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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Grenzen akzeptieren

Der Kleine findet viele Dinge spannend: scharfe Messer, Scheren, Feuerzeug, Naschsachen, der Kühlschrank, der Medizinschrank – nur um mal so einige zu nennen. Und wenn er etwas möchte, nimmt er es sich. Er fasst einfach zu – auch wenn die Tasse über ihm auf der Ablage voll mit warmem Tee ist. 

Das Beispiel „scharfe Messer“

Zu Beginn haben wir ihm die stumpfen Schmiermesser als Ersatz gegeben. Damit konnte er zumindest mal weiche Äpfel oder Paprika schneiden und das schneiden lernen. Mittlerweile haben wir die Regel, dass er ein scharfes Messer nehmen kann, wenn wir dabei sind. 

Ja, natürlich hat er sich schon geschnitten. Beim Karottenschneiden mit dem etwas schärferen, gezackten Messer. Das wollte er dann auch immerhin einen Tag lang nicht mehr 😉 Der Schnitt war nicht tief, aber hat ihm verdeutlicht, wovor wir ihn schützen wollen.

Die Impulskontrolle entwickelt sich (langsam)

Heute früh wollten wir zusammen putzen. Er liebt Staubsaugen und ich mag eine saubere Wohnung und putze ganz gerne, wenn ich keinen Druck habe. Er liebt Fensterputzmittel, die mit einem „Pfuffer“ – einem „Zerstäuber“ – an die Scheiben gesprüht werden. Bei dem letzten Versuch sprühte er das gesamte Mittel leer – damit hatte ich gerechnet und in der Flasche war nicht mehr allzuviel drin. Das wollte ich heute vermeiden und meinte, er solle mir den „Pfuffer“ zurück bringen, wenn er die Toilette eingesprüht habe. Und tatsächlich kam er zurück und fragte, was er nun machen solle. Ich meinte, das Waschbecken könnte auch mal geputzt werden. Nach dem Waschbecken entschied er sich noch dafür, Fliesen zu putzen. Dann stellte ich das Mittel erstmal wieder auf den Küchenschrank und gab ihm ein Tuch zum verwischen.

Darauf hin wollte er das Fensterputzmittel wieder, um den Waschraum im 1. Stock zu putzen. Später kam er wieder und meinte, ich solle den Pfuffer wieder hoch stellen.

„Kannst du das weglegen?“

Mitterweile übernimmt er Strategien von uns als Unterstützung, sich selbst zu regulieren. Da er weiß, dass er das Putzmittel nicht leer machen soll, nimmt er mein Vorgehen auf und schlägt es mir vor: „Kannst du den Pfuffer hochstellen?“ Er weiß, dass es für ihn funktioniert, wenn das Objekt seines Interesses aus dem Auge ist, ist es auch (kurzzeitig) aus dem Sinn.

Das Gleiche praktiziert er bei der nachmittäglichen Kaffee-/ Teezeit: „Kannst du die Schokolade mal da hinter legen?“

Wie wir als Eltern unterstützen – 3 Tipps

Was ihm dabei hilft, sich selbst kontrollieren zu lernen, ist folgendes:

  1. Ihn loben, WENN er es denn schafft.
  2. Ihm Sachen geben und Dinge zutrauen, wenn wir es begleiten können und nicht, wenn wir selbst genervt sind.
  3. Seine vielen Impulse auch mal aufnehmen und weiter spielen – so habe ich schon ganze Schreibtischschubladen entrümpelt bekommen, die er zuvor ausgeräumt hatte.

Wann es nicht klappt

Abends sind wir alle etwas gereizter. Natürlich geht es gerade dann auch für den Kleinen nicht mehr so fokussiert und kontrolliert. Seine Handlungen zerfasern sich, alles ist interessant, der Badschrank, der Medizinschrank – nur noch schnell auf das Waschbecken klettern und nachschauen, was es da für tolle Sachen gibt…

Und dann abrutschen, denn die Motorik ist auch nicht mehr die Beste…

ABER…

…es wird oft deutlich, dass er sie kann, die Impulskontrolle. Er tut sich schwerer als die Schwester, nicht gleich „mit den Händen zu schauen“, aber er kann es immer öfter. Wir müssen es nur bemerken…

Hintergrundinformationen zum Thema Impulskontrolle gibt es in meinem nächsten Artikel: Hier klicken!

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