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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Untersuchung in der Arztpraxis

Letztens war es wieder so weit, eine Untersuchung für den Kleinen nach dem 3-Geburtstag stand an. Innerlich wappnete ich mich, da die Sprechstundenhilfe beim letzten Mal mit größter Intoleranz geglänzt hatte. Dieses Mal ging es schon gut los: Das Puzzle wollte er nicht machen, sich abhören lassen auch nicht, selbst, als es an mir demonstriert wurde.

In mittlerweile fast 10 Jahren, die ich mit meinen beiden Kindern die U´s über mich ergehen lassen, haben sich einige Erkenntnisse eingestellt, so dass ich heute zwar angespannt, aber innerlich klar zur Kinderärztin gehen kann.

Und so lief die Untersuchung dann ab: Obwohl mein Kleiner wenig bereit war mitzuarbeiten, traf ich auf Geduld und Zuwendung bei allen Beteiligten. Unterhalten mit der Kinderärztin, das wollte er gerne. Und malen auch. Und das reichte, um festzustellen, dass er altersgerecht entwickelt war. Manchmal läufts auch besser als gedacht…

Fallstricke: Mit was ich rechnen muss

1. Das Wartezimmer voll kranker Kinder

Mit meiner Tochter habe ich es tatsächlich erlebt, dass wir gesund zu einer Routineuntersuchung gingen und sie danach krank wurde. Sie hatte im Wartezimmer auf den Spielgeräten gespielt. Danach hat sie sich drei Wochen mit einem Magen-Darm-Virus herumgeschlagen. Seitdem meide ich das Wartezimmer, auch wenn sich durch die neue Bewusstheit in Corona-Zeiten das Zimmer leerer und hoffentlich auch besser desinfiziert ist.

2. Der schnelle Wechsel von Personen

Meine Kinder reagieren sie zunächst mit Zurückhaltung auf ihnen fremde Personen. In kürzester Zeit ihnen dann die Kooperation mit einer, manchmal zwei Sprechstundenhilfen und dann der Ärztin, eventuell noch einer neuen Assistenzärztin abverlangt. Ein Kennenlernen der Person, die auch sofort etwas von dem Kind verlangt, ist meist nicht bzw. sehr kurz möglich.

3. Unsicherheit Kind: neue Situationen und Bedürfnisse des Kindes

Meine Kinder kommen in eine für sie fremde Umgebung. Dort wird verlangt, dass es nach den dortigen Regeln und Abläufen „funktioniert“ ohne dass sie bis zu einem Alter von vielleicht 4 Jahren wirklich verstehen, was da alles vor sich geht. Deshalb äußerten sie ihre Bedürfnisse als sie noch nicht sprechen konnten mit schreien oder weinen. 

4. Unsicherheit Mutter: Was ist gesund?

Als Mutter erhalten wir nur wenig Ausbildung. So ist es völlig normal, sich zu fragen, ob ich mein Kind richtig betreue und was das Beste für die Gesundheit meines Kindes ist. Die Antworten entwickeln sich erst mit der Zeit. Anfangs hatte ich noch keinen klaren Standpunkt, und war für vieles offen. Oft war ich unsicher, welche Eingriffe wirklich nötig sind und welche nicht. Nur im Umgang mit dem Kind war mit schnell klar, dass ich Übergriffigkeit und Zwang nicht wollte.

5. Zeitdruck der Ärztin

Für die Untersuchung ist ein fester Zeitraum von der Krankenkasse festgelegt. Da dies meist nicht zu schaffen ist, werden die Sprechstundenhilfen und Ärzte ungeduldig, wenn eine Behandlung länger dauert, als geplant.

8 Tipps zum Arztbesuch

Generell: Es geht um den allgemeinen Gesundheitszustand des Kindes. Manchmal müssen nicht alle Daten erhoben werden. So war es bei der letzten U durchaus möglich, dass mein Kind keine Blutdruckmessung über sich ergehen lassen musste, als er das nicht wollte. Die Ärztin und ich waren uns einig, dass sie das Kind auch so beurteilen kann: durch das Gespräch mit dem Kind und damit, ihn malen zu lassen statt auf Standard-Aufgaben zu beharren.

