Hier geht´s zur Anmeldung für die Schreikind-Kompetenz-Challenge vom 24.8. - 28.8.2020

Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Der Kleine stürzt ganz gerne ab. Das heißt – eigentlich stürzt er überhaupt nicht gerne ab, er brüllt und heult ganz jämmerlich, wenn es ihm passiert: zweimal so geschehen in der letzten Zeit. Einmal vom Sofa, einmal die letzten Treppenstufen runter vom Arm gerutscht … Nix passiert – glücklicherweise ist ja das Kind das Letzte, was mutter loslässt, um sich lieber selbst den Unterarm und den Ellenbogen zu verschrammulieren. Und vor dem 50 cm hohen Sofa liegt wohlweislich ein Kissenberg

Aber so eine Sofakante ist auch für ein Baby auch einfach zu verführerisch: „Babydecke, da war ich schon, kein Spielzeug in Sicht? – Mal schauen, was in der Richtung ist, in der Mama gerade hinter der Küchentür verschwunden ist… KLONK – ähhh, halt, wieso stehe ich jetzt Kopf – UÄÄÄÄÄÄÄHHHHHH. [Hier erscheint Mama dann wieder hinter der Küchentür – und zwar zackig…]

Das Baby wird groß und mobil

Ja, das Baby wird groß und mobil – in einem atemberaubenden Tempo – das ist es, was alles immer so zu einer Aufregung macht. Heute das Knie angezogen, morgen hin- und hergewippt, übermorgen mit einem beherzten Sprung nach vorne auf die Nase gefallen… Heute aus Versehen rumgedreht, morgen dreimal weitergerollt, um an das gelbe Spielzeugdings zu kommen, übermorgen über die Sofakante geschaut – ups, ist der Kopf auf einmal schwer – RUMMS – UÄÄÄHHH….

Endlich hat sich einiges routinisiert

Endlich hatte sich einiges routinisiert: das abendliche Einschlafen im Tragetuch, das morgendliche Aufwachen und über dem Klo abgehalten werden, um das große Geschäft zu machen… Aber nun ist das Kind bald sechs Monat alt und wird unglaublich rege, alles wird genau beobachtet und nachgemacht. Was sich gerade eingespielt hatte, z.B. dass er sich nach etwa einer Stunde begann, die Augen zu reiben und zu gähnen, dann ab ins Tragetuch kam und neuestens auch in den Kinderwagen, passt auf einmal nicht mehr. Es konnte auf einmal passieren, dass er völlig wach wieder im Kinderwagen lag und ich ihn wieder nach Hause schob – ohne Schlafen. Nach einiger Zeit aber kapieren auch die Eltern endlich, dass sich etwas im Rhythmus verschoben hat… Mittlerweile schläft er nur noch drei- bis viermal am Tag – gut, wenn eine längeres Schlafphase dabei ist (sprich, so circa 75-90 Minuten). Dazwischen ist er nicht mehr bereit, zu schlafen, aber auch nicht immer sonderlich gut gelaunt, da er wach, aber trotzdem müde ist – anstrengend. Ihn ins Tragetuch packen hilft da ganz gut.

Das mit den veränderten Wachzeiten setzt sich nachts fort – auf einmal wird das Baby öfter wach, als es Trinken will (und sollte – außer ich möchte morgens die vollgekotzten Bettlaken wechseln – ja, die Babyzeit ist nicht immer ein ekelfreies Thema…). Und das morgendliche Abhalten über der Toilette mit erfolgreichem Morgenschiss um halb sechs wird durch die ersten Breiversuche und die dadurch durcheinander gekommene Darmaktivität torpediert. Was schade ist, es hatte etwas beruhigendes, bei aufgehender Sonne vor der Kloschüssel zu hocken und andächtig dem geräuschvoll drückenden Baby zuzuhören…

Neue Routine

Natürlich machen wir weiter und versuchen neue Regelmäßigkeiten zu etablieren. Nur gehe ich nach einer Weile in Umstellungsphasen auf dem Zahnfleisch. Immer wieder ist es ein Balanceakt – kaum ist ein neues Gleichgewicht in der Familie gefunden – die Große ist ja auch noch da und sollte möglichst pünktlich in der Schule erscheinen… – wird alles schon wieder über den Haufen geworfen und der Tagesablauf durcheinander gewirbelt. Zur Zeit drängt sich mir das Bild auf, immer hart am Wind zu segeln, es muss so dicht an den Wind herangefahren werden, dass das Steuerrad oder Ruder mit viel Kraft gehalten werden muss. Steuere ich aber zu weit in den Wind, beginnt das Segel zu flattern und das Boot kommt nur noch langsam vorwärts. Natürlich wollen wir Mütter (und Väter) alles gut und richtig und zum Wohle des Kindes machen – volle Fahrt voraus – brauchen auf diesem Kurs aber unglaublich viel Kraft und laufen ab und an Gefahr zu übersteuern – vor allem in Umbruchszeiten.


Diese Umstellungsfähigkeit, das Erkennen sich neu anbahnender Themen und Fähigkeiten des Kindes und das angemessene Reagieren darauf, um das Kind beim Lernen zu begleiten, ist die wahre Leistung, die wir als bewusste Eltern vollbringen. Haben sich die Abläufe erst einmal wieder eingespielt („O.k., jetzt schläft er eben nur noch alle 2-3 Stunden…“), dann ist das „Abarbeiten“ meist nicht mehr ganz so anstrengend. Und das ist meines Erachtens auch die große (Erziehungs-)Kunst, nicht zu früh in eingefahrene Bahnen einzubiegen, sondern die ersten Jahre eng am Kind zu bleiben, um gemeinsam auszutesten, was für genau dieses Kind jetzt passt und was eben nicht. Diese Leistung ist unser Geschenk als Eltern an das Kind für das ganze spätere Leben. Warum? Im Gehirn werden von Anfang an Bahnen angelegt, die dem Kind für sein ganzes Leben erhalten bleiben. Und Umlernen ist weitaus schwerer als Neulernen, bzw. Umlernen ist immer ein Neulernen – fernab von eingefahrenen Spuren. Wen die neurowissenschaftlichen harten Fakten dazu interessieren, möge sich gerne LeDoux zu Gemüte führen.

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