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Familienpraxis 

Dr. Simone Lang

Beziehung Bindung

Immer wenn es darum geht, was ein Kind und ein Schreibaby insbesondere „bringt“, steht das Wort „Bindung“ an erster Stelle. 

Was ist Bindung?

In der Bindungsforschung wurden in den Anfängen Experimente mit Nähe und Distanz zur Mutter gemacht und dann darauf geschlossen, ob es eine sicher, unsichere oder hochunsichere Bindung von Kind zur Bezugsperson ist (Bolby, Ainsworth). 

Was hat das gebracht? Es hat gezeigt, dass hochunsichere Kinder einen schlechteren Start ins Leben haben und eine größere Anfälligkeit für psychische Krankheiten und soziale Probleme. Auch heute wird eine Resilienz, also der Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen, bei gut gebundenen Kindern nachgewiesen (Grossmann & Grossmann). 

Das übt natürlich einen Druck auf uns Eltern aus – wir sollen und wollen „es“ richtig machen.

Eigene intuitive Kompetenzen

Die gute Nachricht ist: Eltern haben angeborene, intuitive Fähigkeiten, eine sichere Beziehung zu ihrem Baby aufzunehmen und aufrecht zu erhalten. Wir brauchen also eigentlich nur auf unsere eigene innere Stimme hören. Tragischerweise sind diese Fähigkeiten oft von eigenen traumatischen Erfahrungen in der eigenen Kindheit (oft schon im vorsprachlichen Alter) oder wenig hilfreichen Glaubenssätzen (z.B. „Du musst dein Baby …, sonst gewöhnst du es daran und kommst nicht mehr los“) überlagert. Wenn dies bewusst wird, kann eine Beratung helfen, Gedanken und eigene Wünsche zu sortieren und herauszuarbeiten.

Wie spüre ich Bindung? 5 Kennzeichen 

Generell lässt sich also sagen, wenn sich etwas in Beziehung, im Umgang mit dem eigenen Baby nicht gut anfühlt, ist auch etwas verbesserungsbedürftig. Wann fühlt sich Bindung gut an?

1.Innigkeit

Innigkeit ist eine Beziehungsqualität, die Mütter z.B. beim Stillen eingehen können. Es ist das Gefühl, das wir haben, wenn wir uns selbst in entspanntem Zustand unserem Kind zugewandt sind. 

Oft geben die Babys die beste Rückmeldung, wenn etwas in der gemeinsamen Beziehung nicht passt. Sie sind die Fachleute in Beziehungsaufbau, im Verweilen von Beziehung und dem lautstarken Beklagen von Beziehungsabbruch. 

2.Durchlebte Gefühle

Dabei ist der größte Irrtum, dass das Baby mit allen Mitteln beruhigt werden muss, wenn es sich unwohl fühlt. Der schönste Ertrag ist es, wenn auch die negative Gefühle eines Babys mit ihm oder ihr in innerlicher Verbundenheit durchlebt werden können. 

Bei Schreibabys ist die besondere Schwierigkeit, dass sie oft von null auf hundert zu schreien anfangen und sich nicht beruhigen lassen. Wenn Eltern es schaffen, selbst präsent und bei sich zu bleiben und dem Kind „zuhören“ können, kann sich nach dem Schreien eine gemeinsame Ruhe und Innigkeit einstellen.

3.Dasein

Generell gilt, dass es für ein Baby wichtig ist, dass eine Person spürbar da ist – gerade wenn es schreit. Dasein meint darüber hinaus nicht nur die körperliche Anwesenheit, sondern auch das Erkennen, wenn ich innerlich nicht mehr bei meinem Kind sein kann, z.B. weil ich selbst eine Auszeit brauche. Und dann das Dasein auch nicht erzwinge, da es für das Kind als Stress erlebt wird, wenn die Bezugsperson „aushält“ (Harms).

4.Anteilnahme

Ein inneres Beteiligtsein ist ein Anteilnehmen an dem Schmerz des Kindes ohne sich selbst zu vergessen. Es ist ein Angebunden-Sein an das Baby mit gleichzeitigem Angebunden-Sein an sich selbst. Am besten kann dies realisiert werden, wenn ich mein Bewusstsein in meinem eigenen Körper lenke und mich frage, was gerade mein innerer Zustand ist. Und davon ausgehend entscheide, was ich gerade für das Kind leisten kann und wie ich für mich selbst in die Entspannung komme.

5.Verbunden und getrenntsein körperlich spüren

Die verschiedenen Beziehungsweisen mögen sich unterscheiden, das Gefühl der Bindung ist immer ähnlich: es ist ein gutes Körpergefühl. Und ein Beziehungsabbruch tut (körperlich) weh. Das gilt nicht nur im Baby- sondern ebenso im Kindesalter.

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