaufen, Urlaub/ Ausflüge planen, vorbereiten, umsetzen, …

Woran wir scheitern

Mein Mann und ich sind regelmäßig von der Fülle der Aufgaben überfordert. Vieles „drücken wir weg“ – wie mein Mann sagen würde, z.B. arbeitet er zurzeit seine Fortbildung auf, wenn er nicht schlafen kann, und ich organisiere den Arbeitsplatz meiner Tochter für das wieder begonnene Homeschooling ebenfalls nachts, wenn ich wach liege. 

Oft mache ich auch nachts oder in „Ruhephasen“, wenn ich eigentlich schlafen will, die Organisations- und Planungsarbeit, sei es für das im Garten neue Spielgerät, den Kleiderkauf für meine Tochter per Computer oder die nächsten Schritte, wie wir den Kleinen unterstützen können, dass er mit Esssituationen besser klarkommt. Das ist nicht schön, bekommen wir aber mit den kleinen Kindern nicht anders hin, da die Aufgaben immer „zuviel“ scheinen. Und wir die Zeit mit Kindern nicht damit füllen wollen.

Wie wir unsere Arbeitsteilung organisieren

  •  Das, was wir gerne machen, ist ausschlaggebend für die Zuordnung der Aufgaben: herausbekommen haben wir das nur durch Ausprobieren. Zum Beispiel macht es meinem Mann wenig aus zu kochen, ich übernehme das Ausmisten und Gestalten der Zimmer, weil mir Ordnung hilft.
  • Haushalts- und Erziehungsaufgaben haben wir aufgelistet (siehe oben) und die Zeit berechnet (heruntergerechnet auf Zeit pro Tag) und verändern das, wenn sich eine Person nicht mehr gut damit fühlt. Zum Beispiel übernehme ich eher die Planungs- und Erziehungsaufgaben: wie die Gesamtplanung an unserem Whiteboard oder die emotionale Begleitung der Kinder, er die Routinearbeit wie Waschen, aufhängen und in den Schrank einräumen.
  • Wir haben beide halbe Stellen, egal welches Einkommen und haben deshalb Prioritäten gesetzt. Um die Familie zu finanzieren, machen wir nahezu keine Reisen in andere Länder und haben das Auto abgeschafft.

Geteilte Verantwortung

Die Tücke liegt im Detail: die Aufgaben hängen oft miteinander zusammen, und zwar über den Planungsaufwand: Zum Kochen gehört die Vorplanung: Was wird gekocht?, das Besorgen der Zutaten, also Einkaufen und das Abspülen hinterher. Dieser sogenannten „mental load“, der mit der eigentlichen Handarbeit des Kochens zusammenhängt, wird oft in der Arbeitsverteilung „weggedrückt“. So hat für mich unsere Aufgabenteilung erst Entlastung gebracht, als mein Mann ganze Bereiche übernommen hat, nicht nur einzelne Aufgaben.

Was bringt es uns?

Für meinen Mann bringt es sicher gelebte und geteilte Zeit mit unseren Kindern. Er ist eine wichtige Bezugsperson, bei meinem Sohn sogar die wichtigste. Tut er sich weh, gab es Zeiten, in denen der Ruf erschallte: „Ich will zu Papa!“ Das ist schwer für mich. Ebenso hat er die berufliche Bestätigung in der Erwerbsarbeit und finanzielle Sicherheit.

Für mich bringt es, dass ich neben der Erziehungs- und Betreuungsarbeit Dinge mache, mit denen ich meine Persönlichkeit fordere und fördere, z.B. das Schreiben und dennoch in ganz enger Verbindung zu meinen Kindern stehen kann. Ein Gefühl der finanziellen Unsicherheit bleibt, da mein ehemaliger Arbeitgeber mich emotional nicht in der Familienbildungsphase unterstützt hat.

Wer ist zuständig?

In der Familie ist und bleibt die geteilte Elternschaft eine Herausforderung. Ich und der Kleine haben im letzten Jahr sehr die Klarheit vermisst, wer wann zuständig ist, da die Zeiten sich erst entwickelt haben, wann mein Mann arbeite und wann ich. Seit etwa einem halben Jahr haben wir einen festen Zeitplan und ich genieße es, dass mein Kleiner und ich uns da hineinfallen lassen können. Wenn er mir beim Teeaufgießen in der Küche am Bein hängt und mich anstrahlt: „Mama ist zuständig.“, dann geht mein Herz auf und ich freue mich auf einen Morgen mit Laufradfahren im Park und Spielen an den Wassergräben. Bis mein Mann nach dem Mittagessen übernimmt …

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