1. Draußen warten

Um keine anderen Krankheiten im Wartezimmer aufzuschnappen, wähle ich mittlerweile einen Sitz auf dem Gang statt im Wartezimmer. Bei der Anmeldung frage ist, wie lange die geschätzte Wartezeit ist. Dauert es länger als eine halbe Stunde, hinterlasse ich meine Handynummer und warte draußen, z.B. auf dem Spielplatz. Da machen die Sprechstundenhilfen nicht gerne, ich fordere es aber ein und seit Corona gibt es weitaus weniger Widerstand.

2. Entspannt sein durch Atemübungen

In der Situation mit der Ärztin, falle ich gerne in die Rolle einer unmündigen Patientin. Um selbst klar bei mir zu bleiben, um die Interessen meines Kindes zu vertreten, mache ich kleine Atemübungen, z.B. eine längere Ausatmung als die Einatmung. So komme ich entspannt in die Behandlung, was sich auch auf das Personal überträgt.

3. Mit dem Kind sprechen

Wenn das Kind bereits Sprache versteht oder auch nur den Tonfall, hilft es, vorher den Arztbesuch anzukündigen. Mittlerweile bereite ich mein Kind im Gespräch auf die Situation vor. „Heute gehen wir wieder zur Kinderärztin. Wahrscheinlich will sie dir wieder in den Mund kucken. Da musst du dann den Mund so aufmachen – Aaaaaaahhhhhh – und dann nimmt sie so einen Holzlöffel….“ 

Hat das Kind einen Arztkoffer, kann die Situation vorher schon ein paarmal gespielt werden. So weiß ich auch schon, wo mein Kind empfindlich ist (meine Tochter mochte sich nicht in die Ohren schauen lassen).

4. Sich eine eigene Meinung bilden

Bei empfohlenen Eingriffen für das Kind tragen wir als Eltern die Verantwortung. Wir vertreten das Wohl des Kindes. Deshalb lohnt sich eine Recherche zu Themen wie z.B. Impfen. Hier empfehle ich das Buch von  Martin Hirte: Impfen – Pro und Contra.

5. Selbst Vorschläge machen

Da die Untersuchungen verlangen, dass bestimmte Fähigkeiten des Kindes überprüft werden, ergreife ich ab und an die Initiative, was das Kind machen könnte. Bei der letzten Untersuchung haben mein Sohn und ich vorher überlegt, was wir der Ärztin zeigen können, da sie ja etwas sehen will. Mein Kind meinte: „Ich kann etwas Schweres heben oder mit dem Messer schneiden.“ 🙂

6. Vorbild und Nachahmung

Kennt mein Kind etwas nicht, lasse ich es an mir vormachen, z.B. das Abhören des Herzschlages.

7. Expertin für das Kind sein

Ein ehrlicher Austausch mit der Ärztin ist nötig. Sie ist die Fachfrau für Krankheiten. Allerdings müssen wir oft die Anerkennung als Expertin für das Kind einfordern, da uns diese oft nicht zugestanden wird. Wir dürfen mit diesem Selbstbewusstsein im Hinterkopf in der Behandlung auftreten, schließlich kennen wir das Kind so gut wie niemand anderes.

8. Dabei sein

In der Behandlung bleibe ich ganz körperlich in der Nähe des Kindes. Nur so kann ich das Interesse des Kindes vertreten. Auch dies ist aus der negativen Erfahrung entstanden. Eine Assistenzärztin hatte, während ich mich noch mit der Ärztin unterhalten hatte, einfach begonnen, mein Kind anzufassen und ihr irgendwelche Dinge in die Ohren zu stecken. Sie wurde vorher weder gefragt noch angesprochen. 

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