Hier geht´s zur Anmeldung für die Schreikind-Kompetenz-Challenge vom 24.8. - 28.8.2020

Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Schulanfang – Herbstanfang – Ferienende – Sommerende – Umstellungzeit. Mich treffen diese Übergangszeiten als hochsensibler Mensch, die eine extrem feine Wahrnehmung besitzt immer nochmal härter. Vor allem spüre ich die Wetterwechsel, Zeitenwechsel deutlich früher als andere. Halt geben da feste Abläufe – blöd nur, wenn das kleine Kind auch gerade mal wieder „im Umbruch“ ist. Und flexibles Eingehen statt starrer Handlungsabläufe angesagt ist. Während das Abstillen gerade stagniert, was aber kein Problem darstellt, wurde das Wickeln immer unangenehmer. 

Wickeln ist einfach doof

Er machte mir auf der Wickelkommode ja schon lange klar, dass ihm das überhaupt nicht gefällt. Und ich bin der Wickelsituation oft aus dem Weg gegangen, habe „nebenbei“ gewickelt oder es mit einem Bad verbunden, da es mir auch keinen Spaß (mehr) machte. Am Dienstag abend eskalierte die Situation. Den ganzen Tag hatten wir uns schon gegenseitig in den je eigenen Worten, bzw. Verhaltensweisen „mittgeteilt“, dass wir das absolut blöd finden, was die eine macht, bzw. wie der andere sich verhält. Und so lief es alles auf einem Machtkampf hinaus, etwas, von dem ich ja weiß, dass es eine loose-loose-Situation ist.

Die Situation spitzt sich zu

Er wollte Trinken und ich hatte keine Lust. Ich wollte, dass er endlich mit mir beim Wickeln zusammenarbeitet, da ich ihn pflegen muss, da geht kein Weg dran vorbei. Ich weiß, dass er ohne Körperpflege krank wird, er nicht. So waren die beiden Wünsche klar – er wollte trinken, ich wollte, dass er sich auf die Wickelkommode legte und sich eine neue Windel anziehen ließ. Ich sagte ihm, er möchte auf die Kommode klettern, was er nicht tat. Er kletterte dahinter. Ich hob ihn auf die Kommode und legte ihn, er heulte und drehte sich auf den Bauch. Ich sagte ihm, dass ich seine Mithilfe bräuchte, ohne diese ihn nicht pflegen könne. Er verweigerte. Ich war wütend, ich war todtraurig, aber klar im Entschluss – ich wollte ihn wickeln – mit seiner Hilfe. Und dann gab es da diese kleine Situation, in der er heulend, sich auf die Windeln legen ließ. Und ich die Windel zumachen konnte – fast. Da kam es ihm wieder, dass er das eigentlich wirklich nicht wollte und er drehte sich wieder weg. Und ja, es war noch viel anstrengender als es sich liest.

Und doch wieder ein Kompromis – die Brücke zueinander finden

Ab dann war nichts mehr zu holen. Er wurde immer müder und wütender und von Kooperation weit und breit keine Spur. Und auch mir war klar, seine „Kooperation“ in diesem Fall wäre keine Kooperation, sondern die Aufgabe seines Willens und seines für ihn richtig empfundenen Gefühls. So musste ein Kompromiss her: Ich stillte ihn auf der Kommode sitzend (sie ist nur 30 Zentimeter hoch) und wickelte ihn dabei. Er hatte seine Milch, ich konnte ihn wickeln, sprich in diesem Falle durch ein „Über-sich-Ergehen-lassen“.

In der Nacht lag ich wach und fing schließlich an, in „Emmi-Pickler“ zu blättern. Und begann, nachts, das Zimmer von dem Kleinen umzuräumen. Wickelkommode an neuen Platz und umgebaut zum Kletterplatz und der kleine Wohnzimmertisch umfunktioniert als Wickeltisch. So dass er sich beim Wickeln stellen kann.

Neuer Tag – neues Glück

Der nächste Morgen. Ich bringe ihn mit einem großen Geschäft in sein Zimmer. Treffe vorher alls Vorbereitungen: nassen Waschlappen holen. Stoffwindeln vorher zusammenbauen. Ich fordere ihn freundlich auf, mit dem Hocker auf den Wickeltisch zu klettern. Macht er gerne. Klar macht er ja auch sonst gerne! Er inspiziert den Tiscch, richtet sich an der Seitenwand (des das daneben gestellten Bettchens) auf. Zieht die Windeln aus dem Karton, der auf dem Tisch liegt und gibt sie mir. Ich nehme sie und sage ihm, dass ich ihm jetzt die Windeln anziehe. Er bleibt still stehen.Ich sage ihm dass ich ihm die Hose hochziehe. Später beim ersten großen geschäft kommt die Feuerprobe: Ich sage ihm, dass ich ihm jetzt den Po mit dem Waschlappen lasse. Er möchte bitte sein Bein heben. Da er es noch nicht weiß, nehme ich sein Bein, er lässt es locker geschehen. Nach dem Anziehen der Windeln und Hochziehen der Hose meine ich zu ihm, er kann wieder absteigen. Er schaut nochmal über den Tisch und klettert dann hinunter. So einfach kann Wickeln sein. Meine Güte, war ich erleichtert…

Und zur Erklärung: Anscheinend war das der Knackpunkt: Er wollte nicht auf den Rücken gelegt werden – wohl ein Gefühl von Hilflosigkeit für ihn – wie verständlich. Und ich habe mein gepflegtes Kind und meine Kooperation. Es sind doch immer die Eltern, die es einfach nicht verstehen (können).

Nachtrag am 21. August 2019

Mein Lernertrag

Er lässt sich derzeit wieder weniger im Stehen wickeln, sondern toleriert nun wieder das Wickeln im Liegen. Das ist anscheinend sein gewohnter Ablauf. Zumal ihn auch mein Mann so wickelt. Aber Baby hat verstanden, dass Wickeln grundsätzlich nicht verhandelbar ist. Ich habe verstanden, an welchen Stellen ich Führung übernehme und wann ich gut darauf achte, mit ihm zu kommunizieren. Mich auf das einlasse, was er an Impulsen vorgibt.

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