Hier geht´s zur Anmeldung für die Schreikind-Kompetenz-Challenge vom 24.8. - 28.8.2020

Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Manchmal bilde ich mir im Umgang mit dem Kind ein, etwas besser zu wissen als andere. Ist auch nicht ganz abwegig, dass ich, immer mehr Expertise erlange, je mehr ich in der Entwicklung meine Kinder und mit ihnen immer mehr Wissen und Erfahrungen sammle. Für meinen Mann ist das manchmal sehr schwierig. Er bildet sich auch ein, Sachen besser als ich zu wissen, z.B. Beispiel chemische Prozesse. Ich finde es auch interessant, wenn er davon erzählt. Aber manchmal stehe ich vor dem Problem, dass ich gar nicht genau begründen kann, warum ich weiß, dass etwas besser ist im Umgang mit den Kinder. In der Frühförderung. Zum Beispiel eine abwartende Grundhaltung zu haben, wenn wir mit dem Kleinen spielen.

Mein Mann „bespaßt“ ihn gerne und der findet das ganz toll. Nach einiger Zeit geht meinem Mann aber die Luft aus und betreut er den Kleinen über eine längere Zeit und muss nebenbei auch noch Dinge erledigen, wird er ihm gegenüber zunehmend ungeduldig. Der Kleine versucht dann in der Konsequenz immer mehr, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und hat dabei einfallsreiche Ideen – keine Frage. Da er technikaffin ist hat er es mittlerweile geschafft, unseren Toaster zu crashen, das Waffeleisen kaputt zu machen eine Schublade untauglich zu machen neben all den Sachen die ausgeräumt und in Kleinstteile zerlegt werden.

Das Kind ein eigenes Spiel finden lassen

Das ist ein Grund, weshalb ich immer wieder darauf beharre, dass der Kleine einen Weg finden muss, wie er in „sein eigenes Spiel“ kommt – etwas das mein Mann mittlerweile auch versteht, aber einfach immer wieder vergisst. Und ich immer wieder davor stehe und einfach nur weiß, dass es beispielsweise eine Grundregel im Pikler-Spielraum war, das Kind ungestört spielen zu lassen und nicht einzugreifen, nur auf den erwünschten Kontakt durch das Kind als sichere Basis zu fungieren. Für meinem Mann muss ich das begründen, warum. Letztens ist mir wieder eingefallen, welche Erkenntnis ich in der ersten Zeit mit meinem ersten Kind hatte:

  1. Wenn ich mich zurückhalte, aber achtsam und aufmerksam bei dem Kind in einer anregenden Spielumgebung bin, lerne ich das Kind besser kennen. Ich lerne es zu verstehen.
  2. Das Kind bekommt die Möglichkeit, sich selbst besser verstehen zu lernen.

Eine achtsame, abwartende Grundhaltung öffnet neue Räume, die beide noch nicht kennen. Dem voran geht oft eine Phase der Langeweile, in der das Kind, gerade wenn es schon die Erfahrung mit dem „bespaßt werden“ gemacht hat, also dem Regulieren der Stimmung des Kindes durch den Erwachsenen in eine lustigere Stimmungslage als die ursprüngliche. Dann ist das Abwarten, bis die Impulse vom Kind kommen immer etwas langwieriger. (Leider ist das bei meinem großen Kind insbesondere auch dann so, wenn sie von der Schule kommt – wo sie den ganzen Vormittag von Lehrkräften und der Stimmungslage in der Klasse stark reguliert wurde.)

Lernumgebungen gestalten

Bei den Allerkleinsten ist das noch Abwarten noch viel Kürzer und unanstrengender. Zentral ist das Vorbereiten von Lernumgebungen. Ein Park oder Naturräume haben da den Vorteil, dass sie sowieso vielfältige interessante Dinge bieten, wenn wir nicht zu große Sorge haben, dass etwas „zu dreckig“ oder „ungesund“ sein könnte.

Heute morgen bekam ich mit, dass mein Mann und der Kleine in ihrer Kommunikation wieder immer aufgeregter und schneller wurden – der übrigens gerade das totale „Papakind“ ist. Ich rief nur kurz runter, ob er bitte daran denken würde, darauf zu achten, dass der Kleine auch in sein eigenen Spiel kommen würde. Als ich meinen versäumten Nachtschlaf nachgeholt hatte, kam ich wieder zu den dreien dazu – in Coronazeiten sind gerade alle daheim. Eine sehr entspannte Grundstimmung empfing mich, mein Mann erzählte mir stolz, dass er eine Höhle unter dem Tisch vorbereitet hatte und die beiden Kinder dort unter anderem ihre Frühsstückspause dort verbracht hätten. Ich war erfreut. Geht doch.

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